05.04.2020 | 17:47 Uhr Sachsens Solidarität in der Corona-Krise

Von wegen Stillstand in Zeiten von Corona. Trotz der zahlreichen Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus werden die Sachsen immer kreativer, wenn es darum geht, gemeinsam die Krise zu meistern. Von Torgau bis ins Erzgebirge, von Schkeuditz bis nach Görlitz überlegen sich die Menschen, wie sie sich gegenseitig helfen können. Der Ausnahmezustand führt eben nicht nur zu Hamsterkäufen, sondern auch zu vielen solidarischen Initiativen.

Anwohner haben ein Schild mit der Aufschrift Gemeinsam gegen Corona in ein Fenster gehängt um den Mitarbeitern, Ärzten und Pflegern der K Plus St. Lukas Klinik in Solingen zu danken und sie zu motivieren Themenbild.
Bildrechte: imago images/Deutzmann

Der Notgroschen in Aue-Bad Schlema

Als in der Erzgebirgsstadt Aue-Bad Schlema die Geschäfte und Läden schließen mussten, kam eine Fleischereimeisterin auf die Idee, einen sogenannten Notgroschen ins Leben zu rufen. Zusammen mit dem örtlichen Gewerbeverein und zwei betroffenen Unternehmern wurden an die Geschäfte, die noch verkaufen dürfen, Sammelbüchsen für Trinkgelder verteilt. Die Einnahmen gehen an die Händler, die laut der geltenden Allgemeinverfügung nicht öffnen dürfen.

"Local heroes" in Leipzig

In Leipzig haben sich inzwischen zahlreiche Gastronomen und Händler zusammengeschlossen und bieten im Internet unter Namen "local heroes" ihre Produkte und Dienstleistungen an. Ziel ist es, möglichst vielen Geschäftstreibenden in der Stadt zu helfen, die Corona-Krise zu überstehen.

Kommunen helfen Einzelhandel

Viele kleine Kommunen versuchen alles, um ihren ortsansässigen Händlern zu helfen. So bietet Mügeln im Landkreis Nordsachsen, den Firmen und Geschäften, die wegen der Corona-Krise geschlossen sind, einen besonderen Service an: einen virtuellen Marktplatz auf der Homepage. Darauf sind unter anderem Telefonnummern für individuelle Bestellungen und Anliegen aufgelistet. Auch andere Städte wie Bautzen, Radebeul oder Annaberg-Buchholz unterstützen auf diese Weise den Einzelhandel vor Ort.

So können Verbraucher Händler unterstützen ... Gutscheine online kaufen und später einlösen.

Online einkaufen bei regionalen und kleineren Anbietern. Nicht immer haben kleine Läden einen eigenen Online-Shop auf der Homepage. Deshalb einfach per Mail anfragen oder anrufen. Auch die Social-Media-Accounts der kleinen Händler regelmäßig checken, dort werden Angebote und Ideen oft zuerst mitgeteilt.

Wenn Buchhändler, Juweliere, Kosmetikstudio oder andere Anbieter ihre Dienstleistungen im Internet darstellen, etwa mit Live-Lesungen, Beratungen oder Kursen, dann diese Angebote bezahlen oder Spenden überweisen.

Kleine Unternehmen auf Online-Portalen positiv bewerten. Das gibt moralische Unterstützung und kann später helfen, auch andere Kunden zu gewinnen.

Quelle: Hilfe für den Handel, Tipps des Einzelhandelsverband (HDE)

Sachsen näht um die Wette

Zahlreiche Textil- und Bekleidungshersteller in Sachsen haben bereits sogenannte Mund-Nasen-Masken entwickelt und deren Serienproduktion aufgenommen oder sie steht unmittelbar davor. Unter anderem fertigt die Manufaktur Wonneberger aus Mühlau bei Chemnitz anstatt sexy Unterwäsche jetzt Schutzmasken für Vlies-Hersteller, Großkunden, Vereine, Krankenhäuser und in Eigenregie. Im Landkreis Görlitz hilft der Textilhersteller Frottana. Auf Initiative des Landratsamtes hat das Unternehmen seine Produktion umgestellt und fertigt nun Mundschutzmasken.

