01.04.2020 | 13:47 Uhr Coronakrise: Mund-Nase-Gesichtsschutz in Sachsen Mangelware

Mundschutze und Masken sind derzeit Mangelware - auch in Sachsen. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen kämpfen mit Lieferengpässen und auch andere Bereiche wie die Polizei klagen, dass sie keine Masken erhalten. Das Gesundheitsministerium in Dresden hat jetzt vom Bund Gesichtsschutze für die Pflege bekommen.

OP Mundschutz
Die Pflegeeinrichtungen in Sachsen erhalten solche OP-Masken vom Bund Bildrechte: mago images / Westend61

Maskenlieferung des Bundes für Pflegeeinrichtungen in Sachsen

In Sachsen verteilt das Gesundheitsministerium Mund-Nase-Gesichtsschutz an Einrichtungen der Pflege. Wie das Ministerium mitteilte, hat Sachsen 182.000 OP-Schutze vom Bund erhalten. Pro Kreis und kreisfreier Stadt liefere das Deutsche Rote Kreuz 14.000 davon. Von dort würden sie weiter verteilt werden.

Kurzfristig könnten so Beschäftigte in der Pflege, in Hospizen und Wohnheimen mit OP-Schutzen ausgerüstet werden. Gesundheitsministerin Petra Köpping erklärte, Pflegekräfte sollten damit geschützt werden. "Sie arbeiten im engen Kontakt mit den Pflegebedürftigen, von denen viele zur Risikogruppe gehören.

Eine Arbeit, bei der man nicht wie sonst jetzt notwendig auf 1,5 Meter Abstand gehen kann. Die Ausstattung mit OP-Masken schützt natürlich auch die Pflegebedürftigen.

Petra Köpping Gesundheitsministerin

Sachsen braucht rund 45 Millionen Masken für sechs Monate

Sachsen hat beim Bund seinen Bedarf für die nächsten sechs Monate angemeldet, wie eine Ministeriumssprecherin sagte. Für das gesamte Gesundheitswesen belaufe sich dieser unter anderem auf rund 45 Millionen Masken verschiedenen Typs, 260 Millionen Einmalhandschuhe, neun Millionen Schutzkittel, 1,9 Millionen Schutzbrillen und 1,5 Millionen Ganzkörper-Schutzanzüge.

Darüber hinaus bemühe sich der Freistaat auch selbst um die Beschaffung von Nachschub. Es sei der Bedarf für 14 Tage bestellt worden, sagte die Sprecherin. "Lieferungen sind bisher noch nicht eingegangen." Sollte weitere Ausstattung des Bundes eintreffen, geht demnach jeweils die Hälfte davon direkt an die Kassenärztlichen Vereinigungen, um den ambulanten Bereich zu versorgen. Die andere Hälfte werde jeweils an die Landkreise und kreisfreien Städte weitergegeben.

Firmen, Vereine und Initiativen in Sachsen nähen Schutzmasken

Für die Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen nähen eine Reihe Initiativen und Firmen in Sachsen derzeit Mundschutze. In Grimma werden seit heute von der Stadt im Mehrgenerationenhaus "Alte Feuerwehr" professionelle Herstellungsanleitungen für die Mund-Nasen-Schutze verteilt sowie geeignete Materialien zur Verfügung gestellt. Man gehe davon aus, dass sich viele freiwillige Näherinnen melden und die Gesichtsschutze anfertigen, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Kritik von Pflegeheimen: "Stehen am Ende der Kette"

Die Betreiber von Alten- und Pflegeheimen sahen sich bei der Ausstattung mit Schutzausrüstung bisher benachteiligt. Die Chefin der Vereinigung privater Anbieter sozialer Dienste in Sachsen, Jaqueline Kallé, sagte dem MDR, Priorität bei der Verteilung hätten Gesundheitsämter und Krankenhäuser. Pflegeheime stünden irgendwo am Ende der Kette. Laut Kallé gibt es in Sachsen noch keine Häufung von Corona-Infektionen in Pflegeheimen. Auch die Diakonie Sachsen hatte auf den Missstand hingewiesen und eine angemessene Versorgung von Altenpflege- und Behindertenheimen sowie Mitarbeitern mobiler Pflegedienste eingefordert.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen hatte sich ebenfalls über fehlende Schutzausrüstung beklagt.

Dresdner Kunstsammlungen stellen Schutzausrüstung bereit

Auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wollen Schutzkleidung im Kampf gegen das Coronavirus bereitstellen. Derzeit würden die Restaurierungswerkstätten des Museumsverbundes geeignetes Material für das Gesundheitswesen zusammenstellen, sagte Sprecher Stephan Adam in Dresden. Konkret handele es sich um wasserundurchlässige Schutzanzüge, Desinfektionsmittel, Schutzbrillen und Untersuchungshandschuhe sowie Mund-Nasen-Schutze und Schutzmasken.

Die Materialien würden sonst von Restauratorinnen und Restauratoren genutzt, sagte Adam. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte am Wochenende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Schutzkleidung zur Verfügung gestellt.

Quelle: MDR/kb/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.04.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen