18.04.2020 | 16:19 Uhr Wie sich Schulen in Sachsen auf den Neustart vorbereiten

Ein Klassenzimmer, Blick zu einer Tafel auf der Viren gemalt sind und ein Text
Bildrechte: Imago/Panthermedia

Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen von Gymnasien, Beruflichen Schulzentren, Oberschulen und Förderschulen dürfen ab nächster Woche wieder in ihre Schulen. Die Lehrkräfte kehren bereits ab Montag an ihren Arbeitsplatz zurück, um die Prüfungen vorzubereiten. Nicht das einzige, was sie jetzt zu tun haben. Denn auch in den Schulen müssen die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus umgesetzt werden. Heißt: Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden. MDR SACHSEN hat mit drei Schulleiterinnen gesprochen, wie sie aktuell mit der Situation umgehen.

Dagmar Schulz, Oberschule Kitzscher: "Wir bekommen das gut hin."

MDR SACHSEN: Frau Schulz, wie ist die Situation vor Ort?
Dagmar Schulz: "Am Montag werden sich die Lehrer zu einer ersten Dienstberatung treffen. Da werden wir prüfen, wie der Stand aus den Aufgaben der Lernzeit zu Hause ist und vor allem, welche Lerninhalte in Hinblick auf die anstehenden Abschlussprüfungen noch gezielt behandelt werden müssen. Wir wollen unsere Schüler bestmöglich vorbereiten, denn am Mittwoch beginnt für zwei Abschlussklassen der Unterricht.“

Was müssen Sie noch umsetzen?
Dagmar Schulz: "Am Dienstag beginnen wir damit, im Schulgebäude die Hygienestandarts umzusetzen. Zum Beispiel müssen Stühle und Tische noch verschoben werden, um den Mindestabstand einzuhalten. Zudem muss in jedem Raum Desinfektionsmittel stehen. Über das Starterpaket des Freistaates mit Desinfektionsmittel und Mundschutz sind wir sehr froh. Die Schüler werden dann vor Beginn des Unterrichts genau zu den Hygieneregeln belehrt. Klären müssen wir noch, wie wir drei unserer Kollegen, die prüfungsrelevante Fächer lehren, aber zur Risikogruppe gehören, schützen, bzw. entlasten können.“

Durchsichtige Plastiksäcke gefüllt mit Mundschutzmasken
Für zahlreiche Schulen in Sachsen gab es vom Freistaat am Freitag Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel als Starterpaket. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Sind Sie zuversichtlich, dass sie alles bis Mittwoch geregelt bekommen?
Dagmar Schulz: "Da wir eine kleine Schule sind mit wenig Abschlussschülern, denke ich, wir bekommen das gut hin. Gespannt bin ich darauf, wie viele Fußballschals ich ab Mittwoch als Mundschutz zu sehen bekomme. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen Lehrern, vor allem den Klassenlehrern bedanken, für das, was sie in den letzten vier Wochen gestemmt haben."

Anja Unger, Berufliches Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung Dresden: "Sind gut aufgestellt."

MDR SACHSEN: Frau Unger, wie ist die Situation vor Ort?
Anja Unger: "Wir bereiten seit Dienstag die Wiedereröffnung gezielt vor. Als erstes haben wir uns mit den Hygienevorschriften beschäftigt. Die neuen Regelungen wurden bereits an alle Mitarbeiter und Schüler verschickt. Zusätzlich werden sie noch in den Schulgebäuden ausgehangen. Unser Ziel ist es, dass Infektions-und Erkrankungsrisiko für unsere Lehrer und Schüler so gering wie möglich zu halten. Am Montag starten wir dann mit Beratungen und Unterricht in kleinen Gruppen. Maximal zwölf Schüler, je nach Raumgröße, um die Prüfungsvorberteitungen zu sichern.“

