Nach Verschärfung der Corona-Regeln Schulleitungsverband kritisiert "Chaos" für Sachsens Schulen

die evangelische Grundschule Sömmerda im Online-Präsenz-Unterricht.
Schule in Corona-Zeiten ist für Kinder, Eltern und Lehrer eine Herausforderung. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Die verschärften Corona-Regeln für den Schulbetrieb in Sachsen bereiten Schulleiterinnen und Schulleitern Kopfzerbrechen. Der Vorsitzende des Sächsischen Schulleitungsverbandes, Michael Ufert, spricht von "Chaos". "Ich vermisse eine klare Linie bei Kriterien für Schulen. Wir entscheiden gerne, brauchen aber Vorgaben und vor allem klare Kommunikation von Inzidenzzahlen, die für Schulen entscheidend sind", verlangte Ufert. Anhand dieser Zahlen müssten Entscheidungen getroffen werden, wann Wechselunterricht stattfinden soll, wann Masken zu tragen sind und wer in Quarantäne geschickt werden muss.

Ich bin seit 30 Jahren Lehrer. 2020 habe ich die verrückteste Zeit erlebt. Alles ist im Fluss. Alle sind verunsichert, die Eltern und wir Lehrer auch.

Michael Ufert Vorsitzender des Sächsischen Schulleitungsverbandes

Kritik an schwammigen Vorgaben

Im Gespräch mit MDR SACHSEN schildert Ufert, der seit elf Jahren die Oberschule "Heinrich Zille" in Radeburg leitet, die Probleme, die er und andere Schulleitungen in dieser Woche erlebt haben. Seit 1. Dezember gelten für Sachsens Schulen verschärfte Corona-Regeln, wenn an fünf aufeinanderfolgenden Tagen der Inzidenzwert von 200 im Landkreis bzw. in der kreisfreien Stadt überschritten wurde und/oder wenn in einer Schule mehrere Corona-Infektionen nachgewiesen werden, dann sollen die Schulleitungen:

  • nach Rücksprache mit dem Schulamt Wechselunterricht einführen oder die Schule vorübergehend schließen
  • bei der Inzidenzüberschreitung das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ab Klasse 7 auch während des Unterrichts anordnen.

Wir rennen immer den Entwicklungen hinterher, weil wir keinen Zugriff auf die Zahlen haben.

Michael Ufert Schulleiter

"Ich habe versucht, die Infektionszahlen des Landkreises Meißen zu bekommen. Aber es waren keine zu finden. Gelten jetzt die des Robert-Koch-Instituts (RKI)? Und wo kann ich die Zahlen für fünf Tage hintereinander einsehen", fragt sich der Schulleiter. Als Schulleitungsverbandsvorsitzender wisse er, dass es anderen Kollegen in Nachbarlandkreisen auch so ergehe. Er wünscht sich, dass die Zahlen, nach denen sich Schulen im Freistaat richten sollen, von zentraler Stelle kommuniziert werden.

Auch der Umgang mit Quarantäne-Ansagen sei aus Uferts Sicht noch "zu schwammig". Zudem könnten neben den Entscheidungen der Schule und des Schulamtes parallel auch die Gesundheitsämter Quarantänen anordnen. "Sicher ist das alles gut gemeint. Am Ende kann es an jeder Schule mit den Quarantänen anders aussehen. Ich nenne das Chaos", meint Schulleitungsverbandschef Ufert.

Für Sachsens Schulen RKI-Zahlen maßgeblich

In der Zahlendiskussion verweist das Kultusministerium auf das RKI: "Maßgeblich sind die Zahlen des Lageberichts des RKI", betont Sprecherin Susann Meerheim. Sollten sich Schulleiter unsicher sein, wie sie entscheiden, sollten sie sich ans zuständige Schulamt wenden, rät sie.

Ja, wir fahren auf Sicht.

