01.04.2020 | 14:45 Uhr Fernbeziehung mit Ausgangsbeschränkung

Fernbeziehungen sind geprägt von Verabschiedungen und Wiedersehen. Von den wenigen Momenten, die das Paar zusammen verbringen kann und der Wartezeit dazwischen. Viele zählen die Tage herunter, bis sie sich wieder in den Armen liegen. Doch in Zeiten der Ausgangsbeschränkung wird aus dem "dann" ein "vielleicht". Zwei Sachsen erzählen die Geschichte ihrer Fernbeziehungen in der aktuellen Situation.

Ankunft mit der Eisenbahn - Eine Frau streckt freudig die Arme zur Begrüßung aus dem Zugfenster.
Abschied am Bahnhof: Eine Situation, die viele in einer Fernbeziehung nachvollziehen können. Bildrechte: IMAGO

"Ich wohne in Leipzig, mein Partner in Karlsruhe", sagt Nadine Jeziorowski. "Das sind 508 Kilometer." Sie kennt wie viele andere Menschen in einer Fernbeziehung die exakte Kilometerzahl, die sie von ihrem Partner trennt.

Seit zwei Jahren sind sie ein Paar. Zwei Jahre, die vom Pendeln geprägt sind. Alle 14 Tage besuchen sie sich. "Sonst haben wir immer die Tage runtergezählt", so Jeziorowski. "Heute müssen wir von Tag zu Tag leben."

Planen fällt schwer

Das Coronavirus und die damit verbundenden Ausgangsbeschränkungen machen es schwer zu planen: "Wir denken jeden Tag darüber nach, dass es vielleicht bald ausgeschlossen ist, dass wir uns sehen", erzählt die 38-Jährige.

Am letzten Wochenende habe sie ihren Partner zum letzten Mal gesehen. Lange haben beide versucht, Auskunft an den jeweiligen Bürgertelefonen zu erhalten. "Wir waren uns unsicher, ob es noch erlaubt ist, uns zu besuchen", so Jeziorowski. Schließlich erreichten sie jemanden und erfuhren, dass sie sich sehen können. "Zur Sicherheit haben wir unsere Ausweise gegenseitig fotografiert."

Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander. Zwischen ihnen ein Schild mit den Worten "Abstand halten"
Bildrechte: MDR / panthermedia

Auch das Zusammensein sei nicht mehr unbeschwert. "Wir wurden am Wochenende komisch angeguckt, als wir auf der Straße geknutscht haben", erzählt die Leipzigerin. "Aber wir haben doch nur diese vier Tage im Monat."

Vorerst nicht mehr mit der Bahn nach Karlsruhe

Normalerweise fährt Nadine Jeziorowski mit der Bahn nach Karlsruhe. "Ich bin zuletzt vor vier Wochen gefahren", sagt sie. "Da konnte ich vor der Rückfahrt die ganze Nacht nicht schlafen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob der Zug noch fährt und ob es da vielleicht jemand hat." Auf Dauer werde sie sich die Fahrt mit dem Auto nicht leisten können.

In der aktuellen Situation fehle ihr der Partner besonders. "Vor allem, wenn ich am Wochenende mit meiner Tochter unterwegs bin und man sieht, dass andere Eltern sich haben", sagt sie.

Es ist eine komische Situation. Niemand weiß, was passiert. Was passiert, wenn einer von uns das Virus hat?

Nadine Jeziorowski

Natürlich gebe es auch Sorgen, um die Gesundheit des Partners. "Aber ich bin da entspannter als er", erzählt sie. "Ich habe schon etwas Angst, aber wir sind beide alt genug, um uns zu schützen."

Ausgangsbeschränkung erschwert die gemeinsame Zeit

Wenn sie sich sehen, ist das Paar eigentlich viel unterwegs. "Es gibt für uns noch so viel zu sehen und zu erleben", sagt Jeziorowski. Die Ausgangsbeschränkungen setze ihnen sehr zu. "Man lernt sich jetzt von einer ganz anderen Seite kennen." Es wäre schön, endlich wieder ein anderes Thema zu haben.

Für eine Sache sei ihre Fernbeziehung in der aktuellen Situation aber auch gut: "Ich kann mein komplettes Augenmerk auf meinen Job und meine Tochter richten. Und dann völlig erledigt ins Bett fallen."

Zwönitzer sieht kaum Einschränkungen in seiner Fernbeziehung

Auch der 54-jährige Falk Jenkner führt eine Fernbeziehung. "Wir wohnen 88 Kilometer voneinander entfernt und sehen uns jedes Wochenende", erzählt er. Seit sechs Jahren sind sie zusammen, können aber aus beruflichen Gründen nicht zusammenziehen. Er ist Beamter beim Landkreis und sie stellvertretende Schulleiterin.

Im Moment hätten sie durch die Situation keine Nachteile. "Wir haben uns vorsichtshalber ein Blatt ausgedruckt, dass wir zusammen sind und es gegenseitig unterschrieben", sagt Jenkner. Ansonsten habe sich nicht viel geändert. Sie seien nie besonders viel ausgegangen. "Wir hatten sonst oft Gäste zum Grillen. Das müssen wir natürlich einschränken", so der 54-jährige Zwönitzer. "Es tut aber auch ganz gut, auch mal zu entschleunigen."

Quelle: MDR/al

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