Corona-Daten-Update 19.03.2020 Zwei Landkreise noch immer ohne Coronavirus-Infektion

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Welche Landkreise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu den letzten ohne bestätigte Coronavirus-Infektion in Deutschland gehören und inwieweit Deutschland noch immer fast identische Fallzahl-Zuwachsraten wie Italien vor einigen Tagen hat, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Letztes Update: 19.52 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Die neuesten Meldungen aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten im MDR-Gebiet ergeben am Abend folgende Corona-Lage:

Hinweise zu den Daten in der Karte:

Bitte beachten: Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

Was mir heute an den Zahlen aufgefallen ist

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der gemeldeten Erkrankungen seit gestern Abend um 41 auf nun 174 gestiegen. Dabei ist insbesondere in Halle die Fallzahl nochmals deutlich angestiegen und liegt mittlerweile bei 40. Im Gegensatz dazu meldeten die Landkreise Mansfeld-Südharz, Jerichower Land und der Altmarkkreis Salzwedel jeweils erst drei Fälle. Die Zahl der im Freistaat Sachsen registrierten COVID–19-Erkrankungen ist ebenfalls wieder deutlich gestiegen. Seit dem ersten Corona-Fall am 02. März gibt es inzwischen 389 infizierte Personen – fast 100 mehr als gestern. Mit Abstand die meisten kommen dabei nach wie vor aus Leipzig, gefolgt von Dresden und dem Landkreis Zwickau.

In Thüringen wurde am Vormittag die erste Corona-Infektion im Landkreis Sömmerda gemeldet – bis dato einer der letzten verbliebenen Kreise in Deutschland ohne Corona-Fall. Zu dieser Kategorie zählen nach wie vor die Landkreise Hildburghausen und Sonneberg. Insgesamt geht aus den landesweit recherchierten Daten meiner Thüringer Kollegen hervor, dass auch dort die Fallzahlen deutlich angestiegen und mittlerweile 151 Infektionen bekannt geworden sind. Eine erfreuliche Nachricht: Drei Infizierte sind bereits von ihrer Erkrankung genesen. Woher sie stammen, können Sie der Karte meiner Kollegen entnehmen.

Um auch in den kommenden Tagen und Wochen den Überblick über die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern zu behalten, habe ich aus Daten des RKI – aus Gründen der Vergleichbarkeit, Sie erinnern sich – zwei Übersichten zusammengestellt:

  1. Entwicklung der Fallzahlen pro Bundesland
  2. Entwicklung der Fälle pro 100.000 Einwohner

Die Fallzahlen in Relation zur Einwohnerzahl dürfte Ihnen noch aus dem gestrigen Corona-Daten-Update bekannt sein – ansonsten können Sie hier noch einmal nachlesen. Eine Besonderheit hat die folgende Grafik: Sie können über die Buttons "weiter" und "zurück" zwischen den beiden eben beschriebenen Ansichten hin und her wechseln:

Zu beachten ist nach wie vor, dass die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) alle elektronisch übermittelten Fälle beinhalten, die bis vergangene Nacht eingegangen sind. Angaben direkt aus den Bundesländern können also – wie bereits in der Vergangenheit erwähnt – abweichend sein. Zu diesem Thema habe ich heute übrigens auch mit meinem Kollegen Andreas Neugeboren bei MDR UM 11 gesprochen:

Die Corona-Lage in Deutschland

Bis zur vergangenen Nacht wurden genau 10.999 labordiagnostisch bestätigte Infektionsfälle aus nahezu allen Städten und Landkreisen an das RKI übermittelt. Von den Erkrankten sind 56 Prozent männlich und 44 Prozent weiblich. Die Hälfte aller Erkrankten ist älter als 47 Jahre, die Altersspanne reicht von 0 bis 98 Jahren.

