Wintersport Alpine Skisaison abgesagt - Schlag für Liftbetreiber und Tourismus

Die Masten des Liftes am Fichtelberg 1 min
Bildrechte: promovie

Alle Lifte bleiben auch nach Ende des Lockdowns geschlossen, die Skisaison fällt komplett in diesem Winter aus.

Mi 13.01.2021 13:20Uhr 00:46 min

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/video-skisaison-beendet-sachsen100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Manche Wintersportler haben auf das Ende des Lockdowns und eine verkürzte Wintersaison ab Februar gehofft. Nun die Ernüchterung: Die Skilifte werden in Sachsens Skigebieten diese Saison nicht mehr in Gang gesetzt. Auch die Pisten werden nicht beschneit. Darauf hat sich Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) mit den Skiliftbetreibern aus Oberwiesenthal, Eibenstock, Schöneck und Klingenthal verständigt.

Nach der aktuellen Sächsischen Corona-Schutzverordnung ist der Betrieb von Skiliftanlagen ohnehin bis zum 7. Februar untersagt. Am Dienstag war in einer gemeinsamen Videokonferenz über das Vorgehen über diesen Tag hinaus gesprochen worden. Wegen des anhaltenden Infektionsgeschehens seien hier keine entsprechenden Lockerungen zu erwarten, so Klepsch.

Barbara Klepsch, Ministerin für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.
Bildrechte: Barbara Klepsch

Unsere sächsischen Skigebiete müssten aktuell damit beginnen, ihre Pisten künstlich zu beschneien, um für die restliche Saison ausreichend Schnee vorzuhalten. Die aktuelle Corona-Situation in Sachsen ist aber weiterhin sehr ernst. Wir haben uns deshalb schweren Herzens gemeinsam darauf verständigt, die alpine Wintersaison für den Tourismus zu beenden.

Barbara Klepsch Tourismusministerin von Sachsen

Für die Liftbetreiber, die eine missratene viel zu warme Wintersaison 2019/20 hinter sich haben, ist der erneute Saisonausfall ein hartes Brot. Zumal dieses Jahr das Wetter mitspielt. "Wir haben seit Anfang Dezember Schnee und Minusgrade. Wir haben optimale Bedingungen zum maschinellen Beschneien", sagt René Lötzsch, Betreiber von der Fichtelberg-Schwebebahn in Oberwiesenthal. Er hatte Ende November noch auf die Öffnung des Skigebiets gehofft und die Schneekanonen angeworfen. Auch ein Hygienekonzept war ausgearbeitet worden. Umsonst. "Man kann sich keinen besseren Winter vorstellen, wie wir ihn dieses Jahr hätten. Aber leider ist uns Corona dazwischengekommen", sagt Lötzsch.

Saisonvorbereitungen in Oberwiesenthal
René Lötzsch hatte auf die Öffnung der Skigebiete gehofft. Jetzt ist klar, dass daraus nichts wird. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kunstschnee umsonst produziert

Michael Süß von der Vereinigten Skischule Oberwiesenthal hatte Anfang der Woche noch Kunstschnee für seinen Übungshang produziert. Den Kunstschnee braucht er nun nicht mehr. Seine Frau, Katja Süß, winkt ab: "Es ist traumhaftes Wetter, wo es eigentlich jeden zum Skifahren raustreibt. Doch keine Menschenseele ist da. Kein Verleih, keine Einnahmen." Finanziell kommen die Skischulinhaber an ihre Grenzen. Sie versuchen, Kosten herunterzufahren und hoffen auf eine staatliche Überbrückungshilfe.

Skipiste auf dem Fichtelberg ohne Wintersportler:innen 2 min
Bildrechte: Manja Kraus

In einem normalen Winter beschäftigt die Skischule Süß 25 Skilehrer. Die Studenten und soloselbstständigen Honorarkräfte hatten sich bisher auf Abruf bereitgehalten. Jetzt ist klar, dass sie in Oberwiesenthal in diesem Winter nichts verdienen werden. Die Mieten der für die Skilehrer reservierten Unterkünfte müsse die Schule trotzdem zahlen, wie Michael Süß berichtet. Denn bis gestern hatte die Skischule noch gehofft, im Februar und März einen Teil der Umsätze machen zu können.

Schlag für den Tourismus

Zusammen mit dem aktuellen Lockdown im Gastgewerbe treffe die Absage der alpinen Skisaison die Tourismus-Branche hart, konstatierte der Tourismusverband Erzgebirge "Eine Entspannung für die Branche ist nicht in Sicht", hieß es. Dabei sei der Wintersport für das Erzgebirge von ganz besonderer Bedeutung. Im vergangenen Jahr verbuchten die Skiorte den Angaben zufolge im Januar und Februar mehr als 300.000 Übernachtungen. Deshalb sei es umso schmerzlicher, dass das Erzgebirge in diesem Winter keine touristischen Leistungen anbieten dürfe, teilte der Verband mit.

Skilanglauf als Alternative

Ursprünglich hat man bundesweit eine einheitliche Linie für den alpinen Wintertourismus angestrebt, teilte das sächsische Ministerium für Kultur und Tourismus mit. "Da die Infektionszahlen regional aber sehr unterschiedlich sind und in Sachsen die Skisaison bereits Anfang März endet, war aus Gründen der Planungssicherheit bereits jetzt eine Entscheidung notwendig", hieß es weiter. In der Videoschalte am Dienstag wurde auch darüber gesprochen, wie Einnahmeausfälle der Liftbetreiber kompensiert werden können. Klepsch wolle sich in Kürze dazu erneut mit den Betroffenen verständigen.

Ein Langläufer dreht im Skistadion von Mühlleithen seine Runden.
Langlauf bleibt derzeit das einzige Skivergnügen für Hobbysportler in Sachsen. Bildrechte: dpa

Im Gegensatz zur abgeblasenen Saison für den Alpinski, bleibt Skilanglauf in der Winterlandschaft weiterhin möglich. Allerdings nur für Einheimische in einem Radius von 15 Kilometern um ihrem Wohnort.

Saisonvorbereitungen in Oberwiesenthal 2 min
Bildrechte: Bernd März

Der Skibetrieb in Sachsen fällt in diesem Winter komplett aus, auch für die Skischulen der Region Chemnitz ist das ein herber Schlag. Manja Kraus hat sich in Oberwiesenthal umgehört.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Do 14.01.2021 10:02Uhr 02:08 min

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/corona-skischulen-erzgebirge-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.01.2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen