08.04.2020 | 17:11 Uhr Sachsen weitet Corona-Hilfe für Mittelständler aus

In Sachsen sollen nun auch mittelständische Firmen von zinsgünstigen Darlehen profitieren können. Die Regierung brachte weitere Hilfen auf den Weg. Kritikern geht das Programm allerdings nicht weit genug.

Die Sächsische Aufbaubank
Bildrechte: Sächsische Aufbaubank

Sachsen weitet seine Corona-Hilfen für mittelständische Unternehmen aus. Wirtschaftsminister Martin Dulig sagte, das Programm "Sachsen hilft sofort" werde nun auch für Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern und mehr als einer Million Euro Jahresumsatz geöffnet.

Darlehen als Ergänzung zu Hilfen des Bundes

Durch die Corona-Krise in Not geratene Firmen können Darlehen bis zu 100.000 Euro in Anspruch nehmen - zinsfrei und in den ersten drei Jahren tilgungsfrei. Sachsen stellt für das Programm über eine Milliarde Euro bereit. Dulig betonte, das Programm sei ausdrücklich als Ergänzung zu Finanzhilfen des Bundes gedacht. Damit werde nach den Kleinunternehmen, Kreativen und Selbstständigen nun der Mittelstand als "Motor der wirtschaftlichen Entwicklung" in den Blick genommen, so der Minister. Das erweiterte Programm soll am Mittwoch nach Ostern an den Start gehen. Anträge können über die Sächsische Aufbaubank gestellt werden.

Bislang sind für das Programm für kleine Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige über 62.000 Anträge auf Zuschüsse und Darlehen bei der Sächsischen Aufbaubank eingegangen. In knapp der Hälfte der Fälle wurde bereits Geld ausgezahlt.

Kritik an Programm von FDP und AFD

Der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst kritisierte die Ausweitung des bestehenden Kreditprogrammes als völlig unzureichend.

Die Mittelständler mit 101 bis 249 Mitarbeitern lässt die Staatsregierung leider weiterhin hängen.

Torsten Herbst FDP-Bundestagsabgeordneter

Sachsen sei nur eines von drei Bundesländern, das keine direkten Landeszuschüsse zahle, so Herbst. Auch die AfD kritisierte, dass Sachsen nur mit Krediten helfe, die zurückgezahlt werden müssen.

Eigenes Programm für Land- und Forstwirtschaft

Ein ähnliches Hilfsprogramm hat die Landesregierung für landwirtschaftliche Betriebe einschließlich der Fischerei, Aquakultur und Forstwirtschaft aufgelegt. Landwirtschaftsminister Wolfram Günther sagte, das Programm richte sich an Betriebe bis 100 Mitarbeiter. Diese können Darlehen zwischen 5.000 und 100.000 Euro mit einer Laufzeit von sechs Jahren und einem Zinssatz von circa 0,5 Prozent aufnehmen. Ein niedrigerer Zinssatz sei aufgrund geltenden EU-Rechts nicht möglich, so Günther.

Regionale Lebensmittelvermarktung in Krisenzeiten

Günther warb auch für das Online-Verbraucherportal regionales.sachsen.de. Es bietet eine Übersicht von regionalen Anbietern und Direktvermarktern, bei denen Lebensmittel aus regionaler Produktion bestellt werden können.

In Zeiten von Corona ist es wichtiger denn je, dass in Sachsen erzeugte Lebensmittel auch regional an die Kundschaft gebracht werden.

Wolfram Günther Landwirtschaftsminister

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.04.2020 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

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