Auch ein kleiner Stoffladen aus Zwickau trotzt der Corona-Krise auf kreative Weise: Binnen zwei Wochen haben sich rund um das Geschäft "Fräulein Wundervoll" 80 Hobby-Näherinnen und -Näher gefunden, die Stoffmasken nähen was das Zeug hält. Der Landkreis Bautzen ruft auf seiner Internetseite alle Näherinnen und Näher auf, den Schutz für Mund und Nase zu Hause anzufertigen. Die Mundschutzmasken können dann in Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz in Sammelboxen abgegeben werden. Anleitungen zum Nähen liegen dort auch aus.

Kultur verlagert sich ins Netz

Auch Sachsens Kulturschaffende laufen in diesen Tagen vor allem online zu Hochform auf. Kunst bereits zum Mittagessen gibt es beispielsweise dienstags bei einem Live-Walk durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das Schauspiel Leipzig oder das Leipziger Gewandhaus stellen zweimal wöchentlich Aufzeichnungen ins Netz und die Künstler der Dresdner Semperoper senden musikalische Grüße aus ihren Wohnzimmern.

Wer lieber virtuell etwas für die Filmkultur tun und dabei das Chemnitzer Metropol-Kino unterstützen möchte: 50 Prozent der Einnahmen beim Streamen der aktuellen Dokumentation "Waterproof" kommen dem Kino zu Gute.

Wie man Klopapier sinnvoll für das anstehende Osterfest nutzen kann, zeigen die Theater Chemnitz auf ihrer #BuehneZuhause bei Facebook: Puppenspieler Tobias Eisenkrämer macht Pinguine aus ( Klo- )Papier in kurzen Animationen zu Hauptdarstellern.

Doch auch abseits der drei sächsischen Großstädte finden sich jede Menge gute Ideen. So lädt das Eduard-von-Winterstein-Theater aus Annaberg-Buchholz jeden Abend zum "Couch Viewing" ein. Lesungen, Premierenschaufenster oder Einblicke in laufende Stücke gibt es jeweils ab 18 Uhr.

Auch das Ensemble des Theaters Plauen-Zwickau ist mittlerweile online unterwegs. Den Anfang machte Intendant Roland May mit einer Solo-Einlage im ansonsten leeren Maalsaal, der aktuellen Interimsspielstätte des Zwickauer Theaters. Immer montags zum Konzert per Livestream laden zwei kleine Kulturvereine aus Westsachsen, die sich mitten in der Pandemie zusammengetan haben. Das Team des Liederbuch-Vereins kümmert sich um Künstler und Technik, gesendet wird live von der Kirchberger Kulturinsel.

Wiederentdeckt - Nachbarschaftshilfe

Ob Einkäufe, Botengänge, eine Runde mit dem Hund oder ein Ohr gegen die Einsamkeit - in diesen turbulenten Tagen erlebt die klassische Nachbarschaftshilfe eine Renaissance. Per einfachem Aushang an der Haustür, über Internetportale oder via Facebook finden sich Helfende und Hilfesuchende.

Nahrung für die Seele soll die Aktion "Briefe an die Unbekannten" der Stadt Zwickau bieten. Es sollen Menschen mit Botschaften beschenkt werden, die derzeit besonders unter dem sozialen Abstandsgebot leiden, unter anderem in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Teilnehmer können Briefe, Geschichten, Gedichte, Postkarten, Bilder oder Grüße per E-Mail, am liebsten aber ganz altmodisch per Post, an die Zwickauer Gleichstellungsbeauftragte schicken, die die Botschaften dann wiederum über ihr Netzwerk verteilt.

Quelle: MDR/bb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.04.2020 | 05:00 Uhr in den Nachrichten

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