Corona-Pandemie Sachsen hebt Beherbergungsverbot auf

In Sachsen ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt deutlich gestiegen, das Erzgebirge und der Kreis Zwickau gelten als Risikogebiete. Die Regierung hat deshalb neue Regeln beschlossen, dazu gehören Sperrstunden und kleinere Privatfeiern. Und Sachsen kippt das umstrittene Beherbergungsverbot.

Stefan Göbel und seine Mutter Sieglinde Göbel aus Magdeburg stehen zum Check-In im Parkhotel Bad Schandau an der Rezeption vor Kerstin Meve-Garreis, Hoteldirektorin.
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Sachsen hebt das Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Corona-Risikogebieten auf. Das kündigte die Regierung nach einem Gespräch mit Landräten und Bürgermeistern aus dem Freistaat an. Ab dem Beginn der Herbstferien am Samstag sollen die Beschränkungen nicht mehr gelten. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, das Verbot sei unverhältnismäßig, es treffe Menschen, "die nichts mit der Krankheit zu tun haben". Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Baden-Württemberg am Vormittag, das das Verbot kippte, habe diese Einschätzung bestätigt.

Köpping: Verbot hat sich nicht bewährt

Gesundheitsministerin Petra Köpping sagte, das Beherbergungsverbot habe sich in der Praxis nicht bewährt. "Es gibt kein Indiz dafür, dass sich die Coronavirus-Infektion überdurchschnittlich über Aufenthalte in Hotels und Pensionen verbreitet," so Köpping. Es gehe auch darum, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bestehenden Regeln und Maßnahmen aufrecht zu erhalten. Damit können Touristen und Reisende aus deutschen Corona-Risikogebieten vom Wochenende an wieder uneingeschränkt in sächsischen Hotels und Pensionen übernachten. Davon betroffen sind auch die Einwohner des Erzgebirgskreises.

Sperrstunde und Begrenzung von privaten Feiern bei hohen Infektionszahlen

Die bei einem Bund-Länder-Treffen in Berlin beschlossenen Corona-Regeln sollen im Freistaat teils strenger, teils weniger streng ausfallen.

  • Bei privaten Feiern sollen in Corona-Hotspots in Sachsen mit 35 Neuinfektionen binnen sieben Tagen 25 Teilnehmer (Bund: 15 Personen) erlaubt sein, bei einem Inzidenzwert von 50 sinkt die Maximalzahl auf zehn Menschen.
  • Eine Sperrstunde in der Gastronomie ab 23 Uhr soll es in Regionen geben, in denen binnen sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert werden (Bund: ab Inzidenzwert von 50), bei einem Wert von 50 sollen Gaststätten, Bars und Restaurants schon 22 Uhr schließen müssen. Dann gilt auch ein Verkaufsverbot für Alkohol.
  • Eine Maskenpflicht soll in Zukunft auch an Bushaltestellen und bei Behördengängen gelten. Darüber will man sich aber noch in den kommende Tagen verständigen.( Bund: eine erweiterte Maskenpflicht ab 35 Ansteckungen pro 100.000 Einwohnern soll überall dort gelten, wo Menschen dichter oder länger zusammenkommen.)

In den nächsten Tagen soll die aktuelle Corona-Schutzverordnung überarbeitet werden, die eigentlich noch bis zum 2. November gilt.

Kretschmer: Keine Zustände wie in Tschechien

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte schon am Mittwoch vor dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs in Berlin gesagt, dass er das Beherbergungsverbot nicht für angemessen hält. In Sachsen galt es seit Juni. Er zeigte sich aber besorgt über den erheblichen Anstieg der Infektionen. "Deswegen ist es richtig, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen, diese Entwicklung zu brechen." Kretschmer verwies auf Tschechien, wo das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps sei. Das dürfe hier nicht passieren. Das Vorgehen müsse aber sachgerecht, vernünftig und entschlossen sein.

Erleichterung in der sächsischen Tourismusbranche

Der Landestourismusverband begrüßte die Aufhebung des Beherbergungsverbotes in Sachsen. Verbandspräsident Rolf Keil sagte, allen sei bewusst, dass der Kampf um die Existenz von vielen klein- und mittelständischen Betrieben und Akteuren noch nicht vorbei sei. Der Schritt sei ein "wichtiges Signal" für die gesamte Tourismusbranche, gerade zu Beginn der Herbstferien. Der Branchenverband Dehoga zeigte sich erleichtert und verwies darauf, dass sächsische Hotels und Pensionen wegen der strengen Hygiene-Regeln bisher nicht als Corona-Hotspots in Erscheinung getreten seien.

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Rolf Keil, Landrat des Vogtlandkreises 5 min
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MDR AKTUELL Do 15.10.2020 16:42Uhr 04:37 min

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.10.2020 | 19:00 Uhr

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