Corona-Impfung Fragen und Antworten zur Corona-Impfung in Sachsen

Die ersten Sachsen sind am 27. Dezember gegen das Coronavirus geimpft worden - zunächst in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Doch wie geht es weiter? Und wofür gibt es die Impfzentren und wer wird wann geimpft? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Utensilien für eine Impfung auf einem Tisch
Bis zu 13.000 Menschen sollen täglich gegen das Coronavirus geimpft werden. Dafür werden in Sachsen 13 Impfzentren sowie 13 mobile Impfteams ausgestattet. Bildrechte: imago images/Political-Moments

Welche Impfstoffe sind zugelassen?

Bislang ist ein Impfstoff vollständig zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am 21. Dezember grünes Licht für den Impfstoff von Biontech und Pfizer. Die formelle Zulassung durch die EU-Kommission erfolgte kurz danach.

Die EMA hat außerdem am 6. Januar dem Einsatz des Impfstoffs vom US-Konzern Moderna zugestimmt. Der Impfstoff soll nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch am 11. Januar nach Deutschland geliefert werden und am 12. Januar an die Bundesländer gehen.

Beide Impfstoffe sollen eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent haben.

Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Laut Professor Uwe Liebert, Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Leipzig wird bei einem mRNA Impfstoff eine Art "Bauanleitung" für ein bestimmtes virales Protein oder sogar einen Abschnitt von einem Protein über die Impfung initiiert. Dieses virale Protein wird dann im Körper selbst hergestellt. Damit kann das körpereigene Immunsystem das Virus erkennen und bekämpfen. Eine Impfung sei weit weniger riskant, als sich mit dem Coronavirus zu infizieren, so Liebert.

Kann mRNA mein Genom verändern?

Nein. Die initiierte mRNA ist außerordentlich kurzlebig und zerfällt schnell. Außerdem wirkt mRNA nicht im Zellkern, also da, wo das menschliche Genom gespeichert ist, sondern nur im Zellplasma. Dieses gelange gar nicht in den Zellkern, sagt Virologe Liebert. Selbst theoretisch könne man sich nicht vorstellen, wie mRNA die DNA verändern könne.

Das Robert-Koch-Institut erklärt mRNA-Impfstoffe

Wer wird wann geimpft?

Die Bevölkerung wird in drei Kategorien eingeteilt, die beispielsweise bestimmt werden durch das Alter, den Beruf oder Vorerkrankungen. Je nachdem, in welcher Kategorie man sich befindet, hat man unter Umständen früher Zugang zu einer Impfdosis als andere Bevölkerungsmitglieder. So werden beispielsweise diejenigen zuerst geimpft, die bei einer Erkrankung das höchste Risiko für Tod und schwere Erkrankung haben.

Kategorien 1-3 In dieser Reihenfolge wird geimpft

Wer wann eine Impfung erhält, ist klar geregelt. In der Gruppe mit der höchsten Priorität sind unter anderem Menschen über 80 Jahren sowie Pflegedienste. Insgesamt gibt es drei Kategorien.

Kategorien Impfpriorisierung
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Wie erfahre ich, ob und wann ich mich impfen lassen kann?

Ab 11. Januar ist ein Buchungsportal freigeschaltet, auf dem sich Menschen der Kategorie 1 für Impftermine anmelden können. Zu dieser Kategorie gehören Sanitäter, Mitarbeitende des Rettungswesens, ambulante Pflegedienste und Menschen mit bestimmten Behinderungen. Danach sollen die über 80-Jährigen geimpft werden, die zu Hause leben. Alle anderen Sachsen bat Sozialministerin Petra Köpping in einer Erklärung Anfang Januar noch um etwas Geduld.

Kai Kranich vom DRK-Sachsen im Interview 3 min
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Kai Kranich vom DRK Sachsen beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Impfzentren, die ab Montag ihre Arbeit aufnehmen sollen.

Fr 08.01.2021 17:00Uhr 03:15 min

https://www.mdr.de/sachsen/video-corona-interview-kranich-drk-impfzentren-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Muss sich jeder impfen lassen?

