Kulturbetriebe vor der Schließung Musik und Kunst bis zur letzten Minute - und viel Frust

Viele Kultureinrichtungen in Sachsen wollen noch bis Sonntag - und damit dem Vorabend der geplanten Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie - ihr Publikum erfreuen. Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch hat die Schließungen als "sehr schmerzlich" bezeichnet und fordert schnelle Hilfe vom Bund.

Die Staatskapelle Dresden während eines Konzertes in der Dresdner Semperoper
Bildrechte: Carsten Sand

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) hat die Schließungen im Kulturbereich als "sehr schmerzlich" bezeichnet. Für viele stehe die Existenz auf dem Spiel, so Klepsch nach der Vorstellung der neuen sächsischen Corona-Schutzverordnung, die eine schnelle Hilfe des Bundes forderte.

Sachsens Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch.
Bildrechte: Staatsministerium/Christian Hüller

Seit Mittwoch stehe ich im ständigen Austausch mit Verantwortlichen aus dem Kultur- und Tourismusbereich. Die Lage ist sehr ernst. Für viele Veranstalter, Gastronomen, Clubbetreiber, Hotels sowie für Künstler und Kultureinrichtungen ist der neue Lock-Down existenzbedrohend. Deswegen müssen die versprochenen Hilfen des Bundes so schnell wie möglich anlaufen. Es ist besonders wichtig, dass hier auch Soloselbständige und Kulturschaffende berücksichtigt werden.

Barbara Klepsch Kulturministerin Sachsen

"Es ist ein Desaster"

Viele Künstler und Kultureinrichtungen in Sachsen wollen das Wochenende nutzen, um noch mal Publikum anzuziehen. So präsentiert das Schülerensemble des Gymnasiums Markneukirchen am Wochenende sein Musical "Schrille Nächte" im König-Albert-Theater Bad Elster. Wegen der Corona-Beschränkungen sind ab Montag keine Vorstellungen mehr möglich. So entfällt mehr als die Hälfte der geplanten 14 Vorstellungen.

"Diese ganze Arbeit, die im Vorfeld drinsteckt in diesem Musical, diese zwei Jahre Vorbereitungszeit, die abzusagen und nicht machen zu können, das ist glaube ich das größere Desaster", sagt Stephan Seitz von der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH. "Jetzt können sie zumindest unter den gegebenen Umständen, die nicht optimal sind, auftreten. Sie können ihre Kunst präsentieren, die Leute sind glücklich und wir hoffen, dass wir die Premiere so schaffen können."

Oper Leipzig zieht Premiere von "Lohengrin" vor

Die Oper Leipzig hat ihre für den 7. November angekündigte Premiere von Wagners "Lohengrin" in gekürzter Version auf Sonntag vorverlegt. "Wann, wenn nicht jetzt?", sagt Intendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer. "Wir rollen am letzten Tag vor der erneut notwendigen Schließung noch einmal den roten Teppich aus, um unserem treuen und enthusiastischen Publikum die Premiere Lohengrin anzubieten."

Sächsische Staatskapelle Dresden bietet Sonderkonzert

Christian Thielemann
Christian Thielemann Bildrechte: dpa

Die Sächsische Staatskapelle Dresden zieht ein für Dienstag geplantes Sonderkonzert im Kulturpalast auf Sonntagabend vor. Das Programm beinhaltet Werke von Strauss, Beethoven und Schumann. "Wir sind froh, mit dieser Verlegung des Sonderkonzerts unserem Publikum dieses Programm in diesem wunderbaren Konzertsaal doch noch anbieten zu können", sagt Chefdirigent Christian Thielemann. Das professionell ausgearbeitete Hygienekonzept im Kulturpalast habe sich bewährt. Zudem werde nun noch strenger auf die Einhaltung aller Bestimmungen geachtet.

In der Semperoper wird am Sonntag Mozarts "Die Zauberflöte" wie geplant Premiere haben. Allerdings dürfen nur 331 Gäste in den Saal und nicht gut 500, wie die Sächsische Staatsoper ursprünglich vorgesehen hatte.

Landesausstellung im Eisenbahnmuseum Chemnitz endet - plangemäß

Im Eisenbahnmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf endet die Landesausstellung für Industriekultur bereits an diesem Wochenende. Das Museum geht am 2. November in die geplante Winterpause. Trotz coronabedingter Einschränkungen falle die Bilanz positiv aus, sagt Museumssprecher Sven Liebold. "Wir sind dennoch zufrieden mit den Besucherzahlen. Es müssten um die 11.000 sein, die uns hier besucht haben", sagt er. "Aber es macht für uns dennoch Sinn, in die Winterpause zu gehen."

Lokomotiven im Eisenbahnmuseum Chemnitz
Das Eisenbahnmuseum in Chemnitz geht am Montag in die geplante Winterpause. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Die Ausstellungsräume und auch der Kassenbereich seien nicht beheizbar. Außerdem müssten bei schlechtem Wetter die Wege beräumt und gestreut werden. "Wir machen nächstes Jahr wieder auf. Angesetzt ist bis jetzt der 27. März", so Liebold. Das Eisenbahnmuseum war einer von insgesamt sieben Standorten der 4. Landesausstellung. Diese läuft noch bis 31. Dezember.

Protest namhafter Kunstmuseen

Unterdessen haben Direktoren namhafter Kunstmuseen in Deutschland in einem Brief gegen die Schließung ihrer Häuser aufgrund der neuen Corona-Bestimmungen protestiert. "Erkennbar hat die Politik sich darum bemüht, bei der Gestaltung des neuerlichen Lockdowns differenziert vorzugehen", teilten die 36 Direktorinnen und Direktoren der Deutschen Presse-Agentur mit.

Es ist uns unverständlich, warum es möglich ist, Baumärkte, Autohäuser und andere Geschäfte offen zu halten, Museen aber, die über dieselben oder großzügigere Flächen für einen Corona-gerechten Publikumsverkehr verfügen, geschlossen werden.

Offener Brief der Kunstmuseen in Deutschland
Frédéric Bußmann von den Kunstsammlungen Chemnitz
Frédéric Bußmann Bildrechte: Simon Bernard/MDR

Leider sei der Kulturbetrieb jedoch abermals in extremem Maß betroffen und mit ihm die Museen, die zum zweiten Mal in diesem Jahr für mehrere Wochen geschlossen werden sollten. "Bei allem Verständnis für die Herausforderungen, die Corona uns allen auferlegt, halten wir das für eine falsche Entscheidung." Museen gehörten zu den sichersten öffentlichen Orten. Die seit März entwickelten Hygiene- und Abstandsregeln, die Begrenzung der Besucherzahl sowie der konsequente Verzicht auf Eröffnungen und größere Veranstaltungen hätten sich bewährt.

Zu den Unterzeichnern gehören auch der Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz, Frédéric Bußmann.

Nina Hoss und Lars Eidinger - Schwesterlein 15 min
Bildrechte: Vega Film

Quelle: MDR/al/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.10.2020 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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