09.04.2020 | 12:22 Uhr | Update Ostern im Internet: Ungewöhnliche Karwoche für Christen in Sachsen

Karfreitag findet für Christen die Karwoche ihren geistlichen Höhepunkt. Bis Ostern erinnern sie an den Weg Jesu von der Kreuzigung bis zur Auferstehung. Der Dresdner Dompfarrer Norbert Büchner sagte MDR SACHSEN, in diesem Jahr werde Ostern auch eine einsame Zeit. Er bedauerte, dass gemeinsame Gottesdienste in den Kirchen nicht möglich sind. Nun werden die Gläubigen Ostern im Internet feiern. Und auch an Offline-Gläubige wird gedacht.

Abbildung von Jesus Christus am Kreuz.
Bildrechte: Colourbox.de

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat dazu aufgerufen, in der Karwoche auch ohne Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie das größte Fest der Christenheit zu feiern. "Ostern fällt nicht aus", schrieb er in einem am Dienstag veröffentlichten Hirtenbrief. "Es ist uns ein Verzicht auferlegt, den wir annehmen müssen und fruchtbar machen können." Das Osterfest 2020 werde daher einmalig sein.

Kirchen ganz digital

  • Um Gottesdienste aus einer vertrauten Kirche anzubieten, planen viele Kirchgemeinden eigene Livestream-Gottesdienste.
  • Oder sie übertragen Gottesdienste in Kooperation mit lokalen und regionalen Fernsehsendern, hier eine Übersicht über evangelische Gottesdienste, hier finden sie die katholischen Gottesdienste
  • Darüber hinaus zeichnen Pfarrerinnen und Pfarrer kleine Video-Andachten auf oder haben einen eigenen YouTube-Kanal eingerichtet.
  • Die evangelische Landeskirche und das Bistum Dresden- Meißen senden jeden Sonntag einen Livestream-Gottesdienst
  • Der MDR sendet jeden Sonntag einen katholischen Gottesdienst in sorbischer Sprache über das Regionalstudio Bautzen auf den Frequenzen Bautzen, Calau
  • Landesbischof Tobias Bilz lädt zudem jeden Abend um 18:00 Uhr zu einer Abendandacht ein, die auf YouTube und Facebook übertragen wird
  • Tobias Bilz ist zudem mit einer eigenen Präsenz in den sozialen Medien (Facebook, Instragram, Twitter) vertreten, über die er mit Menschen ins Gespräch kommen möchte.
  • Den jüdischen Gottesdienst zum Beginn des Schabbat überträgt MDR SACHSEN am Freitag ab 19 Uhr im digitalen Kanal im DABplus MDR SACHSEN EXTRA und bei www.mdr-sachsen.de. Vorbeter ist Rabbiner Akiva Weingarten von der jüdischen Gemeinde in Dresden. Für ihn ist das ein ganz besonderer Gottesdienst, weil er während des Pessach-Festes gefeiert wird. Das begann am Mittwochabend mit dem Sedermahl und dauert acht Tage.

Eine leere Kirche
Können die Menschen nicht in die Kirche kommen, kommt die Kirche eben zu den Menschen - per Livestream Bildrechte: MDR SACHSEN/Kühnke

Und wer kein Internet hat?

Die eigentliche und besondere Herausforderung aber ist der Kontakt zu Menschen, die nicht über Online-Angebote erreichbar sind. Hier bemühen sich die Kirchgemeinden, über das Telefon oder Briefe den Kontakt zu ermöglichen. In einigen evangelischen Kirchen soll es Anlaufpunkte geben, etwa Pinnwände für Zettel mit individuellen Andachten, Gebeten und anderen Hinweisen, teilte das Landeskirchenamt mit. Voraussetzung: keine Gruppenbildung. Pfarrerinnen und Pfarrer stehen demnach weiter für Gespräche bereit.

Seelsorge übers Telefon

In vielen Kirchgemeinden bieten Pfarrerinnen und Pfarrer Seelsorge und Unterstützung am Telefon an. Ob "Sorgentelefon" oder "Telefon fürs Seelenwohl" - die Botschaft ist klar: Ihr seid zu Hause nicht allein. Kirchenmitarbeiter werden zudem anrufen, um sich über die jeweilige Situation und das Wohl der Gemeindemitglieder zu erkundigen und Hilfe anzubieten.

"Corona-Seelsorgetelefon" wochentags geschaltet

Ein Kreuz steht am 19.11.2014 in Neukirchen (Nordrhein-Westfalen) am Wegesrand.
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Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche, das Bistum Dresden-Meißen und die Diakonie Sachsen haben ein ökumenisches "Corona-Seelsorgetelefon" organisiert. Die geschulten Seelsorger sind montags bis freitags von 9:00 bis 18:00 Uhr erreichbar. Sie wollen die bestehende Telefon-Seelsorge ergänzen und auf Fragen eingehen, die möglicherweise rund um die Corona-Pandemie aufbrechen und unruhig machen. Die Nummer lautet: 0351 89692890.

Welche Gottesdienste sind zu Ostern geplant?

Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz wird am Gründonnerstag per Livestream in der Dresdner Diakonissenhauskirche predigen, am Karfreitag wirkt er bei einem Gottesdienst in der Unterkirche der Frauenkirche mit, der auch von MDR Kultur im Hörfunk und der ARD im Fernsehen übertragen wird. Am Ostersonntag feiert der Landesbischof einen Gottesdienst in der Nikolaikirche. Weitere Informationen dazu sind hier abrufbar.

Tobias Bilz 79 min
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Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, feiert am Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht Gottesdienste in der Leipziger Propsteikirche, mit Übertragung per Livestream. Eine Übersicht ist hier abrufbar.

Und auch der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt wird per Livestream Gottesdienste abhalten: am Gründonnerstag, Karfreitag, in der Osternacht, am Ostersonntag und am Weißen Sonntag.

Kirchenmusik sucht neue Formate

Die Corona-Pandemie trifft die Kirchenmusik in der Passionszeit, in der üblicherweise eine Vielzahl an Konzerten in den Kirchen stattfinden. Neben den Kirchenchören und Kantoreien, die sich bereits lange auf diese Konzerte vorbereitet haben, trifft die Absage aller Veranstaltungen auch die freischaffenden Musiker und Solisten hart.

Dennoch findet auch die Kirchenmusik derzeit Formate, um Menschen musikalisch zu erreichen. So sind Konzerte auf YouTube zu sehen oder werden in Kooperation mit lokalen Fernsehsendern übertragen, wie die Vesper in der Dresdner Kreuzkirche oder die Mottete aus der Leipziger Thomaskirche.

Quelle: MDR/epd/PM/nk/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.04.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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