Corona-Pandemie Was hinter Sachsens Impfplattform steckt

In Zeiten, in der das Leben hauptsächlich im Internet stattfindet, sind nicht funktionierende Online-Plattformen ein Ärgernis. Das mussten in letzter Zeit vor allem Lehrende und Lernende in Sachsen am eigenen Leib erfahren. Auch beim Start des sächsischen Impfportals Anfang der Woche ruckelte es gewaltig. Doch wie funktioniert so ein Portal eigentlich? Wie groß wird dort Datensicherheit geschrieben? MDR SACHSEN hat mit dem Betreiber des Portals, der Telekom, und dessen Auftraggeber, dem Deutschen Roten Kreuz Sachsen, gesprochen.

Impfportal
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Kurzer Rückblick. Montag, 11. Januar 2021 um 14 Uhr. Die sächsische Impfplattform geht online. Doch schon nach kurzer Zeit melden zahlreiche Impfinteressierte, dass eine Registrierung für eine Corona-Schutzimpfung nicht möglich sei, beschwerten sich über einen zusammengebrochenen Server. Doch dem war nicht so, sagt der Betreiber der Plattform.

Bildausschnitt der Internetseite zur Impfterminvergabe in Sachsen
Keine Registrierung möglich - viele Nutzer waren beim Start des Online-Impfportals schnell genervt. Bildrechte: MDR/DRK Sachsen

"Bitte warten, Sie werden gleich verbunden"

Nach Angaben der Telekom war das System immer aktiv. Die IT-Spezialisten wussten, dass es einen Ansturm auf die Seite gibt, sobald das Portal freigeschaltet wird. Um den Zugang besser zu strukturieren und das System zu schützen, schalteten sie nach eigenen Angaben eine Art "Warteraum" vor die Registrierung und Terminvergabe.

Es war also kein Fehler im System, sondern "nur" eine sehr lange Warteschlange, aufgrund der hohen Zugriffszahlen. Laut einem Telekomsprecher hat sich die Situation bei der Registrierung inzwischen deutlich verbessert. Die Länge der Warteschlange geht nahezu gen Null und bislang konnten sich 50.000 Menschen der Priorisierungsgruppe eins registrieren lassen.

Impftermin Corona
Es ist wie "Warten auf Godot": Da nur so viele Termine vergeben werden können, wie Impfstoff vorrätig ist, müssen sich viele Impfwillige gedulden. Bildrechte: Colourbox.de

Leidiges Problem der Terminbuchung

Noch läuft die Terminvergabe nur über das Portal. Ab dem 18. Januar können Impftermine dann auch telefonisch gebucht werden. Wer über das Telefon seinen Termin bucht, bekommt die Unterlagen der Terminbestätigung per Post zugeschickt.

War beim Start des Portals noch nicht völlig klar, wie sich Hotline und Online-Buchung die gemeinsame Datenbank teilen sollen, wurden die technischen Voraussetzung nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes Sachsen inzwischen angepasst.

Es wird immer pro Tag ein eigenes Kontingent an Impfterminen für die Hotline geben.

Kai Kranich Sprecher DRK Sachsen

Die Hotline, die ebenfalls von der Telekom betreut wird, sei das telefonische Sprachrohr der Terminvergabe. Wenn es Fragen zum Portal oder andere Probleme gibt, sei das die richtige Adresse, so ein Telekomsprecher. "Fehler kann man nie ausschließen. Es muss ja nicht ein Fehler im System des Terminportals sein, es kann ja auch ein lokales IT-Problem beim Nutzer sein", so der Sprecher. Wichtig sei, die Login-Daten aufzubewahren, die man bei der Online-Registrierung erhält.

Ab dem 18. Januar geht die Impfhotline unter 0800 0899 089 an den Start. Aktuell kann man über die Hotline ein Aufklärungsgespräch zur Impfung in Anspruch nehmen.

Laut Kranich werden kontinuierlich freiwerdende Termine in das System gestellt. Zum Beispiel wenn Termine abgesagt werden oder wenn Impfungen in Pflegeeinrichtungen nicht wahrgenommen werden können.

Zudem hat das Sozialministerium uns die Anweisung gegeben, dass jetzt nicht mehr mit fünf, sondern mit sechs Dosen pro Flasche zu kalkulieren ist.

Kai Kranich Sprecher DRK Sachsen

Am 25. Januar erwartet der Freistaat zudem die nächste Lieferung an Impfstoff. Das erhöht ebenfalls die Zahl der möglichen Impftermine, die online oder telefonisch gebucht werden können.

Komplexe Aufgabe, komplexes Angebot

Betreut die Telekom zahlreiche Portale in ihrem Rechenzentrum in Frankfurt am Main, war der Aufbau des Impfportals doch etwas besonderes. Weniger das IT-Wissen sondern das komplexe Paket, welches dem DRK Sachsen angeboten wurde, sei dabei spannend gewesen, so der Telekomsprecher.

Neben der Betreuung des Portals und des Call-Centers für die Impfhotline, hat das Kommunikationsunternehmen auch eine logistische Lösung für die Koordinierung der mobilen Impfteams erarbeitet. Diese IT-gestützte Lösung werde ab kommender Woche zum Einsatz kommen und soll die Arbeit der Teams erleichtern.

Datensicherheit oberstes Gebot

Von Cyberangriffen ist das sächsische Impfportal bislang verschont geblieben, im Gegensatz zum Thüringer Portal. Dennoch beobachten die IT-Spezialisten des Rechenzentrums die Vorgänge auf der Seite ganz genau. "Handelt es sich einfach nur um einen Ansturm von Interessierten und Impfwilligen oder stecken da andere Absichten dahinter? Zum Beispiel ein maschinell generierter Ansturm", so ein Telekomsprecher. Falls dem so sei, werde sehr schnell reagiert und das System geschützt.

Kommunikationsunternehmen, die solche Plattformen betreiben, müssten immer mit der entsprechenden Landesdatenschutzgesetzgebung konform gehen. Dass sich Datenschutz und Corona-Pandemie nicht ausschließen, zeige die Anpassung der Datenspeicherung auf dem Online-Portal. Bislang mussten die angegebenen persönlichen Informationen aus datenschutzrechtlichen Gründen nach 14 Tagen gelöscht werden. Für bereits registrierte aber noch terminlose Nutzer bedeutete das, dass eine erneute Registrierung notwendig wurde. Ab sofort dürfen das DRK, bzw. die Telekom die Daten sechs Monate speichern. Gelöscht wird dann erst nach erfolgter Impfung.

Konkrete Angaben, wie das System technisch vor Angriffen geschützt wird, wollte die Telekom allerdings nicht machen. Nur so viel: Jede Information über die Sicherheit, schwächt die Sicherheit.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.01.2021 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

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