Arbeitswelt Mehr mobiles Arbeiten in Sachsens Verwaltungen seit Corona

Mit den Kollegen in der Teeküche unbeschwert einen Kaffee trinken oder eng beeinander im Konferenzraum sitzen - das ist seit Monaten kaum mehr möglich oder sogar verboten. Die Corona-Pandemie hat in sächsischen Betrieben aber auch der Verwaltung viele Arbeitsabläufe in Frage gestellt und das Arbeiten von früher stark verändert. Für einige Arbeitnehmer ist diese Zeit aber auch eine Chance: Verwaltungen und Betriebe sind derzeit offener für das mobile Arbeiten - also das Arbeiten von zu Hause. In vielen Städten in Sachsen gehört es mittlerweile zum Alltag.

Eine Frau arbeitet mit Hörschutz im Homeoffice.
Der Esstisch wird zum Arbeitsplatz. So sieht bei vielen Arbeitnehmern das sogenannte Homeoffice aus. Bildrechte: dpa

Viele Städte in Sachsen haben seit Beginn der Corona-Pandemie die Möglichkeit des mobilen Arbeitens im Öffentlichen Dienst ausgeweitet. Das geht aus einer Befragung von MDR SACHSEN hervor. Demnach haben Städte wie Plauen, Leipzig, Grimma und Radebeul die notwendigen Voraussetzungen im Frühjahr geschaffen. In Hoyerswerda ist die Verwaltung im Oktober nachgezogen. In Riesa bestehe inzwischen vereinzelt die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten, eine entsprechende Dienstvereinbarung fehle aber bisher. Chemnitz und Görlitz hatten für einen Teil ihrer Mitarbeiter bereits vor März 2020 die Möglichkeit des Homeoffice geschaffen. In Döbeln ist Homeoffice den Angaben zufolge nicht möglich.

Städte handhaben Homeoffice sehr unterschiedlich

Wie viele Beschäftigte in der Verwaltung von zu Hause arbeiten können, ist allerdings sehr unterschiedlich. Aus der Stadt Leipzig heißt es dazu, rund "30 % der Mitarbeiter/innen sind mit mobiler Technik ausgestattet und erfüllen zumindest die technischen Voraussetzungen." Der Stadtverwaltung Grimma zufolge können dort sogar 50 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten. In Chemnitz haben den Angaben zufolge rund sechs Prozent der Mitarbeiter die Möglichkeit, regulär oder zumindest teilweise das sogenannte Homeoffice zu nutzen. In Plauen nutzten inzwischen fünf bis acht Prozent die Möglichkeit der Heimarbeit, in Radebeul rund zehn Prozent der Beschäftigten.

Aus Grimma* heißt es, theoretisch könnten 50 Prozent von zu Hause arbeiten, genutzt werde diese Möglichkeit, die es seit März 2020 gibt, aber nur vereinzelt. Die Mitarbeiter, die es wünschen und in "publikumsarmen" Bereichen arbeiten, würden mit der entsprechenden Technik zu Hause ausgerüstet.

Die Empfehlung lautet vorrangig im Büro zu arbeiten. Persönliche Absprachen, das gewohnte Arbeitsumfeld sowie die nötige Erreichbarkeit für die Kundinnen und Kunden der Verwaltung sind für die Arbeitsabläufe fördernd. Allerdings ist es in einzelnen Fällen natürlich möglich, die Verwaltungsaufgaben zum großen Teil in die heimischen vier Wände zu verlegen.   

Ute Kabitzsch Beigeordnete der Stadt Grimma

* Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels haben wir berichtet, dass die Stadt Grimma nicht auf die Anfrage geantwortet hat. Das war nicht der Fall. Wir haben die Angaben entsprechend ergänzt und bitten um Entschuldigung.

Software kommt an ihre Grenzen

Dass auch in der Verwaltung nur ein geringer Anteil der kommunalen Beschäftigten mobil arbeiten kann, hat der Befragung zufolge zwei Gründe: Zum einen sind nicht alle Verwaltungsbereiche für die Heimarbeit geeignet. Das betrifft beispielsweise Einwohnermeldeämter, Standesämter und KfZ-Zulassungsstellen. Laut der Stadt Chemnitz ist aber teilweise auch die Software ein Problem: "Um Homeoffice in großem Umfang ausweiten zu können, fehlen noch viele technische, insbesondere softwaretechnische Voraussetzungen. Es ist eine Vielzahl der im Einsatz befindlichen Fachsoftware für den Betrieb außerhalb der Dienstgebäude wegen mangelnder Webfähigkeit oder Sicherheitseinschränkungen nicht geeignet."

Mitarbeiterschutz vor Ort

Um ihre Mitarbeiter vor Ort zu schützen, haben die Städte zum Teil umfassende Maßnahmen eingeleitet. So seien teilweise Zweier-Büros zu Einzelbüros umgewidmet, Dienstreisen minimiert oder kontaktlose Arbeitsabläufe eingeführt worden. In größeren Büros mit viel Publikumsverkehr seien vielerorts Tröpchenschutzscheiben errichtet worden und es gelte eine Tragepflicht von Mund-Nase-Bedeckungen. Außerdem seien in einigen Ämtern Lüftungsintervalle etabliert worden.

Hintergrund der Befragung MDR SACHSEN hatte für die Befragung 14 Städte in Sachsen stichprobenartig zum Ausbau des mobilen Arbeitens in der Verwaltung befragt. Elf Städte hatten auf die Anfrage reagiert. Keine Antworten lagen zum Redaktionsschluss aus Dresden, Annaberg-Buchholz und Hohenstein-Ernstthal vor.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.11.2020 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

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