10.05.2020 | 11:00 Uhr Chemnitzer Forscher: Rauchen verschlimmert offenbar Corona-Infektion

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie haben Ärzte gewarnt: Wer raucht, gehört zur Corona-Risikogruppe. Im Fall einer Infektion kann es zu einem besonders schweren Verlauf der Viruserkrankung kommen. Ist die aktuelle Pandemie also der perfekte Moment zum Aufhören?

Junge dunkelhaarige frau sitzt auf der terrasse eines cafes und raucht eine zigarette
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Stephan Mühlig war 30 Jahre lang starker Raucher: Jeden Tag rauchte er mindestens eine Schachtel Zigaretten. Heute warnt der Suchtforscher der TU Chemnitz besonders vehement: "Man ist als Raucher zwar keinem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt. Aber wenn man an Corona erkrankt, macht es einen Unterschied, ob man raucht", sagte er der Deutschen Presseagentur. Er selbst habe seit 15 Jahren keine Zigarette mehr angerührt. Mittlerweile leitet er neben seiner Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie seit 2008 die Raucherambulanz in Chemnitz.

Experten: Jetzt mit dem Rauchen aufhören!

Gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Aktionskreis Tabakentwöhnung (WAT), Lungenärzten und Fachgesellschaften für Suchterkrankungen ruft Mühlig dazu auf, spätestens jetzt das Rauchen aufzugeben. Der Wissenschaftler erklärt: "Gerade die Lunge wird durch das Coronavirus anscheinend besonders stark angegriffen."

Schwerere Verläufe bei Rauchern?

Stephan Mühlig, TU Chemnitz
Stephan Mühlig ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Chemnitz und leitet seit 2008 die Raucherambulanz. Bildrechte: TU Chemnitz

Dabei stützt er sich auf erste Daten chinesischer Wissenschaftler. Sie weisen darauf hin, dass Rauchen mit einem schwereren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung verbunden sein könnte. Als mögliche Ursache machen die Forscher die reduzierte Lungenfunktion bei Rauchern aus: Sie liege im Schnitt bei lediglich 80 Prozent im Vergleich zu Nichtrauchern. Mühlig erklärt: "Bei einer kaputten Lunge ist die Sauerstoffaufnahme das Problem. Da hilft dann auch keine künstliche Beatmung mehr."

"Handelsblatt" meldet steigenden Absatz von Tabak

Doch statt eines sinkenden Tabakkonsum zeigt sich laut "Handelsblatt" gerade ein anderer Trend: In einem Bericht heißt es, dass gerade jetzt der Absatz von Tabak in Deutschland steige. Angestellte von Tabakunternehmen müssten in den Werken sogar Extraschichten einlegen. Als Hauptgrund dafür sieht das Blatt die geschlossenen Grenzen. Bisher seien viele Zigaretten in Nachbarländern versteuert und dann privat nach Deutschland gebracht worden. Das sei momentan nicht möglich.

Zwei Hände die eine Zigarette zerknickt.
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Mehr Menschen informieren sich zu Rauchentwöhnung

Die Zahl der Raucher ist seit Jahren relativ konstant: Das zeigt der Drogen- und Suchtbericht 2019. Demnach rauchen etwa 20 Millionen Deutsche. In Sachsen raucht nach Angaben des Statistischen Landesamts jeder Fünfte. Doch es gibt auch erste Anhaltspunkte dafür, dass die aktuelle Krise mehr Raucher zum Umdenken bewegen könnte. Das Portal "rauchfrei!" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert seit vielen Jahren zur Tabakentwöhnung. Nach Angaben der BZgA sind sowohl die Nutzungszahlen des Portals www.rauchfrei-info.de gestiegen als auch das Anrufaufkommen bei der Telefonberatung.

Professionelle Hilfe

Guter Vorsatz: Endlich Nichtraucher!
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Wer es allein nicht schafft, die Finger vom Tabak zu lassen, findet in Sachsen unter anderem in den Raucherambulanzen in Dresden und Chemnitz professionelle Hilfe. Nach verhaltenstherapeutischen Gruppenkursen seien im Schnitt neun von zehn Teilnehmern rauchfrei, sagt Suchexperte Mühlig. Allerdings gebe es gerade bei Langzeitrauchern er hohes Rückfallrisiko. Die Kosten für den Kurs übernehme die Krankenkasse in der Regel nicht.

Quelle: MDR/kp/dpa/Handelsblatt

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