27.03.2020 | 18:45 Uhr | Update Corona-Hilfe im Internet boomt

In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es neue Plattformen im Internet für die Nachbarschaftshilfe und Erntehelfer. Auf nebenan.de und daslandhilft.de werden Hilfesuchende und Helfer zusammengeführt. Während bei der Nachbarschaftshilfe schon viele Helfer vermittelt wurden, stehen die Erntehelfer in Sachsen noch in den Startlöchern.

Onlineplattform "Das Land hilft"
Bildrechte: daslandhilft.de

Das Portal daslandhilft.de vermittelt Erntehelfer

Wegen der Corona-Krise können derzeit rund 300.000 osteuropäische Erntehelfer nicht nach Deutschland einreisen. Der Bundesverband der Maschinenringe hat deshalb Anfang dieser Woche gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Online-Plattform daslandhilft.de gestartet. Die Plattform will den Kontakt zwischen Landwirten und Bürgern herstellen, um sie für Pflanz- und Erntearbeiten in der Landwirtschaft zu vermitteln.

Viele Angebote - bislang wenig Nachfrage von Bauern

Über eine regionale Suche finden Landwirte und Helfer bei daslandhilft.de zusammen. Für den Raum Leipzig gibt es zum Beispiel bereits mehrere hundert Angebote von Helfern, die ihre Arbeit als Erntehelfer anbieten. Der Geschäftsführer des Landesbauernverbandes Manfred Uhlemann sagte MDR SACHSEN, er sei von den Angeboten völlig überwältigt.

Da zeigt sich die Solidarität in der Krise.

Manfred Uhlemann Landesbauernverband Sachsen

Wegen der Witterung gebe es bei den Betrieben allerdings noch wenig Anfragen. Er gehe aber davon aus, dass viele Helfer später gebraucht würden, wenn etwa Salatpflanzen gesetzt werden müssten oder Spargel gestochen werde. Uhlemann warnt aber vor zuviel Euphorie. Der Wille der Helfenden sei sehr löblich, die Erfahrung mit freiwilligen Helfern zeige aber, dass viele die mitunter harte Arbeit auf den Feldern nicht durchhalten.

Eine ähnliche Vermittlungsplattform bieten der Deutsche Bauernverband und die land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände an: Auf der Internetseite saisonarbeit-in-deutschland.de können sowohl Arbeitnehmer Suchangebote veröffentlichen als auch Arbeitnehmer Stellenangebote durchsuchen.

Nebenan.de vermittelt Nachbarschaftshilfe

Auch das 2015 gegründete Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de hat in der Corona-Krise sein Angebot erweitert, um Helfer und Hilfsbedürftige miteinander in Kontakt zu bringen. "Unsere täglichen Neuanmeldungen haben sich im Schnitt vervierfacht", sagte der Gründer der Plattform Christian Vollmann. Nachbarschaftshilfe sei gerade in dieser Zeit besonders wichtig und betreffe alle. "Derzeit beobachten wir eine Welle der Solidarität auf der Plattform, und das freut uns sehr", sagte der Geschäftsführer.

Ältere Menschen können Hotline anrufen

Die Kontaktbörse nebenan.de ist nach eigenen Angaben die größte Nachbarschaftsplattform in Deutschland. Nutzer können sich registrieren und mit ihrem direkten Wohnumfeld vernetzen. Viele ältere Menschen seien es gewöhnt, bei Problemen zum Telefonhörer zu greifen, um sich dann helfen zu lassen, sagte der Gründer. Deshalb wurde eine kostenlose Hotline (0800/8665544) eingerichtet, über die Menschen ein Hilfegesuch aufgeben können, das dann im Netzwerk abrufbar ist.

Wir verbinden Menschen, die nicht online sind, mit den Nachbarn, die helfen wollen

Christian Vollmann Gründer der Plattform nebenan.de

Der neue Service komme gut an, berichtete Vollmann: "Über unsere Hotline sind allein in den ersten 48 Stunden bereits über 2.200 Hilfegesuche eingegangen. Davon konnten wir mehr als 80 Prozent erfolgreich vermitteln." Aktuell böten sehr viele Nachbarn Einkaufshilfe und andere Botengänge an, tauschen Tipps gegen Langeweile während der häuslichen Quarantäne aus, ergreifen Initiative für ihr Lieblingsgeschäft im Viertel und verabreden sich zu virtuellen Treffen.

Quelle: MDR/kb/epd

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