15.03.2020 | 16:00 Mit dem Virus lernen - ausgesetzte Schulpflicht in Sachsen

Ab Montag ist die Schulpflicht in Sachsen ausgesetzt. Für Schüler bedeutet das, dass sie nicht in die Schule müssen. Ferien haben sie aber auch nicht, sie sollen trotz Aussetzung irgendwie weiter unterrichtet werden. Lehrkräfte müssen sich nun überlegen, wie sie die Schüler in dieser Zeit mit Lernstoff versorgen können. Hilfe gibt es unter anderem vom Kultusministerium und der TU Dresden.

Ein Klassenzimmer, Blick zu einer Tafel auf der Viren gemalt sind
Bildrechte: Imago/Panthermedia

Ab Montag ist die Schulpflicht in Sachsen ausgesetzt. Das gilt für alle öffentlichen Schulen, Berufsschulen sowie Einrichtungen in privater Trägerschaft. Die Anordnung gilt bis auf Weiteres. Diese Maßnahme hat weitreichende Konsequenzen für Schülerinnen, Schüler, Lehrer und Eltern. Denn in der unterrichtsfreien Zeit können Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben. Eine Schulpflicht besteht nicht. Das Kultusministerium hat nun Maßnahmen veröffentlicht, um den Lehrbetrieb nicht völlig zum Erliegen zu bringen. Diese werden auf der Internetseite der Behörde fortlaufend aktualisiert.

Wenn das Kinderzimmer zum Klassenzimmer wird

Am Montag bleiben die Schulen auf Anordnung der Landesregierung bis vorerst Mitte der Woche geöffnet. Ebenso die Kitas, wenn nicht anders kommuniziert oder verfügt. Das Lehrpersonal ist anwesend, um die Betreuung für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, für die kurzfristig keine Betreuung organisiert werden konnte. Dies gilt ebenso für die Hortbetreuung.

Damit Schülerinnen und Schüler während der unterrichtsfreien Zeit weiterhin mit Lernmaterialien versorgt werden können, organisieren die Schulen derzeit, über welche Kommunikationswege dies geschehen kann.

Wichtig ist es, dass die Schülerinnen und Schüler oder deren Eltern die unterrichtsfreie Zeit nutzen, in der Schule deponierte Schulbücher abzuholen und sich über die Bezugswege der Lernmaterialien (elektronisch per E-Mail oder Cloudlösung wie LernSax oder analog per Aushang) zu informieren, bevor die Schule geschlossen wird!

Staatsministerium für Kultus

Viele Schulen haben bereits reagiert und auf ihren Internetseiten beispielsweise Abholzeiten für Schulmaterial für einzelne Schulklassen und Ausgabe der Aufgaben veröffentlicht.

Prüfungen, Klassenfahrt und Praktikum

Wie organisatorisch und inhaltlich bevorstehende Prüfungen durchgeführt werden solllen, will das Kultusministerium zu Beginn der Woche hier veröffentlichen.

Klassenfahrten ins In- und Ausland sind bis zum Schuljahresende nicht erlaubt. Klassenfahrten innerhalb Sachsens dürfen bis zu den Osterferien nicht durchgeführt werden. Ob danach diese Regelung gelockert wird, entscheidet das Ministerium je nach Lage. Bis auf Weiteres dürfen auch keine neuen Klassenfahrten vertraglich abgeschlossen werden, unabhängig davon, wann diese stattfinden sollen.

Die Stornierungskosten für Klassenfahrten werden vom Freistaat Sachsen übernommen.

Staatsministerium für Kultus

Auch außerschulische Veranstaltungen wie Wettbewerbe, Olympiaden, Stipendienfahrten Betriebspraktika, Schüler- und Lehreraustausche und Lehrerfortbildungen werden laut Kultusministerium bis Ende des Schuljahres abgesagt bzw. sind abzusagen. Und auch das Stipendienprogramm des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus für Oberschülerinnen und Oberschüler 2020 entfällt.

Home Office für Lehrkräfte

Die Schließung der Schulen stellt natülich auch Lehrerinnen und Lehrer vor logistische und technische Herausforderungen. Sie bleiben im Dienst und können in der Zeit der Schulschließung von zu Hause aus arbeiten. Voraussgesetzt, es ist vertraglich, technisch, organisatorisch oder persönlich möglich. Das Kultusministerium wird auf dem Schulportal für Lehrerinnen und Lehrer Hinweise zur Nutzung digitaler Medien liefern. Details sollen zu Beginn der kommenden Woche festgelegt werden.

Aber auch zahlreiche Initiativen und Insititutionen reagieren auf die derzeitige Situation und haben Tipps und Hilfestellungen im Internet für Lehrkräfte zusammengestellt. So hat das Institut für Politikwissenschaften der TU Dresden Ideen gesammelt, wie die Lehrkräfte interessante Lernangebote an ihre Klassen digital vermitteln können. Der Rat der TU Dresden:

Halten Sie unbedingt Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern! 

Institut für Politikwissenschaften Tu Dresden

Vorgeschlagen werden unter anderem WhatsApp-Gruppen oder Videokanäle mit Konferenzschaltung.

Wenn niemand das Kind betreuen kann

Mit der Entscheidung, zunächst unterrichtsfreie Zeit anzuordnen, will die Landesregierung Eltern die Möglichkeit geben, sich bis zur Schließung von Schulen auf eine Betreuung von Kindern und Schülern im häuslichen Umfeld einstellen zu können. Die Betreuung für alle Kinder, deren Eltern kein alternatives Betreuungsangebot haben, werde abgesichert, so die Behörde. Erste Deatils sind aber bekannt.

  • So soll diese Betreuung nur für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen eingerichtet werden
  • Für andere Schulen mit größeren Kindern wird kein Bedarf gesehen.
  • Die Notbetreuung soll stehen, bevor die Schulen im Lauf der kommenden Woche geschlossen werden.
  • Diese Notbetreuung wird nicht umfassend sein.
  • Es wird noch überlegt, welche Eltern bestimmter Berufsgruppen die Notbetreuung nutzen dürfen.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.03.2020 | 19:00 Uhr

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