04.03.2020 | 18:45 Uhr Hamsterkäufe wegen Coronavirus: Hersteller von Nudeln und Konserven produzieren auf Hochtouren

Seitdem sich Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert haben, decken sich einige offenbar mit großen Mengen Lebensmitteln ein. Einzelhändler berichten von leeren Regalen. Wie erleben Lebensmittelproduzenten und Ladenbesitzer in Sachsen die Nachfrage?

Lücken im Regal mit Konservendosen
Lücken im Regal mit Konservendosen waren in mehreren Bundesländern - hier in Brandenburg - am vergangenen Wochenende zu sehen. Die Händler haben nachgeordert. Das spüren nun auch Hersteller in Sachsen. Bildrechte: dpa

Konservenproduzent fährt Schichten hoch für Apfelmus und Eintöpfe

Saure Gurken Produktion
Statt Obstsaft stellt man in Sohland jetzt mehr saure Gurken her. Bildrechte: dpa

Bei der Lausitzer Früchteverarbeitung GmbH in Sohland haben sich die Bestellungen verdoppelt. "Los ging es Anfang der Woche mit höheren Bestellungen aller Discounter und Supermärkte", sagte Eigentümer und Geschäftsführer Maximilian Deharde MDR SACHSEN. Im Onlineshop würden vor allem ältere Menschen Suppen und Eintöpfe bestellen.

In der Form haben wir das noch nicht gehabt.

Maximilian Deharde Geschäftsführer Lausitzer Früchteverarbeitung
Maximilian Deharde
Maximilian Deharde in seinem Werk in Sohland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die erhöhte Nachfrage von 20 bis 50 Prozent je nach Warengruppe hat Folgen für die 135 Mitarbeiter des Herstellers. Das Werk in Steinbach bei Auerbach produziere nun im Zweischicht-System Suppen. Andere Konservenprodukte wie Pilze wurden laut Deharde zurückgestellt. In Sohland stellen die Mitarbeiter in Doppelschichten vor allem Apfelmus und saure Gurken her. Dafür sei die Saftproduktion gedrosselt worden.

Nachfrage bei Nudelhersteller verfünffacht

"Enorm erhöht" hätten sich die Bestellungen im Onlineshop des Nudelherstellers Teigwaren Riesa, teilte das Unternehmen mit. "Verglichen mit dem ersten März-Wochenende 2019 haben sich die Bestellungen verfünffacht." Im Nudelkontor werde in den letzten Tagen vermehrt zu Großgebinden gegriffen. "Die zweieinhalb und fünf Kilogramm schweren Nudelsäcke gehen sprichwörtlich weg wie warme Semmeln", hieß es vom Nudelhersteller. Mancherorts seien die Nudelregale regelrecht leergefegt, hieß es.

So lange sich die Menschen Sorgen um ihre Gesundheit machen und die Öffentlichkeit meiden, werden wohl weiterhin viele zu vor allem länger haltbaren Lebensmitteln greifen, um sich einen Vorrat anzulegen.

Riesaer Teigwaren

Mehr Nachfrage, aber keine Hamsterkäufe bei Fleisch und Wurst

Würstchenproduktion
Wurstkonserven und haltbare Wurstwaren werden bei der Döbelner Spezialitäten GmbH stärker nachgefragt. Bildrechte: dpa

"Die Nachfrage im Konservengeschäft ist gestiegen. Wir mussten die Produktion erhöhen", sagte Vertriebsinnendienstleiterin Marion Gieseke von der Döbelner Spezialitäten GmbH. Besonders beliebt seien aktuell Soljanka und Gulasch, aber auch alle anderen Konservenprodukte würden stärker nachgefragt. "Das ist schon auffällig, wird sich aber bestimmt wieder beruhigen", meinte Gieseke. Wie hoch der gesteigerte Absatz ist, konnte sie noch nicht beziffern.

Offensichtlich denken die Menschen nach, die in unsere Filialen kommen.

Ralf Ludewig Marketingleiter Radeberger Fleisch- und Wurtwaren

Im knapp 60 Kilometer entfernten Radeberg spürt die Radeberger Fleisch- und Wurstwaren Korch GmbH keine signifikanten Absatzsteigerungen. Einzelne Supermärkte hätten zwar etwas mehr Ware bestellt, von Hamsterkäufen bemerke man nichts, sagte Marketingleiter Ralf Ludewig MDR SACHSEN. Er schlussfolgerte daraus, dass Kunden, die Markenware in den Fleischereifilialen im ländlichen Raum kauften, möglicherweise weniger hysterisch auf die Coronavirus-Verbreitung reagierten als Supermarktkunden in Großstädten.

Gestern Abend im Kaufland gewesen. Dort waren auch teilweise leere Regale, gerade bei den Konserven.

John Richter MDR-Nutzer bei Facebook

So erleben Kaufleute die Verbraucherstimmung

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR AKTUELL | 04.03.2020 | 13:22 Uhr

2 Kommentare

Mal ne Anmerkung vor 29 Wochen

Kann es nicht auch sein ,das die Medien einen "gewissen" Anteil an diesen, von Teilen der Bevölkerung durchgeführten "Hamsterkäufen" ,haben?
Selbst erlebt ,bei Edeka in Dresden am gestrigen Tag,Opa mit Rollator bepackt mit 10 mal Pommes tiefgefroren,10 Büchsen Suppe,5 mal Nudeln usw.!
Da konnte sich ein junger Mann einen nicht ganz fairen Spruch nicht berkneifen."Das schafft er nicht mehr in seinem jetzigen Leben"!
Richtig ,jeder sollte für sich entscheiden ob er diese "Massenbevoratung" mit macht.Ein kleines Polster ist doch immer im Hausvorhanden aber hier scheinen Menschen mit der Einschätzung der Realität ,an ihre Grenzen zu kommen.

Uwezi vor 29 Wochen

Irgendwie versteh ich das nicht. Gibt es irgendeinen rationalen Grund für die Hamsterkäufe? In ganz Deutschland ist eigentlich außer reißerischen Schlagzeilen noch nichts passiert und die Leute drehen am Rad. Ok, der Handel wird mal seine Ladenhüter los. Viel Spaß dann mit dem leckeren Büchsenfutter. Was allerdings für Betroffene ärgerlich ist dürfte die Tatsache sein, daß jetzt teils sogar die Pflegepakete für Pflegebedürftige nicht verschickt werden können weil es inzwischen Probleme beim Nachschub von Desinfektionsmitteln gibt. Vielleicht wäre es gut erst mal den Verstand einzuschalten bevor man den sich gegenseitig wegen Auflagenstärke und Einschaltquoten an Schlagzeilen überbietenden Medien panisch folgt.

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