Bildung Kultusministerium legt Corona-Fahrplan für Sachsens Schulen vor

Mit einem Bündel an Maßnahmen will das sächsische Kultusministerium pandemiebedingte Nachteile für Schüler ausgleichen. Wie die Behörde mitteilte, sollen Abschlussklassen im laufenden Schuljahr deutlich mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitungen und die Prüfungen selbst erhalten. Die Zahl der Prüfungsthemen wird verringert. Außerdem ist mehr Unterricht in den Prüfungsfächern vorgesehen. Bei den Terminen für die Abschlussprüfungen können die Schüler wählen.

Abiturienten während des Zentralabiturs, 2009.
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Noten zu Gunsten der Kinder an Grundschulen

  • An den Grund- und Förderschulen sollen Lehrer und Lehrerinnen bei der Benotung ihre Ermessungsspielräume wohlwollend auslegen und im Zweifel zu Gunsten der Schüler entscheiden.
  • Die Kompetenztests in der Klassenstufe 3 entfallen.
  • Die Halbjahreszeugnisse werden am 10. Februar ausgegeben. Dann wird auch für die vierten Klassen die Bildungsempfehlung erteilt.

Abwahl von Fächern an den Oberschulen

  • Realschüler der Klassenstufe 10 dürfen sehr früh (bis spätestens 26. Februar) ihr naturwissenschaftliches Prüfungsfach wählen. Die Teilnahme am Unterricht weiterer naturwissenschaftlicher Fächer ist dann nicht mehr verbindlich.
  • Auch können die Schüler bis zu zwei weitere Fächer abwählen, in denen keine mündliche Prüfung stattfinden soll.
  • Schüler, die den Hauptschul- oder qualifizierenden Hauptschulabschluss erwerben, können ebenso bis zu drei Fächer, in denen keine mündliche Prüfung stattfinden soll, abwählen.
  • Ab 3. Mai konzentriert sich der Unterricht ausschließlich auf die schriftlichen und die gewählten mündlichen Prüfungsfächer.
  • Für die Abschlussprüfungen stehen zwei Prüfungstermine zur Verfügung. Der erste Termin ist der reguläre, auf den zweiten kann nur aus wichtigem Grund ausgewichen werden.
  • In Vorbereitung auf die Abschlussprüfung wurden den Schulen bereits Themen benannt, die nicht Schwerpunkt der zentralen schriftlichen Prüfungen sein werden. Außerdem wird für alle schriftlichen Prüfungen den Schülern 15 Minuten mehr Zeit eingeräumt.

Freiwilliges Wiederholungsjahr möglich

  • Jugendliche können die Abschlussklasse freiwillig wiederholen. Diese Wiederholung gilt nicht als Sitzenbleiben und wird der Verweildauer an der Schule nicht angerechnet.

Den Schülerinnen und Schülern sollen trotz widriger Umstände kurz- und langfristig keine Nachteile entstehen. Die Gesundheit der Schüler und ihre berufliche Entwicklung stehen an erster Stelle. Niemand soll fürchten, seinen Schulabschluss später nicht anerkannt zu bekommen. Wir lassen die Schüler nicht im Stich.

Christian Piwarz (CDU) Kultusminister von Sachsen

Mehr Zeit bei den Abiturprüfungen

  • Auch den allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien wurden Themen benannt, die kein Schwerpunkt der zentralen schriftlichen Prüfungen sein werden.
  • Es gibt zwei mögliche Prüfungstermine. Die Teilnahme am Ersttermin ist freiwillig. Wer sich zum Ersttermin noch nicht in der Lage sieht, die Prüfung abzulegen, kann auf den Zweittermin ausweichen. Eine Teilnahme am Zweittermin ist dann jedoch Pflicht.
  • Die Schüler erhalten in allen schriftlichen Abitur- und Ergänzungsprüfungen eine Zusatzzeit von 30 Minuten.
  • Die Zweit- und auch Drittkorrekturen der Abiturprüfungen erfolgen an der jeweiligen Schule. Das soll eine faire Benotung sichern, wenn in Einzelfällen Prüfungsinhalte aufgrund des bisherigen Infektionsgeschehens an der Schule nicht ausreichend behandelt werden konnten.

Ab nächste Woche Präsenzunterricht für Abschlussklassen

Am Montag startet in Sachsen der Präsenzunterricht für die Abschlussklassen. Das gilt für Förderschulen, die nach den Lehrplänen für die Oberschule unterrichtet werden, Oberschulen, Gymnasien, Fachoberschulen, Berufliche Gymnasien, Abendgymnasien und Kollegs. Bevor die Jugendlichen an die Schulen zurückkehren, können sie sich einmalig und kostenlos mit einem Schnelltest auf das Coronavirus untersuchen lassen. Aus Infektionsschutzgründen kann der Unterricht in geteilten Klassen stattfinden, wenn Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Die Berufsschulen sollen auf Grund der hohen Schülerzahlen noch nicht starten, heißt es aus dem Kultusministerium.

Kritik vom Philologenverband

Der Philologenverband Sachsen hält die Rückkehr zum Präsenzunterricht angesichts der Corona-Lage im Freistaat für zu früh. Stattdessen fordert er eine Verschiebung der Prüfungen. Angesichts der zeitlichen Spielräume des langen Schuljahres sei das möglich, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbands Sachsen Thomas Langer.

Dass Schüler nur in ihren Prüfungsfächern unterrichtet werden, entspreche nicht den Zielen einer vertieften Allgemeinbildung und Studierfähigkeit, kritisierte Langer. "Unsere Abiturientinnen und Abiturienten wollen keinen Corona-Stempel auf ihrem Abitur", fügte er hinzu.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.01.2021 | ab 12:00 Uhr in den Nachrichten

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