19.03.2020 | 18:35 Uhr | Update Spielplatzverbot wegen Corona - Polizei in Chemnitz greift durch

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist das öffentliche Leben in Sachsen seit Donnerstag weitgehend eingeschränkt. Seit Mitternacht müssen fast alle öffentlichen und privaten Einrichtungen geschlossen bleiben. Bislang gehen die Städte noch unterschiedlich vor, wenn es um die Durchsetzung der Allgemeinverfügung geht. Leipzig sperrt Spielplätze ab, in Chemnitz rückt die Polizei an.

Räumung Spielplatz Chemnitz - Corona
Auf dem Spielplatz Konkordiapark wurden rund 50 Personen Platzverweise ausgesprochen. Bildrechte: Jan Härtel

In Sachsen ist am Donnerstag die Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus in Kraft getreten. Viele Läden sind geschlossen, Spielplätze und Sportstätten gesperrt. In Chemnitz rückte die Polizei zu mehreren Einsätzen aus, um das Spielplatzverbot durchzusetzen. Den bislang größten gab es am frühen Abend im Konkordiapark. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN sagte, haben sich rund 50 Personen dort aufgehalten. Ihnen wurden gemeinsam mit dem Ordnungsamt Platzverweise erteilt. "Solange das Wetter schön ist, werden wir solche Einsätze wohl öfter haben", so der Sprecher.

Wir haben uns zu drastischen Maßnahmen durchgerungen, die das öffentliche Leben auf ein Minimum reduzieren werden. Das ist nötig, um die Verbreitung des Virus zu bremsen.

Petra Köpping Sozialministerin Sachsen

Absperrbänder auf Leipziger Spielplätzen

Die Straßen in Leipzig waren am Donnerstag vielerorts ziemlich leer. Zahlreiche Geschäfte informieren mit Zetteln, dass vorläufig nichts mehr geht. Gleichzeitig bitten viele Läden, dass die Kunden von ihren Online-Shops Gebrauch machen mögen. Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der neuen Vorschriften. "Tatsächlich funktioniert es bis jetzt gut. Die Menschen zeigen ein gewisses Verständnis", sagt Sprecher Olaf Hoppe.

Damit sich nicht wie in den sonnigen Tagen zuvor Kinder in Scharen auf den Spielplätzen tummeln, hat die Stadt Leipzig sie mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Zudem verschärft die Kommune am Donnerstag die Regeln für private Zusammenkünfte: Mehr als 20 Personen dürfen es jetzt nicht mehr sein. Während die Spielplätze leer sind, verlagert sich der Besucherstrom in Parks. So herrschte auf der Sachsenbrücke am Abend reger Betrieb. Spaziergänger und Sportler tummelten sich dort.

Coronavirus So ist der erste Shutdown-Tag in Sachsen

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist das öffentliche Leben in Sachsen seit Donnerstag weitgehend eingeschränkt. Der erste Tag in Bildern.

Corona - So war der erste Tag
Seit Donnerstag gilt in Sachsen eine neue Verfügung, nach der fast alle öffentlichen und privaten Einrichtungen geschlossen bleiben müssen. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Corona - So war der erste Tag
Seit Donnerstag gilt in Sachsen eine neue Verfügung, nach der fast alle öffentlichen und privaten Einrichtungen geschlossen bleiben müssen. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Dazu zählen auch Spielplätze wie hier in Leipzig. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Einige Spielplätze wurden mit Absperrband versehen weitgehend abgeriegelt. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Leerer Spielplatz Frankenheim
Auch in Frankenheim bei Markranstädt waren die Spielplätze leergefegt. Bildrechte: Grit Lobenstein
Corona - So war der erste Tag
Viele Geschäfte in den Stadtzentren haben geschlossen. Schildern an den Eingangstüren machen die Kunden auf diese Situation aufmerksam. Bildrechte: MDR/Jürgen Stiehl
Corona - So war der erste Tag
Auch Gaststätten mussten geschlossen bleiben. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Corona - So war der erste Tag
Kein Unübliches Bild: Vor Apotheken und Arztpraxen bildeten sich oft lange Warteschlangen. Bildrechte: MDR/Jan Härtel
Corona - So war der erste Tag
In der Chemnitzer Innenstadt kauften viele Einwohner auf einem kleinen Wochenmarkt ein. Bildrechte: MDR/Jan Härtel
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Unwissenheit und wenig Einsicht in Dresden

Auch die Stadt Freital teilt mit, dass sie ihre Spielplätze ab Freitag absperren werde. In Dresden herrschte nicht nur auf dem Wochenmarkt auf dem Alaunpark im Dresdner Ausgehviertel Neustadt reger Andrang. Auf dem Spielplatz ein paar Hundert Meter weiter, haben sich etwa ein Dutzend Eltern versammelt, zahlreiche Kinder klettern auf Seilen, krabbeln im Sand oder spielen Fußball. "Ich wusste nichts von einem Spielplatz-Verbot", sagte ein Vater, der mit seiner Tochter das sonnige Wetter auf einer Parkbank genießt. "Dann muss ich das vielleicht nochmal überdenken." Am Rande des Spielplatzes stehen in kleiner Runde Mütter und Väter und unterhalten sich angeregt. "Wir halten Abstand und stehen zwei Meter auseinander", sagt eine Dresdnerin.

