07.06.2020 | 15:58 Uhr Studenten in Leipzig und Dresden fordern mehr Hilfe

Am Montag haben Studierende in vielen deutschen Städten auf ihre ungewisse finanzielle Situation aufmerksam gemacht. Durch die Coronakrise hätten viele von ihnen ihre Nebenjobs verloren und damit die Grundlage, um ihr Studium zu finanzieren, teilte ein Sprecher mit. Auch in Leipzig und Dresden gab es Aktionen der Studierenden, die Corona-bedingt klein ausfielen.

In Sachsen haben Studenten mehr finanzielle Unterstützung von der Politik gefordert. In der Landeshauptstadt Dresden haben sich 15 Studentenvertreter mit Plakaten zusammengefunden. In Leipzig haben sechs Studenten für die gesamte Studentenschaft demonstriert. Die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften erklärte, viele Studenten hätten bereits ihr Studium abgebrochen, weil sie nur so Anspruch auf Grundsicherung hätten. Die Hilfsangebote vom Bund seien vollkommen unzureichend. Die Studierenden fordern daher eine echte Soforthilfe, ohne dass das Geld später zurück gezahlt werden muss. Bislang gebe es nur Kreditangebote und als einzige rückzahlungsfreie Hilfe einen Nothilfefond. Der greife allerdings nur bei Studenten, die weniger als 500 Euro auf dem Konto haben.

 Studentenprotest in Dresden
Studierendenprotest in Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Hochverschuldete Generation von Studenten droht"

Der Protest am Montag sollte daher vor allem den Studenten eine Stimme geben, die durch die Corona-Krise ihren Job verloren haben und keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Kurzarbeitergeld haben, sagt Thomas Lorenz von der Leipziger DGB Hochschulgruppe. Die Soforthilfe mit einem Volumen von zehn Millionen Euro an die Studentenwerke sei noch immer nicht angelaufen. Viele fürchteten, sich exmatrikulieren zu müssen. Die Studierenden fühlten sich allein gelassen, sagt Lorenz.

Studentenprotest in Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tuncay

Die Studierenden stehen unter hohem finanziellen Druck und leben in Ungewissheit.

Thomas Lorenz DGB Hochschulgruppe Leipzig

"Ich höre von Studierenden in meinem Umfeld, die ihren Job aufgeben und ihr Studium verlängern mussten und dadurch nun vor einer unsicheren Situation stehen", erklärt Lorenz. Es fehlten die Ansprechpartner, außerdem herrsche Unklarheit, ob die Regelstudienzeit verlängert und das BAföG weitergezahlt werde. Bereits im März habe man deshalb eine Petition auf den Weg gebracht, die allerdings bislang ungehört blieb.

Nothilfetöpfe der Studentenwerke leer

Claudia Meißner, Referentin für Soziales im Studentenrat an der Uni Dresden, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. "Viele Studenten schreiben uns, dass sie ihr Studium mit einem Nebenjob in der Gastronomie finanzieren und nun aufgrund Corona ihren Job verloren haben." Andere habenihre Kinder betreuen müssen, als die Kitas zu waren, und konnten deshalb nicht arbeiten, erklärt Meißner. "Und dann fehlt eben ein großer Teil des Einkommens."

Studentenprotest in Leipzig
Protestaktion in Leipzig Bildrechte: MDR/Lars Tuncay

Gerade die internationalen Studenten sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen, weil es keine Unterstützung für sie gibt. Viele leihen sich da mittlerweile untereinander Geld, aber das ist auch keine Lösung. Wir vermitteln diese Studenten an das Studentenwerk, das noch eine gewisse Unterstützung leisten kann. Aber auch diese Töpfe sind irgendwann mal leer. Deshalb brauchen wir eine Unterstützung vom Bund.

Claudia Meißner Studentenrat Uni Dresden

Wer in einem Studentenwohnheim lebt, habe Glück, sagt Meißner, da die Studentenwerke meist Verständnis für die Situation der Studierenden zeigen. Für alle anderen sei die Situation bedrohlich, zumal derzeit die Lehre ausschließlich in den eigenen vier Wänden stattfinde.

Am 20. Juni wollen die Studierenden ihren Protest bei einer großen Demo in Berlin vorbringen.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.06.2020 | 19:00 Uhr

MDR SACHSEN | 08.06.2020 | 13:00 Uhr im Radioreport

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