Nein, die Impfungen sind freiwillig, es gibt also weder Impfzwang noch Impfpflicht. Im Positionspapier der gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina heißt es: "Den Ausgangspunkt bildet die Selbstbestimmung ('Autonomie') jedes Einzelnen. Impfungen setzen prinzipiell eine aufgeklärte, freiwillige Zustimmung voraus. Eine undifferenzierte, allgemeine Impfpflicht ist deshalb auszuschließen."

Warum gibt es Impfzentren?

Normalerweise werden Impfungen beim Hausarzt durchgeführt. Das ist aber bei der Impfung gegen das Coronavirus nicht so einfach möglich, denn die Impfdosen müssen bei Minus 70 Grad Celsius aufbewahrt werden. Diese technische Voraussetzung gibt es in den Impfzentren. Außerdem kann dort eine große Zahl Menschen innerhalb kurzer Zeit geimpft werden.

Wo gibt es die Impfzentren?

Seit dem 15. Dezember muss es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt jeweils ein Impfzentrum sowie jeweils ein mobiles Impfteam geben. Das hat der Bund so vorgegeben. In Sachsen sind das also 13 Impfzentren und ebenso viele mobile Teams.

  • Stadt Dresden: Messe Dresden
  • Stadt Leipzig: Messe Leipzig
  • Stadt Chemnitz: Netto Chemnitz, Wilhelm-Raabe-Str. 6
  • Landkreis Bautzen: Sporthalle am Flughafen
  • Erzgebirgskreis: Festhalle Annaberg-Buchholz
  • Landkreis Görlitz: Messehalle Löbau
  • Landkreis Leipzig: ehemaliger Aldi Markt Borna
  • Landkreis Meißen: Sachsen-Arena Riesa
  • Landkreis Mittelsachsen: Mittweida über Simmel (ehemals EKZ)
  • Landkreis Nordsachsen: Stadthalle Belgern
  • Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Aldi Pirna-Jessen
  • Vogtlandkreis: Spektrum Treuen/Eich (ehemaliger Baumarkt)
  • Landkreis Zwickau: Stadthalle Zwickau

Laut Sozialministerium sind auch Zweigstellen von Impfzentren denkbar, um das Angebot regional zu ergänzen.

Wie wurden die Standorte festgelegt?

Laut sächsischem Sozialministerium haben bei der Auswahl der Standorte mehrere Kriterien eine Rolle gespielt: "Es musste genügend Platz für die Trennung von einzelnen Bereichen wie Anmeldung und Warteraum vorhanden sein, ausreichend Parkplätze geben, Lagermöglichkeiten für den Impfstoff vorhanden sein, die Anbindung an Bus und Bahn musste gegeben und eine ausreichende Anzahl an sanitären Einrichtungen vorhanden sein." Die Impfzentren befinden sich beispielsweise in ehemaligen Einkaufsläden sowie in Stadt- oder Messehallen. Sollte es gerade im Bereich der Anbindung mit Bus und Bahn zu Engpässen kommen, müsse vor Ort nachgebessert werden.

Muss ich in das Impfzentrum meines Landkreises/meiner kreisfreien Stadt gehen?

In welchem Impfzentrum man sich gegen das Coronavirus impfen lassen möchte, kann jede Person in Sachsen selbst entscheiden. Das hat das federführende Deutsche Rote Kreuz (DRK) mitgeteilt. Die Impfzentrumsgrenzen seien nicht gleichzusetzen mit Landkreisgrenzen, deswegen gebe es die Möglichkeit der freien Auswahl. Allerdings gebe es eine Bedingung: Impfwillige müssten beide Impfungen am gleichen Ort durchführen lassen.

Wie sieht so ein Impfzentrum aus?

Die Impfzentren sind so aufgebaut, dass es abgetrennte Räumlichkeiten für einzelne Stationen (wie beispielsweise Anmeldung und Wartebereich) gibt. Außerdem existiert ein gesicherter Lagerraum und es sind ausreichend Parkplätze vorhanden sowie eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Jedes Impfzentrum wird nach Angaben des Sozialministeriums mit mindestens zwei Impfstrecken ausgestattet werden. Die größten Objekte könnten aber nach Bedarf auf bis zu zehn solcher Strecken erweitert werden. Pro Tag könnten so bis zu 13.000 Bürgerinnen und Bürger geimpft werden.

