04.05.2020 | 22:20 Uhr "Corona-Spaziergänge" in Sachsen für Grundrechte und gegen Impfnachweise

Menschen mit Regenschirmen laufen in Annaberg-Buchholz eine Straße entlang. Im Vordergrund steht ein Polizeifahrzeug
Bildrechte: Bernd März

In zahlreichen Städten und Gemeinden Sachsens haben sich am Montag Hunderte Menschen an sogenannten Corona-Spaziergängen beteiligt. Diese richteten sich gegen die aktuellen Beschränkungen wegen der Pandemie. Die Teilnehmer forderten den Erhalt von Grundrechten. Außerdem gab es Proteste gegen die ursprünglichen Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, einen Immunitätsausweis nach einer überstandenen Corona-Infektion einzuführen.

Spahn hatte im Laufe des Tages allerdings vorerst von dieser Idee Abstand genommen. Spahn sagte: "Die Frage, ob im Falle von Corona zusätzlich ein Immunitätsausweis sinnvoll ist, sollten wir als Gesellschaft in Ruhe abwägen und debattieren."

Initiatoren gaben sich nicht zu erkennen

Auf dem Marktplatz von Annaberg-Buchholz steht ein Mann mit einem Schild mit der Aufschrift "Verfassungsrechte + Freiheit: Ja, Merkel-Diktatur + Immunitätspass: Nein"
Leben wir in einer Diktatur? Einige Menschen sind offensichtlich dieser Ansicht. Bildrechte: Bernd März

Wie die Polizei auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, wurden sachsenweit in mehr als 20 Städten und Gemeinden Versammlungen, Menschenketten und Spaziergänge registriert. Die wenigsten davon waren demnach angemeldet, Versammlungsleiter konnten nicht ausfindig gemacht werden. Fast nirgendwo trugen die Menschen einen Mund- und Nasenschutz. Angemeldet waren zwei stille Menschenketten mit jeweils 50 Teilnehmern in Neugersdorf und in Demitz-Thumitz sowie eine Kundgebung mit 50 Teilnehmern und etwa 100 Zuschauern in Freiberg.

Aufforderungen der Polizei weitgehend ignoriert

Auf dem Marktplatz von Annaberg-Buchholz stehen Menschen mit Regenschirmen in der Hand
400 Menschen kamen trotz Regen und Kälte zu einem "Corona-Spaziergang" ins Zentrum von Annaberg-Buchholz. Bildrechte: Bernd März

Die meisten Menschen versammelten sich in Annaberg-Buchholz. Dort kamen rund 400 Menschen auf dem Marktplatz zusammen. Nachdem Polizisten die nicht angemeldete Kundgebung aufgelöst hatten, zogen viele der Teilnehmer durch die Innenstadt. Es wurden Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet. Das gleiche gilt für Olbernhau, wo sich laut Polizei etwa 300 Menschen zu einem Spaziergang trafen, der aber aufgrund der Größe und wegen gehaltener Reden als nicht genehmigte Versammlung gewertet wurde.

Keine Schutzmasken, oft auch zu wenig Abstand

In Chemnitz gehen Menschen in einer großen Runde vor dem Chemnitzer Rathaus
In Chemnitz hatten viele Teilnehmer ihre Kinder mitgebracht. Auch hier galt: Schutzmasken? Fehlanzeige! Bildrechte: Harry Härtel

In Chemnitz nahmen insgesamt etwa 250 Menschen an zwei Spaziergängen rund um das Rathaus teil. In Plauen kamen 150 Leute zusammen, in Markneukirchen 100. In Leipzig trafen sich etwa 100 Menschen am Nikolaikirchhof und hielten Grundgesetze und Schilder in die Höhe. Während sich dort alle weitgehend an die wegen Corona vorgegebenen Sicherheitsabstände hielten, gab es später bei einem Spaziergang von 150 Menschen durch die Leipziger Innenstadt Verstöße gegen die Corona-Beschränkungen. Die Polizei nahm die Personalien des mutmaßlichen Leiters der nicht angemeldeten Versammlung auf.

60 Minuten friedlicher Ungehorsam

Weitere Treffen und Spaziergänge mit weniger als 100 Teilnehmern registrierte die Polizei in Klingenthal, Schwarzenberg und Zschopau sowie in Meißen, Großenhain, Nossen, Freital, Heidenau, Pirna, Wilsdruff, Sebnitz, Neustadt und Bad Schandau. Die Beamten der Polizeidirektion Dresden leiteten Ordnungswidrigkeitenverfahren ein, weil die Teilnehmer der Aktionen sich nicht zerstreuten. In den meisten Fällen gingen die Treffen nach rund einer Stunde zu Ende. Landesweit waren mehrere Hundert Polizisten im Einsatz. In fast allen Fällen blieb es friedlich, größere Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

Quelle: MDR/stt/jk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR | 04.05.2020 | 21:00 Uhr in den Nachrichten

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