Was müssen Sie noch umsetzen, bzw. was haben Sie schon umgesetzt?
Anja Unger: "Unser Hausmeister hat mit der Reinigungsfirma unserer Schule Rücksprache gehalten und intensiv darüber beraten, welche zusätzlichen Reinigungen ab jetzt durchgeführt werden müssen. Zudem werden an allen Eingängen Desinfektionsmittel aufgestellt. Dort muss jeder Schüler beim Betreten der Schule seine Hände desinfizieren, was von uns auch kontrolliert wird. Jeder Lehrer erhält ein Flächendesinfektionsmittel. Alle Angestellten und Schüler erhalten Mund-Nasen-Schutzmasken, wobei auch ein eigener Mundschutz möglich ist.

leeres Klassenzimmer mit Stühlen auf den Tischen
So eng werden die Tische in den Klassenzimmern künftig nicht mehr stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Während des Unterrichts werden die Zimmertüren offen gehalten, damit die Türklinke möglichst wenig angefasst werden muss. Auch werden wir öfter lüften. Da in jedem Raum ein Waschbecken vorhanden ist, können die Schüler das auch während des Unterrichts nutzen. Auch Einweghandschuhe sind vorhanden, die vor allem für die Arbeit im Computerraum benötigt werden. In einer Berufsschule ist auch die Anreise zu bedenken, da die Schüler oft von weiter her kommen. Wir konnten uns mit einem Studentenhostel arrangieren, dass unsere Schüler Einzelzimmer bekommen.“

Sind Sie zuversichtlich, dass sie alles bis Mittwoch geregelt bekommen?
Anja Unger: "Wir bereiten uns schon länger auf die Wiedereröffnung vor und haben uns viele Gedanken gemacht, daher sind wir gut aufgestellt, vor allem dank unserer Hausmeister.“

Petra Seidel, Grundschule Mochau (Döbeln): "Es ist machbar."

Ein Schild mit der Aufschrift «Schule geschlossen» hängt an der Eingangstür des Gymnasiums in Bad Waldsee in Baden-Württemberg
Noch bis zum 3. Mai bleiben Grundschulen im Freistaat geschlossen. Bildrechte: dpa

MDR SACHSEN: Frau Seidel, die Grundschulen bleiben noch weiter geschlossen. Doch auch Sie müssen sich Gedanken machen, wie Sie die Hygiene- und Abstandsregeln umsetzen wollen, um vielleicht im Mai wieder in den Schulalltag zu starten. Laufen bei Ihnen bereits erste Vorbereitungen?
Petra Seidel: "Bislang habe ich wenig Informationen erhalten, wie die Grundschulen sich bezüglich der Hygieneregeln aufstellen sollen. Mein Kollegium und ich treffen uns aber am Montag, um zu überprüfen, welcher Lernstoff gegebenenfalls wiederholt werden muss. Auch wollen wir bereits das Personal einplanen, da zwei meiner Kollegen zur Risikogruppe gehören. Und natürlich werden wir über einen Hygieneplan sprechen."

Glauben Sie, dass die derzeit geltenden Vorschriften auch bei Ihnen umsetzbar sind?
Petra Seidel: "Ich denke es ist machbar. In den kleinen Klassen können die Kinder so gesetzt werden, dass es genügend Abstand gibt. Eine Hofpause im herkömmlichen Sinne wird es dann allerdings nicht geben. Der Lehrer bestimmt, wer wann Pause machen darf. Selbst Toilettengänge können wir staffeln und damit das Aufeinandertreffen der Schüler weitestgehend verhindern.
Problematisch finde ich dagegen, dass wir kein warmes Wasser in den Klassenzimmern haben, auch bislang keinen Mundschutz für das Personal und ich noch nicht weiß, wie wir das Mittagessen regeln sollen. Auch sehe ich den Schülerverkehr kritisch. Bislang wurden bis zu 50 unserer Schülerinnen und Schüler mit einem Schulbus befördert. Da hoffe ich, dass künftig mehr Busse eingesetzt werden."

Glauben Sie, dass die Grundschüler die Regeln verstehen und sich daran halten?
Petra Seidel: "Das Coronavirus wird bei uns rund um Döbeln nicht so wahrgenommen, da es hier nur wenig Fälle gibt. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Abstandsregeln auch kleinen Kindern gut beizubringen sind. Man braucht zwar einen langen Atem, Ausdauer und Konsequenz, aber Kinder verstehen oft mehr, als wir Erwachsenen glauben."

Quelle: MDR/bb

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