Seit dem 09.03.2020 sind bislang 20 Personen in Deutschland an einer COVID-19-Erkrankung verstorben, davon acht aus Bayern und je sechs aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Alle Verstorbenen waren älter als 65 Jahre, im Durchschnitt lag das Alter der Todesfälle bei 81 Jahren. Die Fallzahlen der einzelnen Bundesländer:

An dieser Stelle möchte ich noch einen Blick auf die Entwicklung der Fallzahlen in Deutschland und anderen europäischen Länder eingehen. Dazu verwende ich die öffentlich verfügbaren Daten der John Hopkins University (JHU) aus Baltimore (USA). Was auffällt: Die Fallzahl-Kurven aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich ähneln sich sehr:

Schon öfter wurde hier und an anderer Stelle besonders über die parallele Fallzahl-Entwicklung von Italien und Deutschland gesprochen. Nach einem langsamen Beginn steigen die Kurven immer rascher. Dabei ist der Anstieg nicht linear – steigt also beispielsweise jeden Tag um etwa 100 oder 200 Fälle an – sondern exponentiell. Das bedeutet, dass sich die Fallzahlen innerhalb eines Zeitabschnitts verdoppeln. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung liegt die Verdopplungsrate in Deutschland momentan bei 2,9 Tagen, in Italien sind es dagegen mittlerweile 4,9 Tage.

Bei meiner ersten Italien-Deutschland-Betrachtung am vergangenen Freitag waren die Daten-Kurven beider Länder nahezu identisch, wenn man einen Zeitunterschied von zehn Tagen zugrunde legte. Damals hatte ich allerdings Zahlen der WHO verwendet, die im Vergleich zur JHU aber mittlerweile ein bis zwei Tage hinterherhinken. Die folgende Betrachtung – nun mit einem Abstand von acht Tagen – zeigt ein fast identisches Bild: Die Zahl der Infektionen mit den neuartigen Coronavirus nehmen in Deutschland immer noch im selben Maße zu wie in Italien vor etwas mehr als einer Woche:

Abzuwarten bleibt, ob und wenn ja wann sich die Maßnahmen zur Verlangsamung der Corona-Pandemie sowohl in Italien als auch in Deutschland in den Statistiken niederschlagen werden – und ob wieder eine zeitlicher Abstand sichtbar wird. Ich behalte die Entwicklungen für Sie auf alle Fälle weiter im Auge.

Corona-Situation weltweit

Wie sich die Zahl der Infektionen, Genesungen und Todesfälle weltweit entwickelt, können Sie in folgenden Grafiken nachlesen. Auch hier können Sie mithilfe der Buttons "weiter" und "zurück" zwischen verschiedenen Ansichten hin und her wechseln:

Generelle Einschätzung der Daten: Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommune, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Datenübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir starten am Montag, 23. März mit einem neuen Newsletter: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR UM 11 | 19. März 2020 | 11:00 Uhr

9 Kommentare

artep vor 50 Wochen

Diese jugend ist doch garnicht dazu erzogen, Anordnungen zu befolgen. Die kennen nur Freiheit. Man hat dieser jugend sogar schulschwänzen erlaubt und ihnen das Feindbild des alten wissen Mannes gelassen. Also jetzt nicht sich über die Jugend beschweren.

Petra Stein vor 50 Wochen

@Lutz Z. Wenn wir die Zahlen hätten, könnten wir die logarithmierten Werte schnell mit einer Excel-Graphik darstellen. - Das ist etwas für den MDR-Redakteur bzw. eine studentische Praktikantin. Korrelationen würden mich nach wie vor interessieren: Wohngegend, Universitätsstadt ja/nein (da gerade vorlesungsfreie Zeit ist und Studierende und Akademiker/innen viel reisen). Warum betrifft es mehr Männer als Frauen? Sind diese empfindlicher oder unvorsichtiger? Warum sind gerade Sonneberg und Hildburghausen (beides in Südthüringen) noch Corona-frei? Wird dort weniger getestet oder weniger gereist? Unis gibt es dort jedenfalls nicht.

Ich finde diese Zusammenfassung sehr gut und komme extra von Thüringen auf diese Seite.

Realist62 vor 50 Wochen

Gerade diesen ,,Glauben" sollten jetzt ,,klugerweise" Soziologen aufgreifen. Denn diese Corana-Krise bietet ,,dummerweise" gewisse Chancen um gewisse Studien zu betreiben( auch im Hinblick auf die junge Generation). Hier sollten Viro- und Soziologen zusammenarbeiten.
Übrigens in Halle/ Saale kann man wirklich nicht von einem liberalen Oberbürgermeister schreiben.