Universität Leipzig Corona-Schulstudie in Sachsen: Keine Testpersonen infiziert

Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Leipzig hat im Frühjahr an einigen sächsischen Schulen untersucht, wie viele Kinder und Lehrer sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Gefragt wurde auch nach den psychischen Belastungen. Nun liegen erste Erkenntnisse vor, die den Kurs der Landesregierung stützen.

Erstklässer sitzen im Unterricht auf auseinandergerückten Einzelplätzen, während die Lehrerin mit Mundschutz unterrichtet.
Kleine Klassen, Mindestabstand, Mundschutz, keine Durchmischung der Klassen: So sah vor den Sommerferien der Schulalltag aus. Nach den Ferien könnten die Bestimmungen etwas lockerer werden. Bildrechte: dpa

Wissenschaftler der Universität Leipzig plädieren für das Öffnen von Schulen in Sachsen und gelockerte Hygienemaßnahmen. Einer Studie der Universität zufolge war die Infektionslage mit dem Coronavirus an Schulen in Sachsen in der Zeit nach ihrer schrittweisen Wiedereröffnung unbedenklich. Demnach habe keine einzige der rund 2.600 Testpersonen eine aktive Infektion gehabt. Antikörper gegen SARS-CoV-2 konnten hingegen bei 14 Probanden festgestellt werden.

Untersuchung an 18 Schulen in Sachsen Insgesamt hatte ein Team von Wissenschaftlern 2.687 Probanden untersucht: 1.884 Schülerinnen und Schüler sowie 803 Angestellte in 18 Schulen in fünf sächsischen Städten. Von diesen ließen sich 2.599 auf eine aktive Infektion mittels Rachenabstrichs und 2.344 auf eine bereits abgelaufene COVID-19-Erkrankung mittels Blutentnahme testen.

Welche Ergebnisse gibt es noch?

Die Forscher kamen zu mehreren Ergebnissen: Weil nur bei 14 Teilnehmern Antikörper nachgewiesen werden konnten, sei davon auszugehen, dass bisher nur wenige Schülerinnern und Schüler sowie Lehrende mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Jüngere Kinder scheinen außerdem weniger häufig infiziert zu sein als ältere Schüler im Jugendalter.

Die Wissenschaftler stellen auch fest: "Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt keinen Hinweis darauf, dass Kinder und Jugendliche besonders häufig den SARS-CoV-2 in sich tragen oder getragen haben. Es scheint sogar eher so, dass sich Kinder im Vergleich zu Erwachsenen seltener infizieren. Um diese Tendenzen zu bestätigen, bedarf es weiterer Untersuchungen."

Es ist angesichts der aktuellen Datenlage richtig, die Schulen in Sachsen wieder zu öffnen und unter Kontrolle die Hygienemaßnahmen zu lockern, um sich wieder einem normalen Schulalltag anzunähern.

Folgeuntersuchungen am September

Folgeuntersuchungen der Corona-Schulstudie in Sachsen sind für die Zeit nach den Sommerferien im September und später im November nach den Herbstferien geplant.

TU Dresden kommt zu ähnlichen Ergebnissen

Bereits Mitte Juli hatte die TU Dresden in einer vergleichbaren Studie festgestellt, dass sich sächsische Schulen nach der Wiedereröffnung nicht als Hotspots für Corona-Infektionen erwiesen haben. Die Forscher im Mai und Juni 2.045 Blutproben aus Dresdner Schulen und Schulen im Landkreis Bautzen untersucht. Nur bei zwölf Proben konnten zweifelsfrei Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen werden.

Testpersonen beklagen Verlust von Lebensqualität und Fröhlichkeit

Drei Jungs starren gespannt auf einen Monitor.
In der Coronazeit ist der Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen deutlich gestiegen. Bildrechte: Colourbox

Die Leipziger Mediziner fragten zudem 900 Kinder und Jugendliche nach psychischen Folgen der Schulschließungen. Beklagt wurde laut Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, ein Verlust von Lebensqualität "und Fröhlichkeit", vor allem in Familien mit Armut und niedriger Bildung. "Die fehlende Tagesstruktur, nicht aufstehen zu müssen für die Schule, wird als Verlust angesehen." Dazu kämen ein massiver Anstieg der Mediennutzung und Kontaktverlust zu Gleichaltrigen.

Corona löse zudem Sorgen um Familie und Zukunft aus, bei Mädchen vorrangig auch um die Gesellschaft. "Über ein Fünftel der Kinder findet, dass das Leben nie wieder so sein wird wie vor Covid-19", so Kiess. "Und drei Viertel sagten von sich aus, ich möchte bitte wieder in die Schule gehen." Fazit: Schulschließungen schaden denen massiv, "die sowieso wenig an Bildung teilhaben".

Kultusministerium zieht Schlüsse aus Studien

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) betonte, wie wichtig die beiden Studien mit ihren Zwischenergebnissen seien: "Sie bestärken uns in unserem Weg, dass Kinder nur unterdurchschnittlich an der Verbreitung des Virus teilhaben. Es ist deswegen richtig, Schulen und Kitas zu öffnen. Natürlich gibt uns das auch Rückenwind, bei der Diskussion, die wir deutschlandweit haben, im Herbst die Schulen im Regelbetrieb zu öffnen."

"Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen" nach den Sommerferien

Piwarz kündigte an, dass auch nach den Sommerferien an sächsischen Schulen weiter strenge Hygieneregeln gelten sollen. Eine Maskenpflicht erachte er im Moment nicht als notwendig, jedoch solle es eine Mitführungspflicht geben: "Jeder, der ein Schulgebäude betritt, muss eine Maske bei sich führen und Schulen sollen eigenverantwortlich entscheiden, ob außerhalb der Unterrichtssituation Masken zu tragen sind."

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.08.2020 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

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