17.03.2020 | 17:42 Uhr Corona und die Solidarität in Sachsen

In sozialen Netzwerken rufen immer mehr Nutzer unter #coronahilfe oder #nachbarschaftschallenge dazu auf, andere, meist ältere Menschen zu unterstützen. Um gefährdete Menschen zu erreichen, die dort nicht aktiv sind, werden aber auch Handzettel verteilt oder andere Wege gewählt, um Hilfesuchende und Helfer zusammenzubringen. Ein Überblick.

Eine gefüllte Einkaufstüte steht vor einer Tür neben einem Rollator. Ein Spruchband liegt über dem Bild. Darauf steht: #coronahilfe
Bildrechte: MDR/imago

In Dresden gibt es in verschiedenen Stadtteilen inzwischen mehrere Gruppen, die Nachbarschaftshilfe anbieten. In der Leipziger Vorstadt haben sich in den vergangenen Tagen rund 30 Leute im Scheunenhofviertel unter dem Motto "Der Kiez hilft sich selbst" organisiert. Sie bieten Hilfe bei Einkäufen oder Erledigungen an. Die meist jungen Leute haben am Montag rund 1.200 Handzettel an Haustüren oder in Treppenhäusern in ihrem Viertel aufgehängt. Darin heißt es:

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, solltet ihr an einem geschwächten Immunsystem leiden, einer der sogenannten Risikogruppen angehören oder schlichtweg älter sein, möchten wir euch helfen, eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) zu vermeiden.

Inhalt eines Handzettels

Organisator Ullrich Nix sagte MDR SACHSEN, bislang gebe es keine Rückmeldungen von Hilfesuchenden. Wichtig sei aber, bereits jetzt die Strukturen aufzubauen, falls sich die Corona-Krise in Sachsen weiter verschärfe. Kontakt zur Gruppe, die sich um die Bewohner in ihrem Viertel kümmert, gibt es unter der Mobilnummer 0152/14172581. Hilfesuchende oder Helfer aus anderen Stadtvierteln sollten in ihrer Umgebung nach entsprechenden Hilfsangeboten fragen.

Das Corona-Virus ist vor allem für ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich. Viele von ihnen bleiben deshalb zu Hause und haben möglichst wenig Kontakt mit anderen Personen. Aber auch sie brauchen Lebensmittel, oder müssen zur Apotheke oder zur Post.

Stiftung "Ecken Wecken" organisiert Corona-Hilfe in Leipzig

Auch in Leipzig haben sich viele Freiwillige organisiert, um anderen in der Corona-Krise zu helfen. Die "Stiftung Ecken Wecken" bietet Hilfe in folgenden Bereichen an:

  • Einkaufen
  • Kinderbetreuung
  • Tiere ausführen
  • Kleinreparaturen
  • Lernhilfe für Kinder

Bis Dienstagvormittag hatten sich 65 Unterstützer aus ganz Leipzig  auf der Internetseite der Stiftung als freiwillige Helfer gemeldet. Angefragt wurde auch hier noch keine Hilfe. Die Organisatoren werten dies aber als gutes Zeichen: Die Corona-Hilfe scheine auch über andere Kanäle wie Hausgemeinschaften oder andere direkte Wege zu funktionieren. Zudem sei das Angebot erst im Aufbau und es könne eine gewisse Zeit dauern, bis es bei Hilfe-Suchenden ankomme.

VFL Chemnitz organisiert Kinderbetreuung

Der VFL Chemnitz will Eltern bei der Kinderbetreuung im Umfeld des Vereins unterstützen, nachdem Schulen und Kitas ab Mittwoch geschlossen sein werden. Der Aufruf wurde bei Facebook veröffentlicht. Silke Markert, Mutter eines Jugend-Spielers organisiert die Hilfe von zu Hause aus. Bisher hätten sich zwei Lehrer für die Kinderbetreuung gemeldet, Hilfsanfragen gebe es noch keine, sagte Markert. Sie rechne aber in den nächsten Tagen damit, wenn geklärt sei, wer eine Notbetreuung in Schule oder Kita bekomme. Wer Kinderbetreuung in Chemnitz sucht oder anbieten möchte, kann sich unter 01520/3043113 melden. Als Rahmen setzt die Initiative dabei auf zwei bis drei Kinder zusätzlich zum eigenen Nachwuchs.

Das Freiwilligenzentrum der Caritas in Chemnitz ist derzeit dabei, ein Hilfsangebot aufzubauen. Sprecherin Veronika Förster sagte MDR SACHSEN, die Rahmenbedingungen müssten noch mit Sozial-und Gesundheitsamt besprochen werden. Helfer könnten sich aber melden und würden in eine Datei aufgenommen. Kontaktiert werden kann die Caritas Chemnitz via Internet.

Bundesweite Angebote der #Coronahilfe 

Eine bundesweite Initiative organisiert außerdem Hilfe unter www.quarantaenehelden.org. Auch bei Facebook hat sich eine bundesweite #Coronahilfe organisiert. Dort haben sich nach Angaben der Organisatorin Annette Scholl fast 11.000 Unterstützer angemeldet. Ihren Angaben zufolge ist es das größte Netzwerk bundesweit.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.03.2020 | 19:00 Uhr

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