Corona-Pandemie Sächsische Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm

In den Krankenhäusern in Sachsen verschärft sich die Situation immer weiter. Wegen der hohen Infektionszahlen kommen manche Häuser an ihre Grenzen, erste Patienten werden verlegt. Die Krankenhausgesellschaft fordert ein Konzept für die Aufteilung der Patienten, in das alle Krankenhäuser eingebunden werden.

Immer mehr schwer Corona-Erkrankte, Ärzte und Pfleger am Limit, schwindende Kapazitäten bei den Intensivbetten: Die Krankenhausgesellschaft (KGS) Sachsen schlägt Alarm. Die Situation an den Krankenhäusern verschärfte sich weiter durch die hohe Zahl der Corona-Infektionszahlen. "In einigen Krankenhäusern wird bereits nahe an der Belastungsgrenze gearbeitet. Es sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Corona erkrankt oder in Quarantäne, die verbleibenden arbeiten am Limit", erklärt Stephan Helm, Geschäftsführer der KGS. Zudem seien die Kapazitäten fast ausgeschöpft. Wichtig sei abseits der Corona-Patienten auch den Regelbetrieb zur Versorgung für alle anderen Kranken zu gewährleisten.

Forderung: Alle Krankenhäuser in Planung einbinden

Die KGS fordert, "schnellstmöglich" alle verfügbaren Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen in Sachsen organisatorisch und logistisch mit in die Versorgung einzubinden. "Die Landesregierung bitten wir dringlich, sich entschlossen für eine notwendige Anpassung und Nachbesserung des jetzigen 'Krankenhausschutzschirms' der Bundesregierung einzusetzen", forderte Helm. Die Mehrzahl der sächsischen Krankenhäuser sei davon bislang ausgegrenzt. Das schränke deren Handlungsspielräume massiv ein.

Landkreis Görlitz bittet dringend um Hilfe

Bereits am Donnerstag hatte die Beigeordnete des Landkreises Görlitz Martina Weber alarmiert und um Hilfe gebeten. Die Lage in den Krankenhäusern habe sich verschärft, die Kliniken seien an der Belastungsgrenze. In den vergangenen Wochen seien rund 40 Covid-19-Patienten pro Woche im Landkreis behandelt worden. "Das kann durch die Kliniken der Region alleine nicht mehr gewährleistet werden", sagte Weber. Daher habe der Landkreis Görlitz einen Brief ans sächsische Sozialministerium geschickt mit einem dringenden Appell, die Auslastung und Organisation der Krankenhausaufnahmen zu steuern. Der Görlitzer Landrat Bernd Lange bat zudem die Landespolizei per Amtshilfeersuch um Unterstützung bei der Kontrolle der Corona-Maßnahmen.

Köpping will über Verlegung von Patienten beraten

Donnerstagabend hatte Sozialministerin Petra Köpping angekündigt, sich mit Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Landräten und Krankenhauskoordinatoren über die Situation in der Lausitz zu beraten. Ziel sei es, Lösungen zu finden, um alle Patienten zu versorgen. "Der Hilferuf aus Ostsachsen wirkt alarmierend" sagte Köpping im MDR SACHSENSPIEGEL. Es bestünde im Rahmen des Cluster-Konzepts die Möglichkeit, Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf in andere Kliniken zu verlegen. Dazu sollten in den nächsten Tagen Lösungen gefunden werden.

Petra Köpping im Studiogespräch
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Hilferufe auch aus Chemnitz

Auch das Klinikum Chemnitz teilte mit, dass es sich allmählich an die Belastungsgrenze bewegt. Bereits jetzt lägen 126 Menschen im Krankenhaus. Mehr als 150 Patienten könne das Klinikum jedoch wegen Personalmangel nicht aufnehmen. "Die Klinikleitung ist wegen der aktuellen Lage sehr besorgt. Sie bittet die Bevölkerung um das Einhalten der Hygiene- und Kontaktregeln, um eine absehbare Überlastung der Krankenhäuser abzuwenden", hieß es in einer Erklärung vom Donnerstag.

Chefarzt aus dem Erzgebirge: "Wirklich sehr bedrohliche Situation"

Auch im Erzgebirge ist die Lage zunehmend angespannt. "Das ist wirklich eine sehr bedrohliche Situation. Die stationären Behandlungsfälle nehmen entsprechend der hohen Infektionsrate immer mehr zu, die schweren Verläufe nehmen immer mehr zu. Wir haben wirklich die Kapazitätsgrenzen fast erreicht", sagte Norbert Heide, Chefarzt des Klinikums Mittleres Erzgebirge. Schon jetzt müssten Patienten verlegt werden. Nicht nur in nahe Krankenhäuser, sondern länderübergreifend. So müsse beispielsweise wahrscheinlich die Hilfe von Krankenhäusern in Halle in Anspruch genommen werden.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.11.2020 | 19:00 Uhr

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