07.05.2020 | 16:30 Uhr Gemischte Gefühle bei Hoteliers und Gastronomen in Sachsen

Nachdem Biergärten, Restaurants und Hotels wochenlang dicht waren, sollen sie nun am 15. Mai wieder öffnen dürfen - unter strengen Auflagen. Neben Erleichterung gibt es auch viele Sorgen - und weitere Forderungen an die Politik.

Leere Tische und Stühle in einem Biergarten am Elbufer
Bald soll in Biergärten wie am Elbufer wieder Leben einziehen. Bildrechte: dpa

Gastronomen und Hoteliers in Sachsen haben sich angesichts der geplanten Wiedereröffnung am 15. Mai erleichtert gezeigt. Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Axel Klein sagte, dies sei ein wichtiger Schritt für die Branche. "Es ist Zeit, dass wir wieder in Arbeit kommen". Nun müssten die Hygienekonzepte gemeinsam mit den Betrieben umgesetzt werden. Klein gab sich aber optimistisch, dass sämtliche Hygieneregeln und Kontaktvorgaben umgesetzt werden können.

Er warnte zugleich vor verfrühter Euphorie: Angesichts der Vorgaben von etwa anderthalb Meter Abstand zwischen den Tischen könnten in Biergärten und Restaurants weniger Menschen bedient werden. "Es kommen nicht die Umsätze, die wir brauchen." Deshalb brauche die Branche dringend einen Rettungsschirm mit Zuschüssen vom Bund, so Klein. Denn die Fixkosten für Miete und Personal blieben weiterhin hoch. Letzlich müsse aber jeder Betrieb für sich entscheiden, ob er Ende nächster Woche wieder öffnen wolle oder ob das wirtschaftlich nicht machbar sei, so Klein.

Leipziger Gosenschenken-Wirt optimistisch

Zwei Männer stellen in einem Biergarten Tische und Stühle auf
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wirt der Leipziger Gosenschenke, Jens Gröger, hat sich entschieden und steht in den Startlöchern. Gröger will zunächst mit Selbstbedienung in seinem Biergarten starten und hat bereits ein Hygienekonzept dafür erstellt - mit Ein-und Ausgängen, Stationen mit Desinfektionsmitteln, Spuckschutzplatten und entsprechenden Abständen: Statt etwa 400-500 Plätzen blieben dann nur etwa 150 Plätze.

Entscheidend ist, dass die Gäste wieder kommen und Vertrauen haben, dass es wieder losgeht und dass man keine Angst haben muss, sich zu infizieren.

Jens Gröger Inhaber der Gosenschenke in Leipzig

Gröger rechnet für das gesamte Jahr mit der Hälfte des bisherigen Umsatzes, in den acht Wochen der Schließung fehlten rund 200.000 Euro, sagte Gröger MDR SACHSEN. Dennoch ist er optimistisch, dass es bald weitergeht. Dann kann er auch seine zwölf Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen.

Hotelier Weißflog: Stehen vor großen Herausforderungen vor Re-Start

Jens Weißflog
Bildrechte: Bernd März

Auch Jens Weißflog, dreifacher Olympiasieger im Skispringen und Hotelier im gleichnamigen Hotel in Oberwiesenthal, ist froh, dass es nun wieder losgeht. "Wir stehen aber vor großen Herausforderungen bis zum Re-Start. Die genauen Rahmenbedingungen erfahren wir erst am nächsten Dienstag." Das größte Problem seien die Hygieneregeln. Desinfektionsmittel seien praktisch nicht zu bekommen. Nach zwei Monaten Komplettausfall hofft Weißflog nun wieder auf Umsatz. Noch am 6. Mai hatte das Hotel alle Gäste, die bis zum 20. Mai gebucht hatten, angeschrieben und die Zimmer storniert. "Jetzt machen wir wieder eine Rolle rückwärts und schreiben sie an, dass sie doch kommen können. Aber es ist gut, dass Christi Himmelfahrt und Pfingsten wieder offen ist."

Initiative "Leere Stühle" fordert weiter Hilfspaket vom Bund

Bei Kathleen Parma von der Initiative "Leere Stühle", die seit Wochen mit Aktionen auf die Situation von Hotels, Gastronomen und Veranstaltern aufmerksam macht, mischen sich angesichts der bevorstehenden Lockerungen Erleichterung mit großen Existenzängsten.

Aktion "Leere Stühle" in Oberwiesenthal
Auch in Oberwiesenthal hatten sich Gastronomen an der Aktion beteiligt. Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Mitarbeiter und Miete müssten in völler Höhe bezahlt werden, derzeit gehe die Branche aber nur von etwa 20 bis 30 Prozent des regulären Umsatzes aus, so Parma. Für die Veranstalter gebe es bisher noch keine Perspektive. Daher fordert auch die Initiative ein Hilfspaket vom Bund und will auch am Freitag ein Zeichen setzen - unter anderem auf dem Dresdner Neumarkt. 1.500 Stühle sollen dann ein Herz bilden - als Symbol für die Liebe zur Branche, so Parma.

Die Landesregierung hatte angekündigt, dass Biergärten und Restaurants in Sachsen ab dem 15. Mai unter strengen Hygiene-Auflagen wieder öffnen dürfen - sowohl Innen- als auch Außenbereiche. Unter anderem muss zwischen den Tischen ein Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden, die Bedienung muss Mundschutz tragen und die Speisekarten müssen abwischbar sein. Auch Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen dürfen wieder Gäste empfangen. Über Details stimmt sich die Regierung derzeit ab, nächsten Dienstag will das Kabinett die entsprechende Verordnung beschließen.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.05.2020 | 19:0 Uhr

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