Susann Meerheim Stellv. Sprecherin des Kultusministeriums

Wechselunterricht von Fall zu Fall entscheiden

In Sachsen sind nach Infektionsausbrüchen ganze Schulen geschlossen, teilweise einzelne Klassen in Quarantäne oder Einzelpersonen. Anfang der Woche waren laut Kultusministerium 160 Schulen von insgesamt 1.400 Schulen in Sachsen von Corona-Quarantänemaßnahmen betroffen. "Die Lage ist in den Regionen sehr unterschiedlich. Deshalb haben wir uns entschieden, Einzelfallregelungen für den Wechselunterricht anzuwenden. Wir wollten nicht alle Schulen einbeziehen, weil ja auch nicht alle Schulen Corona-Fälle aufweisen", erklärt die Sprecherin. Bis zum Beginn der Weihnachtsferien müsse täglich neu entschieden und bewertet werden. Ende Oktober hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) dazu gesagt: "Wir sind es unseren Kindern schuldig, die Schulen solange wie möglich offen zu halten."

Kultus erklärt Vorgaben nochmals

Am Mittwoch habe das Kultusministerium nochmals ein Schreiben an alle Schule geschickt, in dem erklärt werde, wann, welche Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden sollen und welche Maßnahmen Schulen bei Infektionsmeldungen ergreifen müssen. Wenn ein Schüler von der Schule nach Hause geschickt werde, würde das örtliche Gesundheitsamt sich später bei den Eltern melden. "Im Nachgang werden die entsprechenden Quarantäne-Bescheinigungen ausgestellt", versicherte die Kultussprecherin.

Ein Klassenzimmer, Blick zu einer Tafel auf der Viren gemalt sind
Ob und in welcher Form Sachsens Schulen nach den Weihnachtsferien ins neue Jahr starten, ist unklar und von der Entwicklung der Infektionszahlen m Freistaat abhängig. Bildrechte: Imago/Panthermedia

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 03.12.2020 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Anita L. vor 7 Wochen

Wir Lehrer wünschen uns ebenfalls mehr Verbindlichkeit. Momentan ist die Situation gefühlt schlimmer als im Frühjahr, da waren wenigstens alle Schulen geschlossen und wurden schrittweise wieder geöffnet. Jetzt gibt es ein riesiges Hickhack, bei dem der eine nicht weiß, was der andere macht und keiner sagen kann, ob er seine Schüler am nächsten Tag noch sieht, nur die Hälfte, keine Schüler und wie lange der Zustand dann wieder andauert. Wir hatten vom ersten Dezember an nur noch vier Wochen Schule und haben uns alle eine verbindliche Lösung gewünscht, erhalten haben wir Chaos.

peter1 vor 7 Wochen

Nun ja, dass war eigentlich abzusehen. Der planlose Minister ohne Plan hat es jetzt mit planlosen Schulen zu tun!
Einfach nur traurig. Kümmert sich auch noch jemand um die Kids???

ok_2020 vor 7 Wochen

Sehe ich genauso! Diese tgl. Hiobsbotschaften aus den Klassen der Kinder, auf Arbeit wo die Krankschreibungen explodieren, rein in die Quarantäne, raus aus der Quarantäne, erst ein Kind, dann das nächste , dann wieder ne Woche Schule mit tgl. Leistungskontrollen, null Lernspaß, gestreste Lehrer, Busse mit bis 60 Kindern über 7 Jahrgangsstufen gestapelt, Arbeitgeber die am tgl hin-und her ihrer Mitarbeiter mit Kinder verzweifeln... Ich kann auch nur sagen, es reicht für 2020 . So bekommen wir, gerade in Sachsen die Zahlen nicht in den Griff und die Nerven liegen im Scheibchenweise Lockdown mehr blank, als wenn mal einheitlicher Klartext herrschen würde und für Schueler und Arbeitgeber planbare kurze Komplettlockdownzeit und das genau JETZT.
Von den vollen Krankenhäusern ganz zu schweigen. Ich frage mal provokativ: Triage zu Weihnachten in Sachsen , oder wie? Vielleicht hat endlich mal jemand den Mut für eine klare Ansage in unserem Ministerium?

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