Wissenschaft Mehr als 170 Forschungsprojekte zu Corona in Sachsen

Ein Effekt der Corona-Pandemie ist sicherlich, dass Forschung und Wissenschaft in den Blick der Öffentlichkeit treten. Dringend warten wir auf Erkenntnisse, die uns beispielsweise vor einem schweren Verlauf bei Covid-19 bewahren. Auch in Sachsen beschäftigen sich hunderte Wissenschaftler mit der Bekämpfung des SARS-CoV-2 Virus oder der Frage, wie wir besser mit dem Virus leben können. MDR SACHSEN wird in dieser Woche mehrere Forschungsprojekte und die klugen Köpfe dahinter vorstellen.

Corona Forschung
Im Freistaat forschen unterschiedlichste Diziplinen rund um das Coronavirus und die Folgen der Pandemie. Bildrechte: PantherMedia/davizro/IMAGO/ZUMA Wire

Nach einer Umfrage von MDR SACHSEN bei den Universitäten und relevanten Forschungsinstituten beschäftigen sich derzeit mehr als 170 Forschungsprojekte in Sachsen mit dem Thema SARS-CoV-2. Der Großteil davon ist im medizinischen Bereich anzusiedeln. An der TU Dresden gibt es beispielweise insgesamt 82 Forschungsprojekte, die einen Bezug zu Covid-19 haben, davon kommen 75 aus der Medizin.

Unterschiedlichste Disziplinen an Corona-Forschung beteiligt

Allein die medizinischen Forschungsprojekte verfolgen sehr viele unterschiedliche Ansätze. Die Bandbreite reicht vom Aufbau eines deutschlandweiten Obduktionsnetzwerks für den Pandemiefall (Universitätsklinikum Dresden) über die Entwicklung eines SARS-CoV-2 Impfstoffes auf Basis von Herpesviren (Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie) bis hin zur Entwicklung eines Verfahrens, das einen individuellen, optimalen Beatmungsdruck bei Covid-19-Patienten feststellen will (Uniklinikum Leipzig).

Steve Nebel TU Chemnitz
Steve Nebel (hinten) vom Institut für Medienforschung an der TU Chemnitz forscht beispielsweise zu dem Thema: Kommt man spielend durch die Covid-19-Pandemie? (Archivbild) Bildrechte: Bildarchiv der Pressestelle und Crossmedia-Redaktion/Mario Steinebach

Aber auch in anderen Wissenschafts-Disziplinen beschäftigt die Corona-Pandemie die sächsischen Forscher. So findet beispielsweise an der TU Chemnitz eine Studie statt, die untersucht, ob Videospiele die Folgen der Kontaktbeschränkungen mildern können. Die Frage, wie ein Corona-Frühwarnsystem funktionieren könnte, treibt unter anderem Mikrobiologen am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) um. Sie erforschen, wie man im Abwasser aus Kläranlagen zuverlässig den Infektionsgrad der Bevölkerung messen kann.

16 Millionen Euro vom Freistaat für die Forschung

Für Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow ist klar, warum so viele Wissenschaftler sich derzeit der Erforschung der Corona-Pandemie zuwenden:

Niemand möchte die Hände in den Schoß legen. Viele möchten ganz aktiv mitwirken. Diejenigen, die etwas dafür tun können, diesem Virus etwas entgegen zu setzen, sind mitunter ganz beseelt davon.

Sebastian Gemkow Sachsens Wissenschaftsminister

Der Freistaat unterstützt entsprechende Forschung derzeit mit 16 Millionen Euro aus dem Corona-Bewältigungsfonds. Dieses Geld sei ausreichend, um die laufenden Forschungsprojekte, die vom Land finanziert werden, abzuschließen, ist Wissenschaftsminister Gemkow überzeugt.

Daran forschen Wissenschaftler in Sachsen zum Thema Corona

Übersicht Corona-Forschungsprojekte Sachsen (Stand 2/2021)
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Übersicht Corona-Forschungsprojekte Sachsen (Stand 2/2021)
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Corona-Forschungsprojekte in Sachsen
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Übersicht Corona-Forschungsprojekte Sachsen (Stand 2/2021)
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Übersicht Corona-Forschungsprojekte Sachsen (Stand 2/2021)
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TU Dresden arbeitet an Coronaviren-Detektor

Zu diesen Projekten gehört auch die Entwicklung einer elektronischen Biosensorplattform, die Coronaviren in geschlossenen Räumen wie ein Alarmsystem feststellen soll. An der Entwicklung einer solchen künstlichen Nase arbeitet derzeit ein Team im Institut für Elektrotechnik der TU Dresden.

Doch auch wenn die Forschung abgeschlossen ist, bleibt die Herausforderung, die Erkenntnisse in der Praxis zu nutzen:

Die Verknüpfung von der Welt der Wissenschaft mit der Geschäftswelt ist eine echte Herausforderung. Was an Erkenntnissen durch Forschung in Sachsen gewonnen wird, in konkrete Produkte umzusetzen, ist der nächste Schritt.

Sebastian Gemkow Sachsens Wissenschaftsminister

Ein Blick in ein europäisches Nachbarland könnte Ansporn sein. In den Niederlanden wird neben den täglichen Corona-Infektionszahlen mittlerweile auch der tägliche Infektionsgrad im Abwasser ausgewiesen, um die Dynamik der Pandemie besser einzuschätzen zu können. Woran in Leipzig am UFZ noch geforscht wird, ist hier also schon gelebte Praxis. Allerdings stehen die Leipziger Forscher vor wesentlich größeren Herausforderungen: In den Niederlanden gibt es nicht einmal 400 Kläranlagen, die überwacht werden müssen, in Deutschland sind es mehr als 10.000.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.02.2021 | 06:20 Uhr

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