Lernen unter Pandemiebedingungen Gemischte Gefühle vor Schulstart in Sachsen

Ab Montag wird das gesellschaftliche Leben wieder deutlich heruntergefahren. Schulen und Kitas bleiben geöffnet. Doch einige Eltern sind besorgt: Wie sieht es mit der Ausstattung von Hygieneartikeln aus? Und weht jetzt zu viel kalte Luft durch die Räume?

Schüler sitzen mit Masken (Mund-Nasen-Bedeckungen) im Unterricht vor einem geöffneten Fenster
Lernen bei geöffnetem Fenster und Maske - so machen es die Schüler in Hamburg. Auch Sachsens Schüler sollen alle 20 Minuten die Fenster zum Stoßlüften öffnen. Bildrechte: dpa

Am Montag startet nach den Herbstferien wieder die Schule in Sachsen - sie ist vom November-Lockdown ausgenommen. Für die meisten Schüler und Eltern eine gute Nachricht. Doch die Weiterführung des Präsenzunterrichts hat ihren Preis: Maske tragen, Hände desinfizieren und regelmäßig die Klassenräume lüften. Was selbstverständlich klingt, könnte an einigen Schulen zum Problem werden.

Kein Desinfektionsmittel vorhanden?

Maskenpflicht an einer Schule
Auch in Sachsen müssen Schüler im Schulgebäude eine Maske tragen. Wer sie vergessen hat, dem hilft auch mal die Schule aus - wenn es das Budget hergibt. Bildrechte: imago images/Rupert Oberhäuser

MDR SACHSEN liegt eine Mitteilung an Eltern vor, in der es heißt, dass an der Schule ihrer Kinder unter anderem Desinfektionsmittel nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stünden. Sowohl für die Desinfektionsmittel als auch ersatzweise Mund-Nase-Bedeckungen für diejenigen Kinder, die die Maske vergessen haben, gebe es kein extra Budget. Da das Geld aus dem regulären Schuletat genommen werden müsste, sollen die Kinder neben der Maske auch Desinfektionsmittel mitbringen, um die Kasse der Schule zu schonen. Weder der betreffende Elternrat noch die Schule wollten oder konnten dazu Stellung nehmen.

Landeselternrat: Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch

Für Nadine Eichhorn vom Landeselternrat ist das Fehlen von Hygieneprodukten an Schulen nicht neu. Sie stellt aber klar: "Bisher haben wir das nur vereinzelt gehört. Allerdings meldet sich natürlich auch nicht jedes Elternteil bei uns. Viele werden einfach ihrem Kind eine Flasche Desinfektionsmittel einpacken und fertig. Die Dunkelziffer ist hier also hoch." Dass Kinder ihre eigenen Mund-Nase-Bedeckungen mitbringen sollen, hält Eichhorn für selbstverständlich. Bei Desinfektionsmittel höre ihr Verständnis aber auf.

Schulamt spricht von Einzelfällen

Roman Schulz vom Landesamt für Schule und Bildung meint dazu: "Wir sind zwar nicht zuständig für die Versorgung mit Hygieneprodukten, aber im Frühjahr haben wir die Schulen alle mit einem Starterpaket Desinfektionsmittel und Schutzmasken ausgestattet." Es sei aber schon damals klar gewesen, dass es nicht die Verantwortung des Landes sei. "Wir haben 1.400 Schulen in Sachsen und in etwa 25.000 Schulklassen. Dass es in der einen oder anderen Schulklasse vorkommen kann, dass man darum bittet, den Schülern ein Hygiene-Set in den Ranzen zu packen, kann vorkommen. Aber das ist kein Grundproblem im Freistaat. Das sind Einzelfälle."

Hygienemittel an Schulen: Wer ist zuständig? Zuständig für die Ausstattung der Schulen sind die Schulträger, also in den meisten Fällen Städte und Kommunen. Zur Ausstattung zählt nach Angaben des Schulamtes auch der Hygienebedarf. Ob es Probleme bei der Beschaffung gibt und ob das Budget für Hygieneartikel in den vergangenen Monaten erhöht wurde, ist bislang nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage an die Landkreise und kreisfreien Städten in Sachsen läuft.

Kinder mit Wolldecken in die Schule?

Offene Fenster
Offene Fenster alle 20 Minuten - so soll das Stoßlüften an Schulen funktionieren. Doch die Bedingungen sind von Klassenraum zu Klassenraum unterschiedlich. Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Um Schüler und Lehrer vor dem Coronavirus zu schützen, ist in den Hygienekonzepten der Schulen auch das Lüften verankert. Wenn in Zukunft bei Minusgraden ständig das Fenster offen steht, ist die nächste Erkältung nicht weit, sorgen sich Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder. Nadine Eichhorn vom Landeselternrat meint: "Es gibt Lehrer, für die bedeutet das sogenannte 'Stoßlüften', 45 Minuten das Fenster offen zu haben. Mein persönliches Highlight ist da der Tipp, dass wir den Kindern Wolldecken mit in die Schule geben sollen."

