Risikogebiet Wieder Corona-Notstand in Tschechien

In Tschechien steigen die Corona-Infektionen seit Wochen stark an. Die Auswärtige Amt hat deshalb für das Land eine Reisewarnung ausgesprochen. Die Regierung in Prag rief jetzt erneut den Notstand für 30 Tage aus. Was bedeutet das für Sachsen?

Verkäuferinnen und Kunden in einem tschechischen einkaufsmarkt tragen Mundschutz. Das ist sieit 22.3.2020 Pflicht in Sachsens Nachbarland Tschechien.
Einkaufen in Tschechien - wie in Sachsen nur mit Mund-Nasen-Schutz. Bildrechte: MDR

In Tschechien ist in der Nacht zum Montag erneut ein nationaler Notstand in Kraft getreten. Die Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babis hatte die Ausrufung des Ausnahmezustands wegen eines "raketenhaften Anstiegs" bei den Corona-Zahlen beschlossen. Er ermöglicht es der Regierung unter anderem, Bürgerrechte wie die Versammlungsfreiheit einzuschränken und Maßnahmen ohne Zustimmung des Parlaments zu treffen.

Was bedeutet das im Einzelnen für Tschechien?

  • Für Veranstaltungen und Versammlungen in dem Land gilt eine maximale Teilnehmerzahl von zehn Personen in Innenräumen und 20 im Freien. Bei offiziellen Treffen sind bis zu 100 Personen erlaubt.
  • In Gaststätten dürfen nicht mehr als sechs Personen an einem Tisch sitzen.
  • Der Profisport muss ohne Zuschauer auskommen.
  • Kultur: Gesangsveranstaltungen wie Musicals, Chorsingen oder Opern sind für 14 Tage gestrichen. Bei Theatervorführungen und Kinos sind maximal 500 Personen erlaubt, aber ohne Pause. An Gottesdiensten in Kirchen dürfen höchstens 100 Personen teilnehmen, Gesang ist nicht erlaubt.

Können Sachsen weiterhin nach Tschechien zum Einkaufen fahren?

Ja! Die Grenzen sind anders als beim Notstand im Frühjahr weiterhin offen und auch für Geschäfte gibt es keine Einschränkungen. Es gilt aber eine Mundschutzpflicht in allen Innenräumen (Wohnungen und Hotelzimmer ausgenommen) und öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer sich nicht länger als 48 Stunden in Tschechien aufhält, muss bei der Rückkehr nicht in Quarantäne und muss sich auch nicht auf das Corona-Virus testen lassen.

Können Sachsen in Tschechien Urlaub machen?

Urlaub im Nachbarland ist zwar erlaubt, aber da eine Reisewarnung für Tschechien gilt, müssen sich Rückkehrer auf Covid 19 testen lassen und sich in Quarantäne begeben. Die Durchreise ist für alle Deutschen ohne zusätzlichen Nachweis möglich und muss den lokalen Hygienestationen auch nicht gemeldet werden. So steht es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes, die regelmäßig aktualisiert wird.

Wie funktioniert die Corona-Nachverfolgung in Tschechien?

Es gibt eine Handy-App, die aber nur wenige Menschen heruntergeladen haben, wie der tschechische Reporter Petr Kumpfe MDR SACHSEN sagte. Eine Registrierung der Gäste in Bars, Restaurants und Gaststätten gebe es nicht. Die tschechische Regierung habe diesen Vorschlag verworfen.

Corona-Infektionen in Tschechien Zuletzt war am Freitag mit 3.793 Fällen ein neuer Höchststand bei den täglichen Corona-Neuinfektionen erreicht worden. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg damit auf mehr als 78.000. Knapp 700 Menschen starben in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung in Tschechien. Laut der EU-Behörde ECDC wurden in Tschechien in den vergangenen 14 Tagen durchschnittlich 303,3 Personen pro 100.000 Einwohner mit dem Virus infiziert. Nur Spanien schneidet hier derzeit schlechter ab.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.10.2020 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

44 Kommentare

Grosser Klaus vor 3 Wochen

Jedes Land wird wohl die Anzahl akzeptabler Fälle je Tag für sich finden müssen, um die Gratwanderung zwischen Immunisierung, Schutz des Gesundheitssystems und minimierten Toten zu finden.
Man kann Infektionen nur mit einem hohen Preis verhindern, den keine Volkswirtschaft der Welt lange genug bezahlen kann.
Man kann nur seinen Platz im Kräftedreieck Infektion – Gesundheitsreserven – Toten finden in der vielleicht langen Wartezeit auf Hilfe von „außen“ (Impfstoff, wirksame Medikamente).

Grosser Klaus vor 3 Wochen

Wann endlich teilt uns das RKI mit, wie viel von den positiv Getesteten Symptome entwickeln, bzw. täglich eine Krankenhausbehandlung oder gar Intensivbehandlung benötigen.
Auch wenn das erst mehrere Tage später, also zeitlich verzögert, nach der Inkubationszeit aktuell wird.
Aber damit wäre es jedem möglich gewisse Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit und Ausbreitung der Krankheit zu ziehen, denn mit der Zahl der auf den Intensivstationen liegenden Patienten und prozentualer Angabe von Beatmeten entsteht lediglich ein partielles Bild des gesamten Krankheitsgeschehens.
Entscheidend sind doch nicht nur die derzeit etwa 400 belegten Intensivbetten, sondern die normalen, mit leichteren Fällen von Coronapatienten belegten Krankenhausbetten.
Denn alles entscheidend ist doch, wie viele der positiv Getesteten behandlungsbedürftige Symptome entwickeln.
Und diese Zahlen liegen dem RKI mit Sicherheit vor.

Grosser Klaus vor 3 Wochen

Ich habe mir tatsächlich gerade das ARD extra von gestern angeschaut. Sehr empfehlenswert.

https://www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/ard-extra/videosextern/ard-extra-die-corona-lage-344.html

Es wird darin intensiv darauf eingegangen, wie sinnlos es ist, nur auf die Infektionszahlen zu schauen, und dass sich das Krankheitsgeschehen praktisch weitgehend von den Infektionszahlen entkoppelt hat. Und noch etwas: es gibt in Deutschland in 2020 keine Übersterblichkeit. Alles sehr anschaulich mit Grafiken und Kurven unterlegt.

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