06.06.2020 | 14:59 Uhr Kein Besuchsverbot mehr in Senioreneinrichtungen in Sachsen

Wochenlang gab es keinen persönlichen Kontakt für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und ihre Familien in Sachsen. Das Besuchsverbot, das galt, um die Menschen vor dem Coronavirus zu schützen, hat alle hart getroffen. Ab sofort gilt im Freistaat eine neue Corona-Schutzverordnung. Darin sind Lockerungen festgeschrieben, die wieder grundsätzlich Besuche in Pflege- und Altenheimen ermöglichen sollen.

Ein Schild weist den Weg in den Besucherbereich des DRK Pflege- und Betreuungszentrums "Tor zur Altstadt".
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In Sachsen sind Alten- und Pflegeheime von Sonnabend an verpflichtet, Besuche von Angehörigen trotz Corona-Pandemie zuzulassen. Im Rahmen eines Hygieneplans oder eines eigenständigen Konzepts seien dafür Regelungen zu erstellen, teilte das Sozialministerium in Dresden mit. Das Konzept müsse klare Bestimmungen zu Hygienemaßnahmen, zu Anzahl der Besucher, zum zeitlichen Umfang des Besuches und zur Nachverfolgung eventueller Infektionsketten beinhalten. Es ist bereits der zweite Lockerungsschritt für Senioreneinrichtungen. Seit dem 12. Mai dürfen Angehörige in Ausnahmefällen ihre Verwandten in den Einrichtungen unter strengen Hygieneregeln besuchen, sofern das Heim nicht unter Quarantäne steht.

"Besuchsverbot war harte Maßnahme"

Trotz der ersten Lockerungen im Mai in den Alten- und Pflegeheimen haben Gesundheitsministerin Petra Köpping zahlreiche Beschwerden und Bitten von Betroffenen erreicht. Und auch an MDR SACHSEN haben sich viele Angehörige gewendet, die mit den strengen Besuchs- und Kontaktregelungen hadern. Evelin Strobelt aus Rodewisch kritisierte zum Beispiel, dass sie ihren Mann seit acht Wochen nicht mehr sehen kann. Der Kontakt würde ständig durch neue Verordnungen verhindert. Helge Wenzel aus Rehfelde beschreibt MDR SACHSEN den Kampf mit dem Pflegeheim, den Kontakt zu ihrer Großmutter wenigstens telefonisch aufrechtzuerhalten. Der persönliche Kontakt im Garten oder hinter einer Glasscheibe sei ihr bisher verwehrt worden.
Das Besuchsverbot sei ohne Frage eine sehr harte Maßnahme gewesen, erklärte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping.

Sie ist aber notwendig gewesen, um die besonders gefährdete Gruppe der älteren Menschen vor einer Ansteckung zu schützen.

Petra Köpping Gesundheitsministerin Sachsen

Umsetzung stellt Heime vor Herausforderung

Viele Heime haben schon vor der ab heute geltenden Corona-Schutzverordnung Schritt für Schritt Möglichkeiten geschaffen, wie Heimbewohner und Angehörige in Kontakt treten können. Die größte Mehrheit zeige Verständnis für die von der Politik und Behörden aufgelegten Hygienemaßnahmen, erklärte Nico Herbrich, Leiter des Dresdner AWO-Seniorenzentrums "Prof. Rainer Fetscher".

Gespräche am Gartenzaun und am Fenster, an Schleusen und in Besucherboxen wurden zum festen Bestandteil der Kommunikation.

Nico Herbrich AWO-Seniorenzentrum "Prof. Rainer Fetscher"

Gut für die Einrichtungen, die den Platz haben. Doch manches Heim musste aufgrund der räumlichen Gegebenheiten die Regelungen sehr streng auslegen. In den Städtischen Altenpflegeheimen in Leipzig galten bis jetzt feste Zeiten für den Zutritt der Einrichtung und feste Zeiten, wann die Bewohner das Heim verlassen können. Innerhalb der Einrichtung durfte bislang jeder Bewohner nur eine Person für maximal 15 Minuten empfangen. Die zeitliche Begrenzung habe an den baulichen Gegebenheiten der separaten Besuchsräume gelegen, erklärte der Geschäftsführer der Städtischen Altenheime Leipzig GmbH Stefan Eckner MDR SACHSEN. Aufgrund der Abstandsregelungen habe die Kapazität der Räume aber nicht in allen Heimen ausgereicht, um allen sofort und so lange wie gewünscht, persönliche Kontakte zu ermöglichen.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.06.2020 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

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