06.05.2020 | 21:30 Uhr Campen, reisen, Indoorsport - Sachsen lockert Corona-Regeln

In Sachsen sind weitere Lockerungen der coronabedingten Kontaktbeschränkungen beschlossen worden. Schon Mitte Mai können Gaststätten und Hotels öffnen und Touristen wieder nach Sachsen kommen. Auch Kulturveranstaltungen sind bald wieder möglich. Sollten die Infektionszahlen wieder steigen, greift ein Notfall-Mechanismus.

Drei Personen in einem Fitnessstudio machen auf Bällen sitzend Gymnastik
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Sachsen hat in der Coronavirus-Krise weitere Lockerungen beschlossen. Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach am Mittwoch nach einer Sitzung des sächsischen Kabinetts von einer veränderten Bedrohungslage. Das Virus habe nicht an Gefährlichkeit verloren. Aber die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung habe in den vergangenen Wochen deutlich abgenommen. Man habe die Ausbreitung des Virus schnell in den Griff bekommen, meinte Kretschmer. Es gebe nur eine geringe Zahl an Neuinfektionen. Nun gehe es um eine stärkere Eigenverantwortung der Menschen, so Kretschmer.

Wir wollen die Dinge so organisieren, dass möglichst viel möglich ist.

Michael Kretschmer Ministerpräsident in Sachsen

Die neue Corona-Schutzverordnung sei ein Paradigmenwechsel und soll ab dem 18. Mai gelten, sagte Landwirtschaftsminister Wolfram Günther. Am nächsten Dienstag will das Kabinett über die neue Verordnung abstimmen.

Was ändert sich jetzt?

- Kontaktbeschränkungen: Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen in Sachsen werden grundsätzlich verlängert. Allerdings dürfen sich ab 18. Mai wieder Angehörige von zwei Haushalten treffen - also etwa zwei Familien, zwei Paare oder die Mitglieder aus zwei Wohngemeinschaften. Sie sollen weiterhin einen Abstand von 1,50 Metern zueinander einhalten, Bedienungen müssen Mundschutz tragen.

- Versammlungsrecht: Kundgebungen sollen nicht mehr auf eine bestimmte Anzahl von Teilnehmern begrenzt sein. Es gelten aber weiter Hygienevorschriften wie ein Mindestabstand und Maskenpflicht.

- Gastronomie/Tourismus: Biergärten, Gaststätten, Ferienwohnungen und Hotels können in Sachsen bereits am 15. Mai bei strengen Beschränkungen wieder aufmachen. Hotels sollen - anders als in anderen Bundesländern - nach derzeitigem Stand nicht auf eine Auslastung von 60 Prozent beschränkt werden. Auch Campingplätze dürfen öffnen, allerdings ohne Gemeinschaftsduschen. Dann können auch wieder Touristen nach Sachsen kommen. Die konkreten Regeln für die Öffnung der Betriebe sollen am nächsten Dienstag im Kabinett beschlossen werden.

- Kultur/Freizeit: Ab 18. Mai sollen Theater, Opern, Kinos und Konzertveranstalter wieder öffnen können. In den kommenden Tagen sollen dazu Details mit Theatern und anderen Einrichtungen besprochen werden. Es gehe in erster Linie um Hygienevorgaben. Laut Kulturministerin Barbara Klepsch soll auf kleinere Formate und Ensembles sowie Freiluftveranstaltungen gesetzt werden. Auch Fitness-Studios, Tanz- und Musikschulen, Fahrschulen und Freibäder können ab 18. Mai wieder aufmachen. In den nächsten Tagen soll geklärt werden, wie es mit Vergnügungsparks und Heilbädern weitergeht.

- Schulen, Kitas: Auch hier soll es ab 18. Mai weitere Lockerungen "in größerem Umfang" geben, Einzelheiten dazu will Kultusminister Christian Piwarz am Freitag bekannt geben. Auch für Förderschulen soll es einen Öffnungsfahrplan geben.

- Geschäfte: Alle Geschäfte in Sachsen sollen ab 18. Mai unter Auflagen wieder öffnen dürfen - ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche. Die bisherige Beschränkung auf eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern entfällt komplett. Neben Einhaltung der Hygieneregeln gilt der Grundsatz: Ein Kunde auf 20 Quadratmeter. Damit dürfen etwa Elektronikmärkte und Warenhäuser wieder ohne Einschränkung öffnen. Der Mundschutz bleibt weiterhin Pflicht.

- Notfallmechanimus: Sachsen stellt sicher, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird. Dazu wird ein sogenanntes Ampelsystem eingeführt.

Kretschmer: Handschlag und Umarmung bei Kundgebungen "verantwortungslos"

Kritik übte Ministerpräsident Michael Kretschmer an Demonstranten, die Abstandregeln ignorierten. "Diejenigen, die eine andere Meinung haben, sollen die Möglichkeit haben, das zu sagen", sagte er. Es sei aber "wenig cool und nicht besonders männlich, sich mit Handschlag und Umarmung zu einer Kundgebung zu begrüßen". "Ich halte das für verantwortungslos", betonte Kretschmer. In mehreren sächsischen Städten hatten in den zurückliegenden Tagen Kundgebungen gegen Corona-Maßnahmen stattgefunden, so unter anderem am Mittwochabend auch in Pirna.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 06.05.2020 | 19:00 Uhr

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