Bestattungen Koordinierungsstelle: Hilfe für Sachsens Krematorien

Die Krematorien in Sachsen arbeiten vielerorts an der Belastungsgrenze. Um die Mitarbeitenden zu entlasten und Angehörigen einen zeitnahen Abschied von Verstorbenen zu ermöglichen, soll nun eine Koordinierungsstelle helfen. Doch wie funktioniert das und ist der neue Arbeitskreis wirklich nötig?

Auf einem Sarg steht mit Kugelschreiber geschrieben Covid-19
In einigen Krematorien Sachsens stapeln sich aktuell die Särge. Trotz Schichtbetrieb kommt es zu Verzögerungen bei der Einäscherung. Eine Koordinierugsstelle soll nun helfen, Kapazitäten in anderen Krematorien zu finden. Bildrechte: dpa

Die Koordinierungsstelle Krematorium hat ihre Arbeit aufgenommen. Nach Angaben des Sächsischen Städte- und Gemeindetages trifft sich die Arbeitsgruppe einmal pro Woche und arbeitet dem Arbeitskrisenstab der sächsischen Staatsregierung zu. Derzeit gehören der Arbeitsgemeinschaft den Angaben zufolge drei Mitarbeiter des Innenministeriums, ein Referent des Sozialministeriums und ein Referent des Städte- und Gemeindetages an.

Die Koordinierungsstelle wurde unter anderem auf Bitten der Dresdner Bürgermeisterin Eva Jähnigen eingerichtet. Sie ist zuständig für das Bestattungswesen in der Landeshauptstadt und hatte Ende des vergangenen Jahres organisatorische, personelle und finanzielle Unterstützung durch die Landesregierung gefordert. Grund war die deutlich gestiegene Zahl von Verstorbenen.


Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, erklärt im Interview mit MDR SACHSEN, wo und wie die Koordinierungsstelle in Zukunft helfen soll.

MDR SACHSEN: Vor welchen Herausforderungen stehen die Krematorien und damit die Städte und Gemeinden?

Der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages Mischa Woitscheck
Der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages Mischa Woitscheck Bildrechte: IMAGO

Mischa Woitscheck: Die Corona-Pandemie hat leider zu deutlich erhöhten Sterbezahlen geführt. Die Übersterblichkeit lag im Jahr 2020 im November bereits bei über 40 Prozent. Im Dezember sind über 100 Prozent mehr Menschen im Freistaat Sachsen gestorben als jeweils im Verhältnis des Durchschnitts der letzten zehn Jahre. In Sachsen sind mehr als 90 Prozent der Bestattungen Feuerbestattungen. Die Tendenz ist steigend. Aufgrund der Steigerung der Sterbefälle arbeiten derzeit alle sächsischen Krematorien an der Belastungsgrenze und im Mehrschichtbetrieb. Die Verstorbenen müssen deshalb eine längere Zeit zwischengelagert werden. Die Krematorien und die Städte als Betreiber haben zu diesem Zweck zusätzliche Kapazitäten erschlossen, beispielsweise in kommunalen Immobilien oder extern angemieteten Räumen. Die Verstorbenen werden auch dort pietätvoll und sicher aufbewahrt.

Welche Aufgaben hat die neu eingerichtete Koordinierungsstelle Krematorium?

Derzeit besteht ein erhöhter Bedarf an Koordinierung und Unterstützung. Deshalb wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe Krematorium mit Vertretern des Innenministeriums, des Sozialministeriums und des sächsischen Städte- und Gemeindetages beim Arbeitskrisenstab Infektionsschutz eingerichtet. Dieser hat den Auftrag, ein regelmäßiges Lagebild zu erstellen, Unterstützungsbedarfe abzufragen und falls nötig koordinierend zu vermitteln. Dazu gehört auch eine Abfrage der Kapazitäten von auswärtigen Krematorien. Zurzeit bieten elf Krematorien in fünf Bundesländern Reservekapazitäten an. Diese werden teilweise auch in Anspruch genommen. Außerdem gibt es eine ständige Abstimmung zwischen den sächsischen Krematorien, die sich gegenseitig Hilfe leisten. Damit soll gewährleistet werden, dass die Hinterbliebenen in einem angemessenen Zeitraum die Beisetzung durchführen können.

Wie viele Krematorien gibt es in Sachsen?

In Sachsen gibt es zehn Krematorien. Neun werden von den Städten betrieben, eines wird privat geführt. Für die Hinterbliebenen besteht Wahlfreiheit bei der Auswahl des Krematoriums und der Beauftragung eines Bestattungsunternehmens. Das gilt auch über die Grenzen zu anderen Bundesländern hinweg.

Kostenübernahme Aufgrund der starken Belastung des Krematoriums in Dresden werden einige Verstorbene im Krematorium Altenburg in Thüringen eingeäschert. Die Einäscherung ist dort unter anderem aufgrund des Transports teurer als in Dresden. Für Angehörige entstehen den Angaben zufolge aber keine zusätzlichen Kosten. Die Mehrkosten übernimmt die Stadt Dresden. Sächsischer Städte- und Gemeindetag

Gibt es in den Krematorien derzeit technische Probleme?

Die sächsischen Krematorien verfügen über eine unterschiedliche Ofentechnik. Aufgrund des Alters der Anlagen kann es auch zu temporären Störungen kommen. Die üblichen Wartungsarbeiten können derzeit nicht durchgeführt werden. Wenn es zu Störausfällen kommt, bemühen sich alle, diese zeitnah zu beheben. Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor riesige Herausforderungen. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich leider auch an der Anzahl der Verstorbenen. Die Lage in den Krematorien ist aber unter Kontrolle, die Krematorien vermelden derzeit keinen weiteren Anstieg an Zugängen beziehungsweise sogar vereinzelt einen leichten Rückgang. Die Einschätzung stellt nur einen Zwischenstand dar. Eine verlässliche Prognose kann derzeit niemand abgeben.

Quelle: MDR/kp/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.01.2021 | 14:30 Uhr aus dem Regionalstudio Dresden

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