24.03.2020 | 18:34 Uhr | Update Regierung sieht unverminderte Corona-Gefahr für Sachsen

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Sachsen steigt weiter, sechs Menschen sind mittlerweile gestorben. Sachsens Regierung sieht keinerlei Entspannung der Lage und verweist nochmals darauf, dass auch Wochenmärkte geschlossen sind. Zudem hat das Land ein Hilfsprogramm für hunderte Berufspendler aus Tschechien aufgelegt, die in Sachsen arbeiten. Denn sie müssen bis Donnerstag eine schwerwiegende Entscheidung für sich und ihre Familien treffen.

Ein Polizeibeamter mit dem Atemschutzmaske kontrolliert ein Fahrzeug am tschechisch-deutschen Grenzübergang Vojtanov
Sachsens Nachbarland Tschechien schließt ab Donnerstag auch für Berufspendler die Grenzen. Das trifft etwa 10.000 Menschen. Sachsen hat für Betroffene, die in der Pflege und im Gesundheitswesen arbeiten, ein Sofortprogramm beschlossen. Bildrechte: dpa

Überblick Corona-Lage Sachsen

Die Corona-Gefahr und Erkrankungssituation in Sachsen bleibt weiter angespannt. Sozialministerin Petra Köpping konnte am Dienstag weder von Entspannung noch Entwarnung der Lage sprechen. Derzeit gelten 1.018 Menschen im Land als bestätigte Coronavirus-Infizierte. Sechs Menschen starben bislang. Drei Todesfälle wurden am Dienstag gemeldet (zwei in Dresden, einer im Landkreis Zwickau). Vorher waren schon ein Mann in Bautzen und zwei Menschen in Zwickau gestorben. Die meisten bestätigten Coronavirus-Infizierten gibt es in Leipzig, Dresden und im Landkreis Zwickau.

Zwei Corona-Quellen im Landkreis Zwickau

Der Landkreis sticht mit besonders vielen bestätigten Coronafällen aus der Statistik heraus, besonders der Ort Bernsdorf, in dem 34 Personen mit dem Coronavirus infiziert sind.

Erklärgrafik für Social Distancing
Bildrechte: MDR

Ein 87 Jahre alter Mann aus Bernsdorf sowie eine 84-Jährige sind gestorben. Am Dienstagabend wurde ein weiterer Todesfall aus dem Landkreis Zwickau gemeldet. "Wer in Bernsdorf wohnt, sollte sich nicht mehr zum Quatschen treffen", warnte ein Sprecherin des Landkreises Zwickau.

Sozialministerin Petra Köpping nannte zwei Quellen als Ursache für die hohen Infektionszahlen in diesem Landkreis: Zum einen habe ein Physiotherapeutin etwa 40 Patienten angesteckt. Sie war aus einem Italienurlaub zurückgekommen, hatte aber tagelang keine Beschwerden, bevor bei ihr das Virus bestätigt wurde. Als zweite Quelle nannte die Ministerin eine große Familienfeier mit rund 40 Gästen. "Dort haben erhebliche Ansteckungen stattgefunden", sagte sie.

Mehr schwere Krankheitsverläufe

Auch die Zahl der klinisch schweren Verläufe hat sich laut Köpping erhöht. Derzeit würden acht Menschen als Schwererkrankte in Leipzig (ein Patient), in Chemnitz (sechs) und in Görlitz (ein Patient) behandelt.

Die Maßnahmen zur Einschränkung der Sozialkontakte sind berechtigt. Ich bitte alle Bürger nochmals, sich an die Vorgaben zu halten!

Petra Köpping Sozialministerin

Hilfe für tschechische Grenzpendler

Polizisten stehen an einer tschechisch-österreichischen Grenze
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Weil Sachsens Nachbarland Tschechien ab Donnerstag seine Grenzen auch für Berufspendler schließt, stehen viele tschechische Bürger nun vor der Frage: weiter arbeiten in Sachsen, trotz Grenzschließung oder zu Hause bei der Familie bleiben und kein Geld verdienen? Um den Grenzpendlern zu helfen, bietet Sachsen Hilfe an. Jeder Beschäftigte, der in Sachsens Grenzregion weiterarbeitet, soll 40 Euro am Tag Unterstützung bekommen, kündigte Ministerpräsident Michael Kretschmer an.

Befristete Hilfe - mit Option auf Verlängerung

Das Angebot gilt vorerst für drei Monate, könne laut Kretschmer aber auch verlängert werden und ist für Grenzpendler gedacht, die in den Bereichen Pflege, Gesundheitswesen und in den daran angeschlossenen Dienstleistungen wie Wäschereien arbeiten. Sie können auch Lebenspartner und Familienangehörige mitbringen. Diejenigen sollen pro Person 20 Euro am Tag Hilfe bekommen. Mit Bürgermeistern in den Grenzgebieten werde derzeit geklärt, wie eine Notbetreuung für Kinder dieser Berufspendler aussehen könne.

Ich hoffe, dass viele Frauen und Männer das Angebot annehmen. Aber ich weiß auch, dass man so eine eine Entscheidung nicht leichtfertig trifft.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Ministerpräsident Kretschmer rechnet mit etwa 1.000 tschechischen Arbeitspendlern, die das Programm nutzen könnten. "Wenn es mehr werden, ist das auch in Ordnung", sagte er. Zugleich werbe er in Polen dafür, dass dort die geltenden Regeln für Berufspendler bestehen bleiben und nicht so "restriktive Grenzschließungen" wie in Tschechien vorgenommen werden.

Auch Wochenmärkte in Sachsen sind verboten

Ein Schild mit der Aufschrift "Abstand halten" steht vor einem Marktstand auf dem Wochenmarkt.
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Am Dienstag waren in Sachsen noch vereinzelt Wochenmärkte in kleineren Städten geöffnet. Dazu sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller: "Klare Ansage: Wochenmärkte bleiben zu. Es sind Ansammlungen, bei denen Infektionsgefahr besteht." Die Gemeinden müssten dafür sorgen, dass Wochenmärkte geschlossen bleiben. Wenn sie das nicht durchsetzen könne, "kann die Polizei helfen, sie zu schließen", erklärte Wöller.

Bitte halten Sie sich daran, dann brauchen wir nicht über Bußgelder zu diskutieren.

Roland Wöller Innenminister Sachsen

Wöller bedankte sich bei der Mehrheit der Bürger, die "sich vernünftig" verhalte und zu Hause bleibe beziehungsweise den Vorschriften nachkomme. Bislang konnten Polizisten mit Hinweisen, Gesprächen und Platzverweisen die Allgemeinverordnung durchsetzen.

Sachsenweit seien 83 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz registriert worden. Besonders auffällig sei ein betrunkener Jugendlicher in Dresden gewesen und eine 17-Jährige, die die Quarantäne nicht ernst genommen habe und nach draußen ging.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.03.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2020, 18:34 Uhr

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