27.03.2020 | 16:02 Uhr Wie Schule in Zeiten von Corona funktioniert

Ein Klassenzimmer, Blick zu einer Tafel auf der Viren gemalt sind und ein Text
Bildrechte: Imago/Panthermedia

Seit dem 16. März ist in Sachsen die Schulpflicht ausgesetzt. Seitdem müssen Schülerinnen und Schüler selbstständig den Unterrichtsstoff erarbeiten. Teilweise werden ihre Leistungen auch benotet. MDR SACHSEN hat mit Susann Meerheim vom sächsischen Kultusministerium darüber gesprochen, vor welchen Herausforderungen die Schüler und Lehrer in der Corona-Krise außerdem stehen.

Welche Aufgaben werden den Schülern gestellt und werde diese auch benotet?

Susann Meerheim: Lehrer dürfen die Heimarbeit, die sie während der ausgesetzten Schulpflicht aufgegeben haben, benoten. Welche das sind, liegt im Ermessen und der Verantwortung des jeweiligen Lehrers.

Welcher Schulstoff wird vermittelt? Alter oder auch neuer Stoff?

Das kommt darauf an und variiert nach Klassenstufe und Schulart. Bei Abiturienten gilt eher Festigung des Gelernten und Vorbereitung auf das Abitur. Ähnlich verhält es sich bei Abschlussklassen zum Beispiel in der Oberschule - wobei hier durchaus auch neuer Stoff dazu kommen kann.

Sind die Anforderungen für alle Schüler gleich?

Auch im Regelunterricht, also im normalen Schulbetrieb, gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen von den Anforderungen, zum Teil auch von Lehrer zu Lehrer. Grundsätzlich können die Eltern den Regelunterricht nicht ersetzen, das wissen auch die Lehrer. Wenn Eltern hier unsicher sind, sollten Sie den Kontakt mit der Schule oder dem Lehrer suchen, um die Bedenken mit ihm zu klären.

Werden die unterschiedlichen Voraussetzungen (beispielsweise technische Möglichkeiten wie Computer, Scanner, etc.) der Kinder berücksichtigt? Und wie kann bei Problemen geholfen werden?

Ja, das wird natürlich berücksichtigt. Neben LernSax oder OPAL gibt es auch analoge Möglichkeiten, um die Aufgaben an die Schülerinnen und Schüler zu bekommen: per Telefon, per Post, aber auch per E-Mail. Hier sprechen sich die Schulen, beziehungsweise die Lehrer individuell mit den Eltern und Schülern ab. Es wird keiner benachteiligt sein. Bei Problemen sollen sich die Eltern an die Schule wenden, dort ist immer einer erreichbar. Hier können dann individuelle Absprachen getroffen werden.

Sind Lehrkräfte angehalten zu ihren Schülern Kontakt aufzunehmen, neben der Übermittlung der Aufgaben? Und welche Möglichkeiten gibt es dafür?

Die Lehrer erhalten Unterstützung. Nicht nur vom Kultusministerium und dem Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB), sondern auch zum Teil von den Schülern selbst. Viele haben kurz vor der Schließung eigene Server und Kommunikationsprogramme erstellt, damit der Austausch funktioniert. Das ist beeindruckend und bietet auch die Chance, dass das digitale Lernen im Unterricht einen großen Sprung nach vorn macht. An den Zahlen von LernSax sieht man beispielsweise die enorme Entwicklung. Die Anzahl der Nutzer hat sich hier verdreifacht. Um die sächsischen Schulen bei ihrer pädagogischen Arbeit zu unterstützen, stellt das Land eine Auswahl digitaler Werkzeuge bereit. Diese können die Kommunikation und die Zusammenarbeit der Schulgemeinschaft bei Schulschließungen erleichtern. Die beiden zentralen Anlaufstellen sind LernSax und die Dienste des Sächsischen Bildungsservers (zum Beispiel die OPAL Schule). Zudem unterstützt das Ministerium Lehrkräfte und Schüler zum Beispiel mit kurzen Handreichungen zu diversen Themen wie "Unterrichten unter Quarantänebedingen mit LernSax".

LernSax scheint dem Ansturm an Nutzern nicht gewachsen zu sein. Wird sich das in Zukunft ändern?

Wir arbeiten daran. Die Server stemmen derzeit das rund 100-fache der bisher benötigten Leistung. Damit kam es zeitweise zur Nicht-Erreichbarkeit der Server. Nach einer kompletten Umstellung des Systems läuft LernSax wieder zuverlässiger.

Noch immer möchten manche Eltern dringend die Sachen der Schülerinnen und Schüler abholen. Ist das im Sinne der Allgemeinverfügung überhaupt möglich?

Triftige Gründe gemäß Ziffer 2 der Allgemeinverfügung vom 22. März 2020, die ein Verlassen der häuslichen Unterkunft rechtfertigen würden, liegen hierbei offensichtlich nicht vor. Für die Abholung der Schülermaterialien sollten die beiden unterrichtsfreien Tage am 17. und 18. März 2020 genutzt werden.

Wie verhält es sich mit Berufspraktika?

Berufspraktika der verschiedenen berufsbildenden Schulen können aufgrund der deutlichen Zuordnung zum beruflichen Teil der Ausbildung dort als freiwilliger Praxiseinsatz der Schülerinnen und Schüler durchgeführt werden, wo der Praktikumsträger als Partner damit einverstanden ist und eine sichere Durchführung gewährleisten kann. Diese berufspraktische Tätigkeit steht damit im Einklang mit der Allgemeinverfügung des Sozialministeriums, die das Verlassen der häuslichen Unterkunft unter anderem unter Verweis auf einen beruflichen Einsatz zulässt. Praxiseinsätze in Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege und heilpädagogischen Kindertageseinrichtungen bleiben allerdings ausgeschlossen.

Werden die Abiturprüfungen stattfinden können?

Nach wie vor geht Kultusminister Christian Piwarz davon aus, dass die Abiturprüfungen wie geplant am 22. April stattfinden können. Schulgebäude seien betretbar und unbelastet. Sollte infolge einer kritischeren Entwicklung der reguläre Prüftermin nicht möglich sein, sei geplant, die Prüfungen im bereits bekannten Zeitraum der Nachschreibetermine stattfinden zu lassen.

Wie sieht es mit Abschlussprüfungen an Fachoberschulen, Förder- und Oberschulen aus?

Auch diese Prüfungen sollen wie geplant stattfinden.

Was passiert wenn ein Schüler zur Prüfungszeit erkrankt?

Sollten Schüler erkranken, können sie an bis zu zwei Nachschreibeterminen teilnehmen.

Das Interview führte Barbara Brähler.

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Quelle: MDR/bb/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.03.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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