Covid-Simulator Pharmakologe: Corona-Maßnahmen werden in Sachsen am längsten dauern

Ein Mann steht vor einer großen Videobildtafel und schaut sich mathematische Diagramme an. Es sit der Pharmazie-Professor Prof. Dr. Thorsten lehr in der Universität Saarbrücken.
Prof. Dr. Thorsten Lehr steht vor den Schaubildern des Covid-Simulators, der das Infektionsgeschehen nach Bundesländern und Landkreisen abbildet. Bildrechte: Universität Saarbrücken/Iris Maurer

Würde Sachsen die jetzigen Corona-Beschränkungen beibehalten und nicht weiter verschärfen, dann würde der Schwellen-Inzidenzwert von 50 frühestens Anfang März erreicht werden. Das hat Pharmazie-Professor Thorsten Lehr ausgerechnet und in einem Covid-Simulator zur Corona-Pandemie dargestellt. "Leider ist Sachsen trauriger Spitzenreiter. Das Infektionsgeschehen mit Maßnahmen abzubremsen, wird in Sachsen mit am längsten dauern", sagte der Wissenschaftler MDR SACHSEN. Andere Bundesländer mit niedrigeren Infektionszahlen würden den Schwellenwert von 50 bereits Anfang Februar unterschreiten, Bremen beispielsweise.

Viele Länder, die mit strengem Lockdown gut aus der ersten Welle rausgekommen sind, haben sich in gewisser Sorglosigkeit gewogen. Das bestraft das Virus mit Bösartigkeit. Das war in Sachsen auch so.

Thorsten Lehr Universitätsprofessor in Saarbrücken

Virusmutation noch nicht im Simulator berechnet

Über die regional unterschiedlich hohen Fallzahlen sollte sich die Bund-Länder-Runde am morgigen Dienstag bei ihrer vorgezogenen Debatte über mögliche Lockdown-Verschärfungen Gedanken machen, verlangte Lehr, der auch die Landesregierung im Saarland wissenschaftlich berät. In seinem Simulator wird die Virusmutation noch nicht mitberechnet. "Die Mutation bereitet mir große Sorgen. Wir wissen noch zu wenig darüber. Aber je schärfer der Lockdown ist, desto weniger Chancen hat die Mutante", so Thorsten Lehr. Er kritisierte, dass bundesweit bislang nur jede 900. Probe von Corona-Infizierten überhaupt auf eine Mutation untersucht worden sei.

Die Pandemie ist nie im Gleichgewicht. Entweder steigen die Fallzahlen oder sinken. Hoch geht es leicht, runter nur sehr schwer. Das ist wie bei einer schlechten Diät.

Thorsten Lehr Professor für klinische Pharmazie Universität Saarbrücken

Gezielte Suche nach Mutationen

Am Montag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Verordnung vorgestellt, die mehr Klarheit über die Mutationen bringen soll. Die Test-Labore in Deutschland sollen gezielt nach hochansteckenden Mutationen des Coronavirus suchen. Die unter anderem in Großbritannien, Südafrika und Südamerika entdeckten Varianten des Coronavirus gelten als deutlich ansteckender. Sie sind in Deutschland bisher nur vereinzelt nachgewiesen worden, darunter in Dresden.

Zeit verschaffen durch weitere Kontaktbeschränkungen

Dem Pharmakologen Lehr sei bewusst, dass sich auch Deutschland auf Dauer keinen Lockdown und wirtschaftlichen Stillstand leisten könne. "Ziel ist die Immunität der Menschen durch Impfungen. Wir haben ja drei Impfstoffe in der Welt als Ausweg." Bis genügend Impfdosen vorrätig seien und die Impfungen liefen, brauche es noch Zeit. "In dieser Zeit müssen wir unsere Kontakte weiter beschränken - auch wenn die Leute vielfach müde geworden sind", meinte er.

Den Corona-Simulator (in englischer Sprache) finden Sie hier.

Hintergrund zu den Saarbrücker Erhebungen - Mehrere Institute der Universität Saarbrücken arbeiten für den Covid-Simulator zusammen. Die Forscher veröffentlichen Prognosen für alle Bundesländer, die der Politik und dem Gesundheitswesen als Entscheidungshilfe dienen sollen.

- Für die Berechnungen werden viele Daten ausgewertet: Neben den Erhebungen des Robert-Koch-Instituts und der Kreis- und Landesgesundheitsämter ergänzend auch recherchierte Corona-Fallzahlen der Zeitung "Berliner Morgenpost". Zudem klinische Daten von mehr als 8.000 stationär behandelten Covid-19-Patienten aus mehr als 100 deutschen Kliniken und Angaben der Gesundheitsministerien.

- Laut Uni Saarbrücken wurde der Simulator bislang eine Million Mal geklickt. Eine deutschsprachige Version sei in Arbeit.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.01.2021 | ab 12:00 Uhr in den Nachrichten

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