14.06.2020 | 12:16 Uhr Mietausfälle wegen Corona in Sachsen bisher moderat

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Für Sachsens Vermieter sind die vorab befürchteten erheblichen Mietausfälle bislang nicht eingetreten. Bei großen Wohnungsanbietern waren die Mietausfälle bislang "weitaus weniger dramatisch als ursprünglich Anfang März gedacht", wie der Verband der sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG) mitteilte. Die Genossenschaften hatten als schlimmsten Fall einen Verlust von 20 Millionen Euro Mieteinnahmen im Monat befürchtet.

Verband warnt: Krise noch nicht zu Ende

Tatsächlich beliefen sich die coronabedingten Ausfälle im April, Mai und Juni zusammen auf rund eine Million Euro. Dabei habe es von Monat zu Monat einen leichten Anstieg gegeben, sagte VSWG-Sprecherin Vivian Jakob. Das zeige, dass die Corona-Krise noch nicht ausgestanden sei.

Mietrückstände bauen sich über Monate auf

Symbolbild zum Mietrecht
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Zwei von fünf Unternehmen gaben an, dass die Mietausfälle in Zukunft steigen würden. Der VSWG rechnet mit einem Minus von 1,9 bis 2,5 Millionen Euro pro Monat. Zum Verband gehören rund 286.000 Wohnungen. Auch die kommunale Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) hatte in ersten Kalkulationen mit größeren Lücken gerechnet als sie tatsächlich ausgefallen sind. Allerdings seien die Mietausfälle von April bis Juni höher als im gleichen Zeitraum 2019. Die Lage müsse weiter beobachtet werden.

Vor dem Hintergrund der Prognosen zum Wirtschaftswachstum und zur Arbeitsmarktentwicklung ist davon auszugehen, dass wir noch lange mit dem Folgen der Corona-Krise zu tun haben dürften. Wahrscheinlich bauen sich in den nächsten Monaten weitere coronabedingte Mietrückstände auf.

Samira Sachse LWB-Sprecherin

Corona-Folgen verstärken sich

Die Freiberger Straße in Dresden
Noch ist die Krise auch auf dem Wohnungsmarkt nicht ausgestanden. Bildrechte: IMAGO

Der Hausbesitzerverband Haus & Grund Sachsen teilte mit, dass bei privaten Vermietern die Ausfälle in etwa so hoch seien wie erwartet. Fünf Prozent der Mieter hätten Stand Mai die Zahlungen gestundet, weitere fünf Prozent hätten ohne Angaben von Gründen keine Miete gezahlt. Noch einmal vier Prozent kündigten an, künftig nicht zahlen zu können. Für die Monate seit Ausbruch der Corona-Krise werde sich das zu einem unteren zweistelligen Millionen-Betrag ansammeln, sagte Verbandspräsident René Hobusch.

Ich denke, dass wir im Moment noch nicht davon sprechen können, dass wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind.

René Hobusch Präsident Verband Haus & Grund

Die rund 10.000 Mitglieder bei Haus & Grund vermieten in Sachsen ungefähr 75.000 Wohnungen. Auch Hobusch erwartet sich verstärkende Effekte der Corona-Krise. Im April seien vielerorts noch volle Gehälter gezahlt worden. Kurzarbeit mache sich erst ab Mai richtig bemerkbar.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.06.2020 | 19:00 Uhr

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