Corona-Daten-Update 18.03.2020 Coronavirus-Infektionen hierzulande deutlich unter bundesweiten Durchschnitt

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Wie man am besten die Fallzahlen der Bundesländer vergleicht und in welcher Altersgruppe in China die Sterblichkeitsrate am höchsten lag, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Frau mit Mundschutz-Maske und dem Logo des "Corona-Daten-Update"
Sich und andere schützen und Abstand zu anderen halten: Darauf wird es in den kommenden Wochen ankommen, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen. Bildrechte: MDR/IMAGO image/ Richard Hancox/Cover Images

Letztes Update: 20.11 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Die neuesten Zahlen aus den Kreisen und kreisfreien Städten der Länder im MDR-Gebiet ergeben am Abend folgendes Bild:

Hinweise zu den Daten in der Karte:

Bitte beachten: Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

Was mir heute an den Zahlen aufgefallen ist

Eigentlich wollte ich Ihnen heute aufschlüsseln, welche Altersgruppen wie häufig unter den Erkrankten vertreten sind. Allerdings hat – wie ich von Kollegen des NDR erfahren habe – das Robert-Koch-Institut (RKI) momentan technische Probleme und kann die betreffende Datenbank gerade nicht aktualisieren. Die von mir anvisierten Daten wurden zuletzt in der Nacht von Samstag auf Sonntag aktualisiert – bei einer aktuell so dynamischen Datenlage ist das gefühlt drei Jahre her. Sobald das Problem behoben ist, werde ich an dieser Stelle näher darauf eingehen. Ich kann die Probleme aber sehr gut nachvollziehen, da angesichts der momentanen Situation die RKI-Webseiten enorm viele Zugriffe verkraften müssen.

Kommen wir damit zu Sachsen-Anhalt. Hier ist die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen bis zum frühen Abend um 28 auf nunmehr 133 Fälle gestiegen. Inzwischen sind vier Personen in klinischer Quarantäne. Auffällig ist weiterhin die großen regionalen Unterschiede. Während die meisten Kreise sowie die Stadt Dessau-Roßlau nach Angaben des Sozialministeriums nur einstellige Fallzahlen gemeldet haben, stechen der Landkreis Börde (22) sowie Magdeburg (27) und Halle (29) deutlich hervor.

Da uns in den vergangenen Stunden und Tagen mehrfach die Frage nach wieder genesenen Patienten erreicht hat: Ich hatte bereits vergangenen Freitag beim Sozialministerium in Sachsen-Anhalt nachgefragt, ob und wenn ja wann Zahen dazu veröffentlicht werden. Die Antwort: Genesungsfälle werden beim RKI erfasst, allerdings mit einer sehr großen zeitlichen Verzögerung. Bislang ist in dieser Richtung noch nichts passiert, ich bleibe da aber dran.

In Thüringen hingegen konnten meine Kollegen schon von einem genesenen Patienten berichten. Die Fallzahlen sind hier bis zum Abend auf 102 gestiegen – im Vergleich zu Sachsen und Sachsen-Anhalt nach wie vor der niedrigste Wert. "Coronafrei" sind bislang weiterhin die Kreise Hildburghausen, Sömmerda und Sonneberg. Aus Sachsen wurden bis zum Nachmittag 296 Fälle gemeldet, die meisten nach wie vor aus der Stadt Leipzig.

Interessant ist an dieser Stelle der Bundesländer-Vergleich. Logisch erscheint, dass Sachsen (mehr als 4 Millionen Einwohner) mehr Corona-Fälle registriert hat als Sachsen-Anhalt (2,2 Millionen) und Thüringen (2,1 Millionen). Vergleichbar wird es, wenn man die sogenannte Häufigkeitsziffer berechnet, hier also die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Relation zur Bevölkerung. Deutschlandweit lag der vom RKI errechnete Wert bei 9,9 Erkrankten auf 100.000 Einwohnern. Das MDR-Gebiet liegt momentan deutlich darunter, Thüringen weist gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern aktuell sogar den niedrigsten Wert auf:

Zu beachten ist, dass aus Gründen der Vergleichbarkeit zwischen allen Bundesländern die Daten des RKI verwendet wurden. Diese beinhalten alle elektronisch übermittelten Fälle, die bis vergangene Nacht eingegangen waren.

Die Corona-Lage in Deutschland

Kurz überrascht hat mich heute Vormittag die Tatsache, dass das RKI seinen täglichen Veröffentlichungszeitpunkt geändert hat. Während bis gestern die Zahlen immer im Laufe des Abends mit Stand 15.00 Uhr publiziert wurden, werden die Daten ab sofort schon am Vormittag mit Datenstand 00.00 Uhr veröffentlicht. Die meisten Fallzahlen wurden wie schon in den vergangenen Tagen aus Nordrhein-Westfalen übermittelt:

Unverändert bleibt der Fakt, dass aufgrund des Meldeverzugs zwischen dem Bekanntwerden von Fällen vor Ort und der Übermittlung an das RKI zu Abweichungen zwischen den Angaben der Landesbehörden und den RKI-Zahlen kommt.

Weltweit über 207.000 Infektionen

Den Forschern der John Hopkins University (JHU) aus Baltimore (USA) zufolge sind weltweit mittlerweile über 207.000 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt geworden. Rund 83.000 Patienten sind bereits vollständig genesen, etwa 8.700 Menschen starben bislang infolge der Infektion.

In diesem Zusammenhang zum Schluss doch noch eine Altersstatistik: Das Chinesische Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) hat in einer Studie rund 45.000 bestätigte Coronavirus-Infektionen untersucht, die bis Mitte Februar in China registriert wurden. Dabei kam unter anderem heraus, dass die Sterblichkeitsrate infolge einer COVID–19-Erkrankung mit zunehmenden Alter gestiegen ist:

Generelle Einschätzung der Daten: Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommune, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Datenübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. März 2020 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

Realist62 vor 43 Wochen

Zitat: ,,Wie stark korreliert zumindest in der ersten Phase der Ansteckungen das Einkommen, der Bildungsgrad oder auch die Wohngegend mit der Zahl der Infektionen?". Das wäre wahrscheinlich für Soziologen nteressant.

Harry 65 vor 43 Wochen

Bei uns fällt es mir auch auf das vor allem Jugendliche , Kinder und auch "ältere", die Anweisung nicht ernst nehmen sich nicht in größeren Gruppen aufzuhalten!!! .Aber um dem entgegenzuwirken fehlen eben Kontrollorgane. Aber eigentlich müsste man von selber wissen, das diese Anordnung für etwas gut ist. Aber heutzutage ist man sich eben selbst der nächste. Einfach keine GEMEINSCHAFT mehr. Hoffe trotzdem das wir es überstehen trotz dieser Leute und Hamsterkäufer .

ElBuffo vor 43 Wochen

Die ganzen Rentner in den Cafés und sonstwo in der Öffentlichkeit sind aber nicht aufgefallen? Mir ist angesichts der Zahlen zur Sterblichkeitsrate auch ein bißchen unklar, was es bringen soll, dass ausgerechnet Kinder und die arbeitende Bevölkerung den ganzen Schlamassel ausbaden soll. Wäre es nicht wesentlich effektive und mit deutlich weniger Nebenwirkungen verbunden, wenn die Generation 70+ und besonders gefährdete Gruppen von der Öffentlichkeit ferngehalten werden?
Das ist im Moment ein bißchen so, als würde man rings um den stadtbekannten Pyromanen die Häuser abreißen, damit sich das Feuer nicht ausbreitet, anstatt den Pyromanen auszuquartieren.