Muss ich zum Impfen zwingend in ein Impfzentrum gehen?

Nicht unbedingt, denn es gibt auch mobile Teams, die beispielsweise die Impfungen in Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen oder an kurzzeitig eingerichteten lokalen Impfstellen durchführen. Ob es in Zukunft mehr mobile Impfteams geben soll, ist noch nicht klar. Laut DRK Sachsen ist dies möglich, ein Auftrag liegt aber bislang nicht vor. Es gebe außerdem Überlegungen, wonach mobile Impfteams auch "Haustermine" übernehmen könnten - beispielsweise bei Risikopatienten, die in abgelegenen Orten ohne ausreichenden Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr wohnen. Auch das Sozialministerium bestätigt, dass die Impfteams perspektivisch weitere Aufgaben übernehmen könnten. Sozialministerin Petra Köpping teilte Anfang Januar außerdem mit, dass auch Hausärzte für die Impfungen mit einbezogen werden, um älteren Menschen lange Wege zu ersparen.

Wer organisiert die Impfzentren?

Ein T-Shirt mit dem DRK-Logo.
Bildrechte: dpa

Zur Organisation hat das Sozialministerium das Deutsche Rote Kreuz Sachsen (DRK) mit der Koordinierung der Errichtung und des Betriebs der Corona-Impfzentren beauftragt. Gemeinsam mit dem Landeskommando der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk hat das DRK einen Arbeitsstab eingerichtet, der auf Ebene der Landkreise durch lokale Einsatzstäbe ergänzt wird. Einbezogen sind außerdem die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter- Unfall-Hilfe, der Malteser Hilfsdienst, die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen sowie die kommunale Ebene.

Senken Virus-Mutationen die Impfstoffwirkung?

Nach Angaben von Impfstoff-Forscher Torben Schiffner von der Universität Leipzig scheint die bisher bekannte Mutation N501Y keinen Einfluss auf die Wirksamkeit typischer Antikörper zu haben. Man müsse aber noch abwarten, bis es gesicherte Informationen gebe.

Wie oft muss man sich impfen lassen?

Die am weitesten erforschten Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca wurden nach Angaben der Unternehmen alle mit zwei Impfdosen getestet. Das bedeutet, dass sich Patienten im Abstand mehrerer Wochen zwei Mal impfen lassen müssten. Beim Präparat von AstraZeneca lag beispielsweise ein Monat zwischen der ersten und der zweiten Dosis. Wie lange die Impfung dann immun macht, ist unklar. "Großartig" wäre eine Wirkung von zwölf Monaten, so Moderna-Chefmediziner Tat Zaks. Eine Kombination von Produkten unterschiedlicher Hersteller ist bislang nicht vorgesehen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca gab es nach Angaben der Hersteller während der Erprobung keine ernsthaften Nebenwirkungen. Allerdings reagierten zwei Menschen in Großbritannien, die bereits zuvor durch Allergien anaphylaktische Schocks erlitten hatten, auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer mit starken Reaktionen. Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt.

Der US-Konzern Moderna nannte Müdigkeit, Muskelbeschwerden und Schmerzen am Einstichpunkt nach der zweiten Dosis als mögliche Nebenwirkungen.

Das Paul-Ehrlich-Institut, in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen zuständig, betont, dass Präparate erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht würden. Auch nach Marktzulassung erfolge eine ständige Kontrolle zum Erfassen von Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Wer bezahlt die Impfung?

Für Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wird die Impfung nach Angaben der Bundesregierung kostenlos sein – und zwar unabhängig von ihrem Versicherungsstatus. Der Bund bezahlt den Impfstoff. Die Länder tragen gemeinsam mit der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung die Kosten für den Betrieb der Impfzentren.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.12.2020 | 19:00 Uhr

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