Kommendes Wintersemester Digital oder Präsenz: Wie geht es für die sächsischen Studierenden weiter?

Die sächsischen Universitäten und Hochschulen stecken mitten in den Planungen für das kommende Semester, das ab Oktober beginnt. Sollte sich die Corona-Lage weiterhin bessern, ist an den meisten Hochschulen ein Hybridsemester geplant - eine Mischung aus Präsenzunterricht und digitaler Lehre. Eine Befragung des Studierendenrates (StuRa) der Universität Leipzig ergab jedoch: Die Studierenden wollen zurück in die Seminarräume und ins studentische Leben.

Ein leerer Hörsaal im Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden.
Die großen Hörsäle der sächsischen Universitäten und Hochschulen wie dieser an der TU Dresden werden wohl auch ab dem Herbst leer bleiben. Bildrechte: dpa

Etwa 3.500 Studierende aller Fachrichtungen und Studienlevel haben an der Befragung des StuRa zu den Studienbedingungen unter Corona teilgenommen. Das sind zehn Prozent aller Studierenden der Universität Leipzig. Über 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie durch die digitale Lehre erheblich mehr Schwierigkeiten hätten, Kontakt zu Kommilitonen aufzubauen und zu halten als im normalen Präsenzbetrieb. Über 60 Prozent der Befragten schätzten zudem ihre Arbeitsbelastung als deutlich oder etwas höher im Vergleich zum Vorsemester ein.

Leipziger Studierende fordern Campus-Öffnung

Alina Mailach vom Fachschaftsrat für Informatik hat maßgeblich an der Befragung mitgearbeitet. Sie sagt, das wichtigste Anliegen der Studierenden sei die Öffnung des Campus: "Neben dem Sozialleben sind auch essenzielle Teile des Studiums, wie Gruppenprojekte betroffen. Aber auch das Lernen zuhause ist für viele kaum bis gar nicht möglich. Entscheidend ist neben der Campusöffnung auch das Zugänglichmachen von Gruppenarbeitsräumen und PC-Pools". Obwohl die Mehrheit der Studierenden gut genug technisch ausgerüstet sei, um digital am Studium teilzunehmen, sagten knapp 70 Prozent der Befragten, sie könnten ihr Privatleben und den Studienalltag eher nicht oder gar nicht so gut koordinieren wie vor der Corona-Krise.

Studierende mehrheitlich zufrieden mit den Dozierenden

Christopher Hermes ist Referent für Lehre und Studium im StuRa und Vertreter im Uni-Senat. Er benennt die positiven Aspekte, die die Umfrage gezeigt hat. Dazu gehöre die Zufriedenheit der Befragten mit ihren Uni-Lehrern: "Die Dozierenden zeigen fast alle großen Einsatz und das kommt bei den Studierenden an. Daher ist es unbedingt notwendig, dass die Lehre auch finanziell gesichert bleibt, um den Herausforderungen durch das Hybridsemester in den nächsten Monaten gewachsen zu sein", so Hermes. Jeweils etwa zwei Drittel der befragten Studierenden gaben an, dass ihre Dozierenden sich um ihren Lernerfolg kümmern und sich bemühen, qualitativ hochwertige Lehre bereitzustellen.

Nach dem digitalen Sommersemester kommt das Hybridsemester

Neben der Uni Leipzig planen aktuell auch andere sächsische Universitäten und Hochschulen das kommende Semester in sogenannter hybrider Form zu gestalten. Das bedeutet, dass eine Mischung aus Online-Vorlesungen und -Seminaren sowie Lehreinheiten in Präsenz unter Einhaltung der Hygienevorschriften durchgeführt werden. Dies planen die HTW Dresden, die Westsächsische Hochschule Zwickau, die TU Bergakademie Freiberg, die Hochschule Zittau/Görlitz, die HTWK Leipzig und die Hochschule Mittweida.

"Wir wollen, dass die Studierenden zurück nach Mittweida kommen und ein studentisches Erlebnis haben. Deshalb planen wir ein Hybridsemester mit reduziertem Präsenzanteil", sagte ein Sprecher der Hochschule Mittweida MDR SACHSEN. Weil der Präsenzunterricht aufgrund der Personenzahlbeschränkungen zum Teil in mehreren Gruppen nacheinander stattfinden müsse, wird die Hochschule von Montagmorgen bis Freitagabend ausgelastet sein, so der Sprecher weiter.

Vorrang für Erstsemester in der Präsenzlehre

An der TU Dresden ist aktuell ein eingeschränkter Präsenzbetrieb geplant. Eine Befragung ähnlich der des StuRa Leipzig über die coronabedingte Umstellung auf digitale Lehre im Sommersemester wird derzeit noch ausgewertet, teilte das Zentrum für Qualitätsanalyse mit. Die TU Chemnitz wolle das Wintersemester "weitgehend digital durchführen", heißt es auf der Webseite. Einige der Hochschulen und Universitäten wollen den Erstsemestern Vorrang beim Präsenzunterricht geben.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.08.2020 | 17:30 Uhr in den Nachrichten

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