Corona-Folgen Improvisieren und Weiterhoffen bei den sächsischen Hoteliers und Gastronomen

Im Dezember sind in Sachsen Hotelübernachtungen aus touristischen Zwecken verboten, Restaurants und Bars geschlossen. Diese Einschränkungen treffen Hotellerie und Gastronomie bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Wie gehen die Betroffenen damit um? MDR SACHSEN hat bei Gastronomen und Herbergsbetreibern im Freistaat nachgefragt. Für einige ist jetzt schon klar, dass sie über Silvester geschlossen haben werden - selbst wenn für wenige Feiertage Öffnungen erlaubt wären.

Leere Stühle und Tische stehen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche vor einem Restaurant.
Keine Touristen, leere Stühle, leere Tische: Wie gehen Gastronomen und Hoteliers mit den Folgen des Teillockdowns ins Sachsen um? Bildrechte: dpa

Leipzig-Plagwitz: Von der Neueröffnung direkt in den Lockdown

Ende Oktober wollte Carlo Grommisch richtig starten mit seinem neuen Restaurant in Leipzig-Plagwitz. Seit 2018 hatten mehrere Partner mit ihm die Eröffnung des "Pretty Please" vorbereitet. Nach eigenen Angaben steckten sie einen sechsstelligen Betrag in den Ausbau der kalifornisch anmutenden Location und stellten 21 Mitarbeiter ein. Gut die Hälfte davon, alles Studierende, musste nach den Restaurantschließungen im November wieder gehen. "Wir hatten immer gehofft, dass es keine Schließungen gibt. Seit einer Woche versuchen wir mit dem Mitnahmegeschäft die Fixkosten zu senken", sagt Grommisch. Rund 7.000 Euro seien das im Monat, ohne Lohnkosten und Lebensmittel.

Ein Mann mit grauem T-Shirt und einem Küchentuch in den Hosenbund gesteckt,  lacht in die Kamera. Es sit der Unternehmer und Gastronom Carlo Grommisch aus Leipzig. Er hat mitten in der Corona-Krise ein Restaurant eröffnet.
Zur Eröffnung seines eigenen Restaurants war Carlo Grommisch am 1. Oktober noch optimistisch, dass Hygienepläne ausreichen, um Gastroschließungen zu verhindern. Jetzt kämpft das Team des "Pretty Please" mit Take-Away-Angeboten ums Überleben. Bildrechte: Chris Abatzis

Immer wieder sagen uns Leute: Haltet bitte durch!

Carlo Grommisch Geschäftsführer

Burritos, Quesadillas und Bowls liefern Grommisch und seine Mitarbeiter selbst aus und freuen sich über jeden, der seine Speisen abholen kommt. Zuspruch sei da, aber: "Es ist noch viel Luft nach oben." Ob das neue Unternehmen staatliche Unterstützung bekommt, rechne gerade die Steuerberaterin durch. Umsatzausfälle aus dem Jahr 2019 kann Neugründer Grommisch nicht vorweisen. "Und die Zahlen aus dem Eröffnungsmonat Oktober haben wenig Aussagekraft, es sollte ja erst richtig losgehen", sagt er mit Blick auf die Debatte um die sogenannten Novemberhilfen.

Ob wir es schaffen, weiß man nicht. Wir hoffen, dass wir den finanziellen Atem haben und die Kraft, um durchzukommen.

Carlo Grommisch Restaurantbetreiber

Grommisch, der seit 20 Jahren in der Gastroszene Leipzigs arbeitet, denkt nicht, dass auf absehbare Zeit in Sachsen Corona-Lockerungen kommen werden. "Man muss sich doch nur die Infektionszahlen anschauen", meint er. Manche seiner Leipziger Gastrokollegen rechneten sogar damit, dass erst im März oder April 2021 Wiedereröffnungen ihrer Häuser möglich seien. Dass man als Gastronom nichts richtig planen könne, sei schwierig in diesen unsicheren Tagen, meint der Leipziger Unternehmer.

Burghotel Stolpen: "Kopf in den Sand stecken? Kommt nicht infrage"

Diese Unvorhersehbarkeit in Corona-Zeiten nervt auch die Hotelinhaberin Anne Autenrieth am meisten. "Ich plane gerne. 2020 war aber so viel Ungewissheit. Es ist komisch, die Dinge nicht selbst in der Hand zu haben." Nach dem Lockdown im Frühjahr hätten die 26 Mitarbeiter des Hauses eine "Supersaison" erlebt. "Wir waren ausgebucht wie noch nie - bis in den Oktober hinein. Es kamen so viele Touristen aus Ost und West. Einfach Wahnsinn", sagt Hotelchefin Autenrieth. Vom Polster aus dem Sommer zehrte das Burghotel in der Sächsischen Schweiz im Teillockdown. Im November konnten die Mitarbeiter Überstunden abbauen und Resturlaub nehmen. Aber seit Dezember sind acht Hotelmitarbeiter in Kurzarbeit.

Wir arbeiten seit 26 Jahren für unser Hotel. Wir schaffen das. Ich kann meinen Kopf ja nicht in den Sand stecken oder mich aufregen.

