31.03.2020 | 16:35 Uhr Corona-Krise: Fast jeder vierte Betrieb in Sachsen mit Kurzarbeit

Karteireiter mit der Aufschrift Kurzarbeitergeld.
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In Sachsen haben wegen der Coronavirus-Krise rund 28.500 Betriebe Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter bei den Arbeitsagenturen angemeldet. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz am Dienstag mitteilte, sind dies rund 25 Prozent aller etwa 111.500 Betriebe im Freistaat. Den Angaben zufolge sind nahezu alle Wirtschaftsbranchen davon betroffen. Die meisten Anzeigen habe es aus der Gastronomie, dem Einzelhandel und von Autohändlern gegeben.

Bautzen, Dresden und Pirna am stärksten betroffen

Die Anzeigen auf Kurzarbeit seien die Grundlage, um Löhne zu refinanzieren und damit Arbeitsplätze zu sichern, sagte Direktionsleiter Klaus-Peter Hansen. "Deshalb ist die hohe Zahl der Anzeigen ein Indiz dafür, dass Betriebe ihre Arbeitsplätze und damit die Jobs der Menschen in Sachsen sichern wollen und dafür auf Kurzarbeitergeld setzen."

Regional am stärksten betroffen sind die ostsächsischen Arbeitsagenturregionen Bautzen, Dresden und Pirna mit 10.200 Anzeigen. Im Raum Leipzig mit den Arbeitsagenturregionen Leipzig, Oschatz und Riesa waren den Angaben zufolge rund 9.500 Meldungen eingegangen. Der Raum Südwestsachsen mit dem Kammerbezirk Chemnitz ist mit rund 8.800 Betrieben, die Kurzarbeit angezeigt haben, betroffen.

Kurzarbeitergeld Sachsen - Grafik
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Sachsens Wirtschaftsminister: Kurzarbeiterregelung nachbessern

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig wies am Dienstag noch einmal darauf hin, dass das Kurzarbeitergeld in Deutschland ein wichtiges Instrument sei, um Menschen vor Entlassungen zu schützen. Er erwarte allerdings, dass der Bund für die Zeit der Corona-Krise die Höhe des Kurzarbeitergeldes (60 Prozent/67 Prozent bei Betroffenen mit Kindern) aufstockt. "Das sind wir denjenigen schuldig, die gearbeitet und Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt haben. Dadurch werden auch die Jobcenter entlastet, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Hochdruck arbeiten und helfen", so Dulig.

Gewerkschaften fordern 80 Prozent Kurzarbeitergeld

Jan Otto IG Metall Ostsachsen
Jan Otto von der IG Metall Ostsachsen fordert eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Bereits am Montag hatte die IG Metall Ostsachsen ein höheres Kurzarbeitergeld gefordert. Der Erste Bevollmächtigte, Jan Otto, sagte MDR SACHSEN, 80 Prozent Kurzarbeitergeld als Minimum würden zumindest eine gewisse Kaufkraft erhalten und den Arbeitnehmern den Alltag in der Krise erleichtern.

Ähnlich äußerte sich am Mittwoch auch Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach: "Mit Blick auf die niedrige Tarifbindung in Sachsen ist vollkommen klar, dass sich die Bundesregierung jetzt endlich bewegen muss und das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent anheben. Denn für viele tausend Beschäftigte, für die keine aufstockenden Tarifverträge gelten, bedeutet Kurzarbeit, mit 60 beziehungsweise 67 Prozent ihres bisherigen Nettolohns auszukommen."

Weniger Arbeitslose im März

Die Zahl der Arbeitslosen ist im März im Vergleich zum Februar zurückgegangen. Mit Stichtag 12. März waren 116.570 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 3.200 weniger als im Februar. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent zurück.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 31.03.2020 | 19:00 Uhr

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