08.05.2020 | 19:40 Uhr Schwanger in Corona-Zeiten: Allein beim Ultraschall

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind aufregende Momente. Viele werdende Mütter möchten den Partner beim Ultraschall an ihrer Seite haben. Aufgrund der Corona-Situation ist das in vielen Praxen nicht möglich.

Eine schwangere Frau hält sich den Bauch
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Verona-Marie Stiller erwartet ihr erstes Kind. Die Monate der Schwangerschaft sind eine sehr schöne und aufregende Zeit. Jedoch belasten die junge Frau die geltenden Corona-Beschränkungen, denn ihr Freund konnte bisher bei keiner Vorsorgeuntersuchung dabei sein und das Baby mittels Ultraschall sehen. Während vor der Corona-Krise bei Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft auch mal der Papa, die Oma und die Kinder den Familienzuwachs per Ultraschall mit angucken durften, mussten in den vergangenen Wochen die Schwangeren allein in die Sprechstunde gehen.

Partner wartet draußen

"Beim Ersttrimesterscreening hatte mein Partner im Auto vor der Tür der Arztpraxis gewartet", berichtet die 23-Jährige. Als sie während der Vorsorgeuntersuchung auf den leeren Stuhl blickte, wo normalerweise der werdende Vater sitzt, seien ihr fast die Tränen gekommen. Doch Verona-Marie Stiller blieb im März die Hoffnung, dass ihr Partner sie ja im Mai zur Feindiagnostik begleiten könne.

Unterschiedliche Handhabung in den Praxen

Doch nach dem großen Corona-Lockdown wenden Arztpraxen sehr unterschiedliche Hygienevorschriften an. Sowohl die gelockerten als auch die weiterhin strengen Regeln lassen sich dabei gut begründen. "Zum Schutz der Patientinnen und auch zum Schutz der Mitarbeiter wurde festgelegt, dass bis auf Weiteres nur die Patientin Zutritt hat, um eventuell mögliche Infektionsketten eingrenzen zu können", lautet etwa die Erklärung aus einer Dresdner Praxis für Pränataldiagnostik. Da ein Sicherheitsabstand beim Ultraschall sowieso schwer zu verwirklichen sei, bleibe man bei der Festlegung, dass die Patientinnen ohne Begleitpersonen kommen sollen.

Anders handhabt es eine Praxis für Pränataldiagnostik in der Oberlausitz. Hier dürfen die Schwangeren wieder eine Begleitperson in die Sprechstunde mitbringen. Kinder müssen aber weiterhin draußen bleiben. Vorher, als eine Begleitung nicht möglich war, habe man viele Bilder und Videos gemacht, aber auch bei einigen Schwangeren Tränen trocknen müssen, sagt die Ärztin. Sie empfiehlt Schwangeren, am Vortag ihres Vorsorgetermins in der Praxis anzurufen, um sich über die aktuell geltenden Bestimmungen zu informieren. Denn die medizinische Situation könne sich kurzfristig ändern.

Ein Video ersetzt nicht das Dabeisein

In der Praxis, bei der Verona-Marie Stiller ist, konnte die Sprechstundenhilfe ihr in dieser Woche nicht versprechen, dass sie Ende Mai in Begleitung zur Feindiagnostik kommen darf. Vielleicht mit viel Glück, hieß es. "Das hat mir regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. "Es ist ganz traurig", sagt die werdende Mutter. "Mein Freund meinte, ich soll ein Video machen, aber das ist nicht das gleiche". Für die junge Frau ist es von großer Bedeutung, dass ihr Partner bei der Feindiagnostik auf dem Bildschirm die Kindsbewegungen sehen kann und auch die Chance hat, vor Ort Fragen zur Schwangerschaft zu stellen.

Eine junge Frau in den ersten Schwangerschaftsmonaten.
Verona-Marie Stiller freut sich auf ihr Baby. Bildrechte: privat

Das Vorgehen in den Praxen werde unterschiedlich gehandhabt, bestätigt Katharina Bachmann-Bux, Sprecherin der Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Sachsen. "Die KV Sachsen hält für ihre Mitglieder, die sächsischen Vertragsärzte und Psychotherpeuten, permanent aktualisierte Informationen und Handlungsempfehlungen bereit", fügt sie hinzu. Wie diese konkret umgesetzt werden, obliegt den Ärzten. Über allem stehe dabei die Sächsische Allgemeinverfügung mit ihren Corona-Maßnahmen, so Bachmann-Bux.

Auch Schwangere haben freie Arztwahl

Aber auch Patienten haben einen gewissen Handlungsspielraum: "Es gibt die freie Arztwahl und die bedarf auch keiner Begründung", sagt Bachmann-Bux. Unabhängig von der aktuellen Corona-Situation stehe es der Schwangeren frei, sich nach einer anderen Praxis umzusehen. Man sollte aber den bereits vereinbarten Termin absagen, damit auch der Arzt die Möglichkeit hat, umzuplanen, bittet Bachmann-Bux. Wem also ein Feinscreening in Anwesenheit des Partners wichtig ist, der hat auch die Freiheit, unter diesem Aspekt die Feindiagnostik auszuwählen. Dass tatsächlich im entsprechenden Zeitraum eine passende Praxis mit freien Terminen gefunden wird, bleibt ein bisschen Glückssache.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.04.2020 | ab 20:00 Uhr in den Nachrichten

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