17.03.2020 | 15:49 Uhr | Update Sachsen schließt ab Donnerstag fast alle öffentlichen und privaten Einrichtungen

Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass die Zahl der Erkrankungen in Deutschland weiter zunehmen wird. Man sei in Sorge, dass aus dieser Steigerung irgendwann eine unkontrollierte Entwicklung wird. Um das zu verhindern, werden ab Donnerstag zahlreiche Geschäfte und Einrichtungen in Sachsen geschlossen, sämtliche Veranstaltungen verboten.

"Geschlossen" steht auf einem Schild an der Tür eines Restaurants.
Bildrechte: dpa

Ab Donnerstag werden in Sachsen fast alle privaten und öffentlichen Einrichtungen geschlossen und alle Veranstaltungen untersagt. Dazu hat das sächsische Kabinett eine Allgemeinverfügung erlassen, die zunächst bis zum 20. April gelten soll. Alle Maßnahmen sollen dazu dienen, "das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus weiter zu reduzieren", heißt es in einer Mitteilung.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte auf einer Pressekonferenz am Mittag, trotz der weitreichenden Schließungen und Verbote solle die Lebensqualität der Menschen in Sachsen aufrechterhalten werden. Man werde in etwa 14 Tagen sehen, ob die Maßnahmen Wirkung zeigten.

Folgende Einrichtungen werden geschlossen (von A-Z):

  • Ausstellungshäuser
  • Bibliotheken
  • Fitness- und Sportstudios
  • Kinos
  • Konzerthäuser
  • Mensen und Cafés der Studentenwerke
  • Messen
  • Museen
  • Musiktheater
  • Opern
  • Planetarien
  • Saunas und Dampfbäder
  • Seniorentreffpunkte
  • Schwimmbäder
  • Spezial- und Jahrmärkte
  • Spielbanken
  • Spielplätze
  • Sportanlagen
  • Tanzlokale
  • Theater
  • Wettannahmestellen

Folgende Veranstaltungen sind untersagt:

  • Angebote in Stadtteilkulturzentren und Bürgerhäusern
  • Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit
  • Angebote von Volkshochschulen
  • Angebote von Sprach- und Integrationskursen der Integrationskursträger
  • Angebote von Musikschulen
  • Angebote in Literaturhäusern
  • Angebote öffentlicher und privater Bildungseinrichtungen
  • Volksfeste
  • zoologische Ausstellungen in geschlossenen Räumen
  • Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften
  • Reisebusreisen

Folgende Geschäfte bleiben geöffnet:

  • Abhol- und Lieferdienste
  • Apotheken
  • Banken und Sparkassen
  • Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte
  • Drogerien
  • Einzelhandel für Lebensmittel
  • Frisöre
  • Getränkemärkte
  • Großhandel
  • Poststellen
  • Reinigungen
  • Sanitätshäuser
  • Tankstellen
  • Waschsalons
  • Wochenmärkte
  • Zeitungsverkauf

Eine Öffnung dieser Einrichtungen erfolgt laut Allgemeinverfügung unter Auflagen. Die Geschäfte müssen verschärfte Auflagen zur Hygiene erfüllen, den Zutritt steuern, um Warteschlangen zu vermeiden. Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen. Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet.

Wir müssen eine Begegnung von fremden Menschen unterbinden.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Lebensmittelgeschäfte dürfen auch sonntags öffnen

Alle Geschäfte, die laut Allgemeinverfügung nicht schließen müssen, sind vorübergehend vom Sonntagsverkaufsverbot ausgenommen. Die Öffnungszeit können die Märkte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping zufolge selbst regeln. Sie sollten sich aber an den "ortsüblichen Zeiten" orientieren.

Mit der Lockerung der Sonntagsöffnung wolle man die Menge der Einkaufenden entzerren, erklärte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Er wies aber darauf hin, dass die Geschäfte nicht sonntags öffnen müssen. Da müsse man auch Verständnis für die Verkäuferinnen und Verkäufer haben, die im Moment wie viele andere Menschen Besonderes leisten.

Gaststätten dürfen bis 18 Uhr öffnen

Geöffnet bleiben auch Gaststätten - allerdings nur in der Zeit von 6 bis 18 Uhr. Darüber hinaus dürfen sie nach 18 Uhr ihre Liefer- und Abholdienste für den Außer-Haus-Verkauf anbieten. Während der Öffnungszeiten gelten zudem erhöhte hygienische Vorgaben: So müssen beispielsweise die Abstände zwischen den Tischen vergrößert werden.

Wir hungern das Virus aus. Das gelingt nur, wenn mangels Kontakten das Virus nicht weitergegeben werden kann.

Petra Köpping Gesundheitsministerin Sachsen

Eindringlicher Appell: Halten Sie sich an die Regeln!

Nochmals haben die Minister der Landesregierung auf der Pressekonferenz am Dienstag eindringlich an die Vernunft der Menschen appelliert und sie aufgefordert, sich an die Regeln zu halten. Kretschmer sagte, den meisten Menschen sei die Dramatik der Situation bekannt, aber man erlebe auch immer noch unverantwortliches Handeln. Dabei nahm er Bezug auf das Nacktrodeln in Oberwiesenthal, das am Wochenende mit Hunderten Besuchern stattfand.

Mittlerweile kenne man den Verbreitungsweg vieler Infizierter nicht mehr, deshalb solle man alle Kontakte außerhalb des Familienkreises deutlich minimieren.

Wir haben alle miteinander genügend Platz für Freizeitmöglichkeiten. Unser Land ist groß.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Gemeinsamer Krisenstab eingerichtet

Das Kabinett hat nun auch die Einrichtung eines gemeinsamen Krisenstabes "Infektionsschutz" von Innenministerium und Gesundheitsministerium beschlossen. Alle Ministerien sollen darin vertreten sein.

Ziel ist die Maßnahmen aller Ministerien zur Bekämpfung des Coronavirus zu koordinieren, die Behörden, Dienststellen und Einrichtungen in Sachsen zu unterstützen und die Informationen zu bündeln, um sie dann an Bund, Länder, Öffentlichkeit und Medien weiterzugeben. Gleichzeitig sollen Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden.

Gespräche mit Wirtschaftsvertretern

Inzwischen geht es für viele, vor allem kleine und mittelständische Betriebe, Selbständige und Freiberufler um existenzielle Fragen, erklärte Wirtschaftsminister Dulig auf der Pressekonferenz. Um die Zeit zu überbrücken, seien Programme vorgesehen, um Betroffene finanziell zu unterstützen. Deswegen sei man bereits im Gespräch mit Vertretern der Wirtschaft und des Bankwesens.

Selbstverständlich müsse man sich auch mit dem Bund diesbezüglich abstimmen, aber Sachsen werde nicht warten, sondern bereite bereits ein eigenes Hilfsprogramm vor, so Dulig.

"Wir haben eine Krise und keine Katastrophe!"

Sachsen wird auch weiter keinen Katastrophenfall ausrufen, wie das Bayern Anfang der Woche getan hat, betonte Sachsens Innenminister Roland Wöller. Man habe eine Krise, eine ernste Krise, aber keine Katastrophe. Es geben beispielsweise keinerlei Probleme bei der Versorgung der Bevölkerung, deshalb müsse auch kein Katastrophenfall ausgerufen werden.

Quelle: MDR/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.03.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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