Anne Autenrieth Hotelinhaberin

Zeit für Liegengebliebenes

Mit den übrigen Mitarbeitern würden jetzt Arbeiten erledigt, die in der Sommerhektik liegen geblieben seien. Zimmer und Teppiche sind von Grund auf zu reinigen, Umbauten einiger Räume in thematisch neue Zimmer wie Falkner- und Jägerzimmer stünden auf dem Plan. "Wir haben Stühle neu beziehen lassen. Zuvor haben wir die Stühle selbst abgeschliffen. Alles Arbeiten, die sonst Handwerker machen. Aber so sind wir beschäftigt", sagt die 47 Jahre alte Unternehmerin. Seit Jahren bietet das Hotel auch Herrnhuter Sterne an, die die Kunden jetzt im Advent kauften. Ihren Mitarbeitern habe sie gestaffelt nach Position trotzdem den Corona-Bonus gezahlt.

Das Burghotel gehört Familie Autenrieth. Das sind die mit den vielen As: Anne, Arnd, Alrun, Aik, Arild und Ares, der Hund.
Bei einer TV-Aufnahme für den MDR vor zwei Jahren waren Familienleben und Hotelbetrieb der Autenrieths noch planbar und übersichtlicher als heute, sagt Anne Autenrieth.(Bildmitte des Archivfotos) Bildrechte: MDR/René Biermann

Das Kurzarbeitergeld ist knapp und meine Leute wollen ihren Kindern doch auch ein schönes Weihnachten machen.

Anne Autenrieth Unternehmerin und Hotelier

Ohne Corona würde sich das Burghotel-Team im Advent aufs Weihnachtsgeschäft vorbereiten und dann die große Silvesterparty mit 140 Gästen in Angriff nehmen. Dieses Jahr bleibt das Haus bis Neujahr geschossen. "Es ist betriebswirtschaftlicher Unsinn, für vier Tage über Silvester zu öffnen, wenn ich dafür drei Tage Vorlauf benötige", sagt Anne Autenrieth. Sie hofft, dass die politischen Entscheider im Landkreis und auf Landesebene beachten, dass kurzfristige Entscheidungen für die Hotellerie und Gastronomie schwierig seien. "Wir brauchen etwas Vorlauf für die Umsetzung."

Abendstimmung über der Burg Stolpen.
Seit 26 Jahren arbeitet Anne Autenrieth für ihr Burghotel zu Füßen der Burg Stolpen in der Sächsischen Schweiz. Bildrechte: dpa

Jugendherberge Plauen: "Wir halten die Stellung"

In der Jugendherberge "Alte Feuerwache" in Plauen sind im Dezember 20 Betten pro Woche belegt. Lehrlinge der Handwerkskammer übernachten im Haus in der Innenstadt, das insgesamt 135 Betten hat. "Vielleicht zieht bald noch eine Hand voll Bundeswehrsoldaten ein, das ist aber noch nicht spruchreif", sagt Bianca Giera vom Management der Herberge. 14.500 Übernachtungen hatte sie für dieses Jahr im Blick. "Tja, mit der Schließung während der Hauptsaison im Frühjahr konnten wir nur eine halbe Saison mitnehmen", sagt Giera.

Andrang der Spontanreisenden im Sommer

Nachdem keinerlei Klassenfahrten und Gruppenreisen stattfinden konnten, seien die Übernachtungszahlen im Sommer dann wieder gestiegen, weil viele Familien aus der Region spontan Urlaub in der Jugendherberge machten. "Das war mit dem Teillockdown abrupt zu Ende", bilanziert Bianca Giera. Ein Großteil der zwölf Mitarbeiter musste in Kurzarbeit gehen. Einige wenige kümmern sich um die geschäftlichen Gäste.

Keine Öffnung über Silvester

Die "Alte Feuerwache" wird auch über Silvester nicht öffnen - unabhängig von den politischen Entscheidungen vor Weihnachten. Das Haus bleibt bis Neujahr für touristische Besucher geschlossen. So hat es der Landesverband der Jugendherbergen beschlossen. Auch den großen Gruppen, die normalerweise über Silvester Betten buchen, sei abgesagt worden. "Es dauert mehrere Tage wieder zu öffnen. Aufwand, Personaleinsatz und Kalkulation lohnen sich einfach nicht, wenn man dann nur drei Tage öffnen darf", erklärte Herbergsmitarbeiterin Giera dazu.

ein Haus mit mehreren rundbogen vor der Fassade steht an einer alten straße. es sit die Jugendherberge in Plauen, die heute in der ehemaligen Feuerwache der Stadt untergebracht ist.
Die Jugendherberge mitten in Plauen. Bildrechte: Jugendherberge Alte Feuerwache

Wir halten die Stellung und denken positiv an die Zukunft.

Bianca Giera Jugendherbergs-Management

Dennoch blickt sie optimistisch auf 2021. "Es hat schon viele Gruppenanfragen gegeben. Klassenlehrer wollen ihre Klassenfahrten nachholen und die Gäste fragen nach."

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENPSIEGEL | 03.12.2020 | 19:00 Uhr

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