31.03.2020 | 07:52 Uhr Hebammen müssen Verunsicherungen der Schwangeren auffangen

In der Corona-Krise soll der persönliche Kontakt zu anderen Menschen möglichst auf ein Minimum reduziert werden. In einigen Berufsfeldern setzten die Menschen deshalb auf Homeoffice. Für Hebammen ist das aber nicht umsetzbar, denn frischgebackene Mütter benötigen die Unterstützung vor Ort. MDR SACHSEN hat mit der Vorsitzenden des Sächsischen Hebammenverbandes, Stephanie Hahn-Schaffarczyk, über die Besonderheiten der Hebammenarbeit in der Corona-Krise gesprochen.

Eine Hebamme tastet den Bauch einer Schwangeren ab
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Mit welchen Herausforderungen haben freiberufliche Hebammen jetzt zu tun?

Hebammen sind jetzt vor Probleme gestellt, die es bis dato nicht gab. Das ist das allererste Mal in der Geschichte, dass es so eine Pandemie gibt und von daher herrscht erst einmal große Verunsicherung. Was ist das Richtige? Inwiefern kann man die Frauen betreuen? Inwiefern schützt man sich selbst? Es gibt kaum Schutzmittel für die freiberuflich tätigen Hebammen. Desinfektionsmittel sind ausverkauft. Auch was Mundschutz und Schutzkleidung betrifft, ist die Situation ungeklärt. Es fühlt sich keiner so richtig zuständig dafür. Und natürlich müssen die Hebammen die Verunsicherungen der Schwangeren und frisch-entbundenen Frauen auffangen. Auch die hängen ja ein Stück weit in der Luft und wissen nicht so richtig, was jetzt ist.

Homeoffice ist wahrscheinlich kein Thema bei Ihnen, oder?

Nein, nicht wirklich. Wir haben ja auch einen Versorgungsauftrag. Allerdings gibt es für uns seit Freitag letzter Woche die Möglichkeit, einige Termine über die Entfernung hinweg stattfinden zu lassen, also per Videokonferenz oder Telefon. Wir können aber viele Besucher nicht außen vor lassen, gerade frisch entbundene Frauen mit ihren Säuglingen. Die müssen in den ersten Tagen zu Hause besucht werden. Das frühe Wochenbett ist die Zeit, in der die meisten Komplikationen auftreten können.

Wie sieht die Situation bei den angestellten Hebammen in den Kliniken aus?

Auch da sind zusätzliche Probleme aufgekommen. Erst einmal fallen einige Kollegen noch zusätzlich weg, zum Beispiel weil sie in Quarantäne sind oder weil sie ihr eigenes Kind betreuen müssen. Das heißt, die ohnehin schon dünne Personaldecke wurde jetzt noch mehr ausgedünnt. Das stellt ein großes Problem in den Kliniken dar.

Können sich Schwangere im Vorfeld einer Geburt derzeit sicher sein, dass sie eine Hebamme finden, die sie betreut?

Auf alle Fälle, wenn auch nicht immer zu 100 Prozent im persönlichen Kontakt. Die allermeisten Kolleginnen bieten auch weiterhin eine Betreuung an. Sei es teilweise durch telefonische Betreuung oder Videokonferenzen.

Was tun Hebammen im Umgang mit Schwangeren und Gebärenden, um die Hygieneregeln einzuhalten?

Die Kolleginnen sind da ganz akribisch und informieren sich regelmäßig auf den zur Verfügung stehenden Webseiten. Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an alle lieben Freiwilligen, die derzeit bei uns anfragen und uns Mundschutze nähen. Diese Anteilnahme rührt mich sehr.

Was für Hygieneregeln sollten Schwangere und junge Mütter beachten?

Eine Hebamme, Mutter und Baby
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Sie sollten die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygieneregeln einhalten und vielleicht zur Sicherheit Mundschutz benutzen, wenn unklar ist, ob bei jemandem in der Nähe eine Infektion stattgefunden haben könnte. Händewaschen ist das A und O und natürlich den Personenkontakt so gering wie möglich halten. Für den Hausbesuch der Hebamme gilt: Räume lüften, regelmäßig Hände desinfizieren oder waschen und die Personenzahl so gering wie möglich halten. Im Idealfall wirklich nur Mutter und Kind. Einfach, um das Infektionsrisiko für alle Umstehenden so gering wie möglich zu halten.

Wie sieht die Wochenbett-Betreuung durch Hebammen derzeit aus?

Die Wochenbettbetreuung hat sich gerade noch einmal ein Stück weit verändert, da zurzeit besonders viele Frauen wenige Stunden nach der Geburt nach Hause gehen. Dadurch sind die Hebammen vor ein neues Problem gestellt, denn sie müssen eine deutlich höhere Anzahl an Wochenbettbesuchen abfangen. Kurz gesagt, das frühe Wochenbett, welches sonst in einer Klinik stattfindet, wird jetzt durch ganz viele Freiberufliche betreut.

Sind Väter jetzt generell aus den Kreißsälen verbannt?

Nein. Es gibt zwar Kliniken, die beschlossen haben, dass Väter weder im Kreißsaal noch auf der Wochenbettstation zugelassen sind. Die sind aber nicht die Regel. Es gibt noch genügend Kliniken, in denen die Väter zugelassen sind. Seit dieser Woche gibt es auch eine Stellungnahme des Deutschen Hebammenverbandes, die ausdrücklich empfiehlt, Väter unter gesonderten hygienischen Bedingungen weiterhin den Frauen im Kreißsaal zur Seite stehen zu lassen.

Das Interview führte Regina Frisch.

Quelle: MDR/leo

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.03.2020 | 12:10 Uhr

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