Corona-Schutzmaßnahmen Kretschmer: Ausgangsbeschränkungen und Alkoholverbot in Hotspots

Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern zu den Corona-Schutzmaßnahmen hat Sachsens Regierungschef für Landkreise mit extremen Infektionslagen schärfere Regeln angekündigt. Acht Regionen wären derzeit betroffen. Der Görlitzer Landrat Bernd Lange fordert landesweite Regeln statt lokaler Einschränkungen.

In sächsischen Landkreisen mit besonders hohen Corona-Infektionszahlen sollen von kommender Woche an Ausgangsbeschränkungen und ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit gelten. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte MDR SACHSEN, die Kontaktbeschränkungen würden "noch einmal nachgearbeitet, so dass sich für einen Hausstand nur noch zwei weitere Personen treffen können". Die Maßnahmen sollen demnach heute im Landtag vorgestellt und morgen im Kabinett beschlossen werden.

Wie zeitweise im Frühjahr solle das Verlassen der eigenen Wohnung dann nur noch "aus triftigem Grund" möglich sein, erklärte Kretschmer. Als triftige Gründe nannte er Einkaufen, die Wege zur Arbeit und zur Schule und Spazierengehen.

Wir sehen in dieser Glühweinzeit eben auch, dass wir mit einem Alkoholverbot in der Öffentlichkeit arbeiten müssen, weil doch der eine oder andere den Verlockungen nicht entgehen kann und es dann immer wieder zu größeren Ansammlungen von Personen kommt.

Michael Kretschmer Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

In Sachsen überschritten am Mittwoch acht der insgesamt 13 Landkreise und kreisfreien Städte den Inzidenzwert von 200. Die höchsten Infektionszahlen gibt es derzeit in den Landkreisen Zwickau, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen, Görlitz und im Erzgebirgskreis.

Görlitzer Landrat Lange für landesweite Regeln

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange lehnt unterschiedliche regionale Beschränkungen ab, wie es die Bund-Länder-Beschlüsse vorsehen. "Ich halte das für falsch", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in einer Video-Konferenz. Er forderte für die Landkreise landesweite Regeln bei Inzidenzwerten von mehr als 200. "Wenn ein Landkreis Regeln selbst festlegt, wie sollte er das an den Landkreisgrenzen kontrollieren? Ich kann dort keine Kontrollen aufstellen und die Ein- und Ausreise kontrollieren." Lange befürchtet auch Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung, sollte jeder Landkreis eigene Regeln aufstellen.

Der Landrat des Landkreises Görlitz Bernd Lange
Bildrechte: Landkreis Görlitz

Dass sich die einzelnen Bundesländer unterschiedlich aufstellen, dafür habe ich durchaus Verständnis. Aber innerhalb eines Landes sollten die Maßnahmen einheitlich sein.

Bernd Lange Landrat im Kreis Görlitz

Der Landrat im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Michael Geisler, geht davon aus, dass das Landratsamt Anfang nächster Woche mit einer neuen Allgemeinverfügung auf die geplanten Maßnahmen reagieren werde. Geisler sagte MDR SACHSEN, was genau drin stehe, wisse er noch nicht. Das hänge von der Entscheidung der Landesregierung am Freitag ab.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch nach langer Debatte auf eine Verlängerung und teilweise Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen geeinigt. Die seit dem 2. November geltenden Beschränkungen werden bis zum 20. Dezember verlängert. Über die Feiertage zu Weihnachten und Silvester soll es Lockerungen geben. Bei besonders extremen Infektionslagen mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche und zugleich diffusem Infektionsgeschehen sollen die Beschränkungen lokal verschärft werden.

Quelle: MDR/kb/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 26.11.2020 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

M B vor 7 Wochen

Haben die Corona-Leugner tatsächlich gesiegt? So scheint es, wenn man sieht, wie lau die Verantwortlichen reagieren. Problem Schule? Mehrmals haben Ministerpräsidenten und Bundesregierung stundenlang getagt, und heraus kommt, dass jeder Schulleiter nach eigenem Ermessen entscheiden soll/ muss. Als Lehrerin fühle ich mich als Bauernopfer. Gaststätten müssen trotz hoher Investitionen in Hygienemaßnahmen schließen, Fußballtraining ist verboten - aber Tausende Schüler und Lehrer müssen weiter in vollen Räumen lernen bzw. unterrichten. Selbst falls jüngere Kinder weniger gefährdet sein sollen, so tragen sie das Virus in die Schule und von dort nach Hause, von wo es die Familien weiter verbreiten. Häufig werden sie nachmittags von ihren Großeltern betreut, Angehörige der Altersgruppe, die besonders geschützt werden soll...
Bis Oktober habe ich hinter allen Maßnahmen gestanden,jetzt aber erscheinen mir die Politiker wie fremdgesteuerte Marionetten, die sich nicht durchsetzen können. AUFWACHEN

Chris75 vor 7 Wochen

Sehr geehrter Herr Kretschmer, ich bitte Sie und ihre Kollegen sich nicht beeindrucken zu lassen von meckern den Zeitgenossen. Sachsen hat bereits deutschlandweit die höchsten Infektionszahlen und es ist dringend notwendig, Maßnahmen zu ergreifen. Es sollte gut möglich sein, eine Weile auf Kontakte sowie Alkohol in der Öffentlichkeit zu verzichten, unnötige Partys/Besuche sind jetzt einfach nicht mehr drin. Und als Mutter von 3 Kinder möchte ich Ihnen sagen: bitte entscheiden Sie endlich zugunsten von Homeschooling bzw geteilten Klassen für die Großen bei hohen Inzidenzwerten. Es fühlt sich nicht mehr gut an, die Kinder in die Schule gehen zu lassen und täglich mit dem ÖPNV fahren zu lassen. Und: bei reihenweise erkrankten Lehrern bzw Lehrern in Quarantäne fällt sowie schon ein großer Teil der Stunden aus - da wären geteilte Klassen mit halbem Stundenplan ergänzt um Aufgaben für zu Hause eine Erleichterung (auch um die zu schützen, die sich noch vor die Klasse stellen können).

Matthi vor 7 Wochen

Egal ob in Sachsen oder in anderen Bundesländern die Verantwortlichen haben den Sommer nicht genutzt um ihre Gesundheitsämter Software mäßig fit zu machen. Im Helmholtz Institut wurde eine passende Software entwickelt die im Ausland erfolgreich eingesetzt wird in Deutschland nur von ca. 20 Bundesweit der rest arbeitet mit unterschiedlicher Software oder Papier ein Bundesweiter Austausch der Länder ist so nicht möglich. Der Teil Lockdown zeigt nur wieder die Unfähigkeit der Verantwortlichen Politik in Deutschland.

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