Unterschiedlichste Bedingungen an Schulen

René Michel vom sächsischen Lehrerverband findet das gar keine so schlechte Idee: "Wir müssen laut Verordnung alle 20 Minuten die Fenster öffnen. Da wird es wirklich kalt, denn wir machen ja Durchzug in den Räumen. Ich sehe da die Kinder vor mir sitzen, wie sie frieren."

Nach Ansicht von Roman Schulz vom sächsischen Schulamt ist das Lüften eine der wichtigsten Maßnahmen. Er wirbt um Verständnis für die Situation: "Ich glaube, das haben die Schulen im Blick – auch dass Schüler nicht am offenen Fenster zu schaden kommen und sich erkälten."

Die Situation der Schulen sei sehr unterschiedlich: "Es gibt solche mit Kippfestern, mit Klappfenstern, mit Oberlicht, das angekippt werden kann." Darum könne man auch nicht exakt sagen, wie das Lüften auszusehen habe. Die Schulen wüssten das am besten und würden es auch entsprechend umsetzen.

Landesschülerrat gegen Schulsport unter verschärften Corona-Maßnahmen

Der Landesschülerrat (LSR) hat sich angesichts der verschärften Corona-Maßnahmen gegen Schulsport ausgesprochen. "Nicht nur der Sport selber, der zwingend im Winter in der Turnhalle stattfinden muss, auch das enge Zusammenstehen davor und danach in den Umkleidekabinen konterkariert das Argument, mit dem man das Maskentragen im Unterricht begründet", sagte Landesschülersprecherin Joanna Kesicka. Selbst wenn statt Mannschafts- Individualsport betrieben würde, ändere dies nichts daran, dass man in der Turnhalle und beim Umkleiden miteinander in Kontakt komme.

Grundschüler beim Sport
Wegen der Enge, die beim Schulsport vor, während und nach dem Unterricht, herrscht, hat sich der Landesschülerrat dafür ausgesprochen, den Sportunterricht auszusetzen. Bildrechte: dpa

Landeselternrat wünscht sich mehr Diskurs

Nadine Eichhorn vom Landeselternrat hat vor allem einen Wunsch: mehr Austausch mit den Verantwortlichen. "Es gibt viele Vorschläge und Ideen, wie wir das alles noch besser gestalten können. Das möchten wir zumindest gerne diskutieren. Wir maßen uns nicht an, dass wir die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Aber solche Dinge wie Aussetzung der Schulpflicht, freiwilliges Homeschooling und Aufteilen von Klassen sollten wenigstens besprochen werden." Was die neuen Maßnahmen angeht, liege es jetzt an allen: Schülern, Lehrern, Schulleitung aber auch Eltern. "Wir packen es gemeinsam an und achten darauf, dass es funktioniert", so Eichhorn.

Frieren in der Schule
Dass ihre Kinder mit dicker Jacke in der Schule sitzen müssen, davor graut es einigen Eltern. (Symbolbild) Bildrechte: imago stock&people

Das gilt ab 2. November an Sachsens Schulen

Mund-Nase-Bedeckung

  • An Grundschulen, Horten sowie Förderschulen im Primarbereich besteht keine Maskenpflicht. Hier wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf dem Schulgelände und im Gebäude weiterhin empfohlen.
  • Außerhalb des Unterrichts müssen alle Schüler ab der 5. Klasse eine Maske tragen, das heißt im Schulgebäude und auf dem Schulgelände, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.
  • Schüler der Sekundarstufe 2 und berufsbildende Schüler tragen Masken auch während des Unterrichts, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.
  • Alle Lehrer erhalten auf Wunsch FFP2-Masken.

Diagramm zur Maskenpflicht an Schulen
Bildrechte: MDR/Screenshot sächsisches Kultusministerium

Schulische Aktivitäten

  • Exkursionen und Schülerbetriebspraktika finden vorerst nicht statt. Klassenfahrten werden abgesagt. Schwimmunterricht findet nicht statt.
  • Azubis dürfen unter Beachtung der Hygienevorschriften notwendige Praktika absolvieren.
  • Ganztagesangebote (GTA) mit externen Partnern müssen für November entfallen. Ganztagesangebote, die durch Lehrer erfolgen, können weiter stattfinden.

Quelle: MDR/kp/dka

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.11.2020 | ab 07:00 Uhr in den Nachrichten

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