Einmal pro Woche Für Grenzpendler gilt in Sachsen ab sofort Testpflicht auf Coronavirus

Sie leben in Tschechien oder Polen und kommen zur Arbeit nach Sachsen. Kein Problem innerhalb der EU. Wegen der Corona-Pandemie gibt es für Grenzpendler jetzt eine Testpflicht auf das Coronavirus. Damit sollen nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums Infektionsketten schneller erkannt und gestoppt werden.

Ein Mann lässt einen Corona-Schnelltest an sich durchführen.
Ein Mann lässt in Kodersdorf einen Corona-Schnelltest an sich durchführen. Bildrechte: Lausitznews

Für Berufspendler aus Polen und Tschechien gelten ab sofort neue Regeln. Die sächsische Corona-Verordnung sieht vor, dass sich Grenzgänger einmal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen müssen. Damit sollen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Infektionsketten schneller erkannt und gestoppt werden.

Wir müssen versuchen, über die Teststrategie Einfallstore für weitere Infektionen zu schließen.

Lars Fiehler Industrie- und Handelskammer Dresden

Eigentlich sollten die Tests zweimal pro Woche erfolgen, nach Kritik von Verbänden und Unternehmen steuerte das Kabinett jedoch nach. Für die Unternehmen ist die Situation dennoch eine Herausforderung, sie müssen die Tests über Betriebsärzte oder mit Hilfe von privaten Testcentern organisieren. Die Landesregierung beteiligt sich an den Kosten mit bis zu zehn Euro pro Antigen-Schnelltest. Das Gesundheitsministerium schätzt, dass rund 25.000 Personen Anträge auf Kostenbeteiligung bei der Landesdirektion Sachsen stellen können.

Testpflicht: Das hat das sächsische Kabinett beschlossen - Ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nach Sachsen pendeln, sollen einen verpflichtenden Test wöchentlich vorlegen.
- In Tschechien können sich tschechische Staatsbürger einmal wöchentlich kostenlos testen lassen. Diese Testergebnisse erkennt Sachsen für Grenzpendler an.
- An der Grenze in Polen sollen Teststationen für polnische Arbeitnehmer öffnen. Auch diese Tests erkennt Sachsen an.

- Betriebe mit einpendelnden Arbeitnehmern können eigene Lösungen für die Tests ihrer ausländischen Mitarbeiter anbieten. Dulig kündigte an, diese Tests mit zehn Euro pro Testung unterstützen zu wollen. Eine Richtlinie für die Zuschüsse wolle er vorlegen.

Quelle: Kabinettspressekonferenz vom 8. Januar 2021

Zehntausende Berufspendler betroffen

Männer stehen am Corona-Testcenter in Kodersdorf an.
Männer stehen am Corona-Testcenter in Kodersdorf an. Bildrechte: Lausitznews

Laut IHK Dresden sind rund 19.000 Menschen aus Polen und Tschechien, die nach Sachsen zur Arbeit pendeln, von der Testpflicht betroffen. Aber auch tschechische und polnische Staatsbürger, die in Sachsen wohnen, fahren regelmäßig ins Nachbarland zur Arbeit. Seit Jahren macht das beispielsweise der Tscheche Robert Prade, der in Zittau lebt. Er wünscht sich, dass die Corona-Maßnahmen und Tests überall in Europa gleich angewendet würden. "Dass man regionale Lösungen findet, so dass es nicht mehr entscheidend ist, ob zufällig eine Grenze auf den paar Kilometern zur Arbeit überschritten wird".

In diesen Branchen arbeiten Pendler aus den beiden Nachbarländern hauptsächlich:

  • medizinischer Bereich mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen
  • industrienahe Branchen
  • Baubranche
  • Logistik und Verkehr

Warum müssen sich Tschechen und Polen testen lassen?

Bei der Einreise aus einem internationalen Corona-Risikogebiet in die BRD gilt für die Betreffenden eine zehntägige häusliche Quarantäne. Nach frühestens fünf Tagen Quarantäne können sich die Einreisenden auf das Coronavirus testen lassen. "Ein negatives Ergebnis beendet dann die Quarantäne" , erklärt das Bundesgesundheitsministerium. Für Berufspendler gelten Ausnahmen sowie die grundsätzliche Festlegung der Bundesregierung: "Der grenzüberschreitende Verkehr von Berufspendlern ist genauso wie der grenzüberschreitende Warenverkehr gewährleistet." Soweit die Bestimmungen. Aber stellen Tschechien und Polen wirklich Infektionseinfallstore dar?

Infektionstreiber in Sachsen

Grenze
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Neben Regelmüdigkeit, Corona-Leugnerei, illegalen Familientreffen, dem hohen Bevölkerungsdurchschnitt der Sachsen wird auch die Grenznähe zu Tschechien als möglicher Infektionstreiber genannt. Zeitweise hatte kein anderes EU-Land so viele Corona-Infizierte wie Tschechien - gemessen an der Einwohnerzahl. Während des Shutdowns in Tschechien gingen viele Sachsen trotzdem via kleinem Grenzverkehr im Nachbarland einkaufen, billig tanken, in Restaurants oder Zigaretten kaufen. Umgekehrt konnten auch tschechische Bürger kurzzeitig nach Sachsen einreisen.

Der Leipziger Epidemologe Markus Scholz meint, die geografische Lage und der Grenzverkehr zu Polen und Tschechien könnten durchaus eine Rolle spielen. In den beiden Nachbarländern seien die Zahlen bereits früher gestiegen. Allerdings sei noch unklar, wie groß die Rolle des Grenzverkehrs bei den Infektionen tatsächlich sei.

Gesundheitsforscher zur Lage in Sachsen

"Deutschland wurde mit Ausnahme des Nordens von allen Rändern her angesteckt. In Sachsen zeigte sich dieser Effekt am massivsten", urteilt Prof. Dr. Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des Gesundheitsforschungsinstituts IGES GmbH in einem Beitrag der Ärztezeitung. Das Institut nannte in einem Forschungsbericht den grenzüberschreitende Verkehr einen "wahrscheinlichen Auslöser" von Coronainfektionen. Aber auch die These, dass sich die östlichen Landkreise lange Zeit in Sicherheit gefühlt haben, sei nicht von der Hand zu weisen.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.01.2021 | 19:00 Uhr

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