Zahlreiche Menschen haben sich in einem Park versammelt, gehen spazieren und spielen Tischtennis
Im Dresdner Alaunpark finden sich weiterhin größere Gruppen von Menschen zusammen. Bildrechte: Kevin Müller

Ausgangssperre? "Dann spielen wir im Hinterhof weiter"

Bedenken, ihre Kinder zusammen spielen zu lassen, haben sie nicht. "Der Spielplatz ist ja nicht abgesperrt und frei zugänglich, das finde ich ein bisschen affig", sagt eine junge Mama. Solange keine Ausgangssperre kommt, wollen sie auf den Spielplatz gehen, ist die einhellige Meinung. Und wenn ein Ausgehverbot kommt? "Dann gehen wir zum Spielen eben in den Hinterhof."

Die Dresdner Polizei teilte am Donnerstag mit, erste Kontrollen zur Durchsetzung der Allgemeinverfügung durchgeführt zu haben. So wurden unter anderem Gaststättenbetreiber aufgesucht. "Dabei stellten die Beamten zwei Lokale in der Dresdner Altstadt sowie ein weiteres in der Dresdner Neustadt fest, die nach Mitternacht noch geöffnet hatten. Die Betreiber wurden angesprochen. Sie schlossen daraufhin ihre Gaststätten."

Im Übrigen zeigen die Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie erste Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Dresdner Polizei. So ist insbesondere die Anzahl der Verkehrsunfälle in den vergangenen Tagen rückläufig.

Polizeidirektion Dresden

Eindringlicher Appell von Gesundheitsministerin Köpping

Schilder an Restaurants in Dresden-Neustadt
Aushang in der Dresdner Neustadt Bildrechte: MDR/Alexandra Walter

Gesundheitsministerin Köpping rief die Sachsen erneut dazu auf, soziale Kontakte möglichst zu vermeiden. "Ich bin teilweise enttäuscht über das, was in Sachsen abgeht", sagt die SPD-Politikerin am Donnerstag. Viele junge Menschen würden weiterhin Partys feiern, zahlreiche Leute seien angesichts des schönen Wetters gemeinsam in Parks oder am Elbufer unterwegs. Köpping kündigte verstärkte Kontrollen von Polizei und Ordnungsämtern an.

Regierung verbietet Veranstaltungen

Untersagt sind unter anderem Volksfeste, Tanzveranstaltungen und Messen. Alle Theater, Konzerthäuser, Kinos, Bibliotheken und Stadteilzentren müssen geschlossen bleiben. Auch in Schwimmbädern und Fitnessstudios darf es keinen Betrieb mehr geben. Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen und Synagogen werden abgesagt. Auch Spielplätze sollen gesperrt werden. Sachsenweit sind Schulen und Kitas seit Mittwoch geschlossen, es gibt nur noch eine Notbetreuung für die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen.

Sachsen fährt wegen Corona runter - was geht, was geht nicht?

Sachsen hat seine Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus verstärkt. Inzwischen sind weitere Geschäfte und Einrichtungen für Besucher geschlossen.

Grafik mit einer Übersicht zu den Ausgangsbeschränkungen in Sachsen
Bildrechte: MDR/panthermedia
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Versorgung trotz Schließungen gesichert

Restaurants sollen von 6 bis 18 Uhr geöffnet bleiben, es gelten aber besondere Hygienevorschriften. Geöffnet bleiben unter anderem Lebensmittelläden, Apotheken, Drogerien, Banken und Tankstellen. Und auch der Besuch beim Frisör soll weiter möglich sein. Die Landesdirektion Sachsen hat zudem für eine Reihe von Tätigkeiten eine Ausnahme vom Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit bewilligt. Des Weiteren kann in einigen Branchen von der Höchstarbeitszeit abgewichen und maximal zwölf Stunden gearbeitet werden, informiert die Behörde.

Kretschmer: Erste Maßnahmen zeigen große Wirkung

Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte zur Begründung der weitreichenden Maßnahmen, das Ziel sei, dass in zehn bis 14 Tagen die Zahl der Erkrankungen wieder abnehme oder zum Stillstand komme. Dafür müssten sich die Menschen aber an die Empfehlungen halten. Die bisherigen Maßnahmen würden eine große Wirkung zeigen, sagte Kretschmer. Der Regierungschef habe zudem den Eindruck, dass ein Großteil der Sachsen die Maßnahmen mittrage.

Quelle: MDR/fg/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.03.2020 | 13:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.03.2020 | 19:00 Uhr

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