12.05.2020 | 06:05 Uhr Sind Sachsens Gesundheitsämter wirklich fit für steigende Anforderungen?

Wegweiser Gesundheitsamt
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Mit Blick auf bevorstehende Aufgaben der Gesundheitsämter in Sachsen, hat sich Sozialministerin Petra Köpping dafür ausgesprochen, über die Ämterstruktur neu nachzudenken. Es würden immer mehr Daten abgefragt, die Anforderungen an Gesundheitsämter stiegen immer weiter, sagte sie. "Künftig müssen wir in dem Bereich auch bei der Digitalisierung noch einen Zahn zulegen, um Erleichterungen zu schaffen", verlangte Köpping im Interview mit MDR SACHSEN.

Fünf Amtsmitarbeiter auf je 20.000 Sachsen

Die Landkreise und kreisfreien Städte haben seit März 2020 jeweils fünf Mitarbeiter auf 20.000 Bewohner aufgeteilt, so wie es Bund und Länder beschlossen hatten, erklärte die Ministerin. Diese Mitarbeiter seien beispielsweise für die Verfolgung von Infektionsketten zuständig.

Das kommt auf die Gesundheitsämter zu - Bund und Länder haben sich auf einen neuen Notfallmechanismus im Umgang mit dem Corona-Virus geeinigt: Gibt es irgendwo in einer Woche mehr als 50 neue Fälle pro 100.000 Einwohner, sollen lokal strengere Maßnahmen in Kraft treten. Damit stehen lokale Besonderheiten stärker im Blickfeld.

- Die Gesundheitsämter müssen die Infektionen wie auch bisher schon im Blick behalten, Infektionsketten nachverfolgen und unterbrechen.

- Gibt es mehr als 50 Infektionen innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohner wird es für die Behörden schwer die Infektionskette nachzuvollziehen.

- Alle sächsischen Landkreise sind aktuell weit entfernt von dieser 50er- Marke. Bezogen auf die letzten 7 Tage und je 100.000 Einwohner, gibt es den höchsten Wert im Landkreis Bautzen mit 20 Neuinfektionen, gefolgt vom Vogtlandkreis mit 18 und Zwickau mit 13 Neuinfektionen. Chemnitz und Mittelsachsen melden je 0 Neuinfektionen.

Quelle: MDR SACHSENSPIEGEL vom 11.5.2020

Vor einer Woche hatten Recherchen des MDR ergeben, dass die Kontaktverfolgungsteams nur in den Städten Chemnitz, Dresden, Leipzig sowie in den Landkreisen Leipzig, Görlitz und dem Erzgebirgskreis über das von Land und Bund verlangte notwendige Personal verfügten. Das entsprach nur einem Drittel der Gesundheitsämter im Freistaat. Dazu sagte Sozialministerin Köpping: Für die Arbeit hätten die Landkreise und kreisfreien Städte "teilweise Personal aus anderen Verwaltungsbereichen zugeführt, das unterstützt hat, das geschult wurde, so dass die Gesundheitsämter temporär gestärkt worden sind". In einigen Bereichen würde aber der eine oder andere Kollege noch fehlen.

Viele Bürger haben in der Vergangenheit gar nicht gewusst, wofür Gesundheitsämter stehen. In der Pandemie sind diese Ämter sehr in den Fokus gerückt. Ich danke allen Mitarbeitern, die dort sehr, sehr viel leisten.

Petra Köpping Sächsische Sozialministerin

Gesundheitsämter wollen nicht vergessen werden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Ämter gesetzlich stärken. Die Pläne seien bislang nicht nachhaltig genug, hat der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes bereits kritisiert. Auch die Meißner Gesundheitsamtsleiterin Petra Albrecht äußerte sich skeptisch. Sie appellierte an de Entscheider im Bund und auf Landesebene:

Petra Albrecht, Leiterin des Gesundheitsamt Meißen
Ärztin und Gesundheitsamtsleiterin Petra Albrecht in Meißen verlangt mehr Unterstützung für die Gesundheitsämter. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Ich hoffe, nach Corona sind die Gesundheitsämter nicht wieder vergessen. Das ist mein größter Wunsch.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm im MDR MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 08.05.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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