01.06.2020 | 15:30 Uhr Studie: Verlust des Geruchssinns bei Coronavirus-Infektion möglich

Noch stehen wir am Anfang der Erforschung des neuartigen Coronavirus. Eine groß angelegte Befragung hat nun ergeben, dass eine Coronavirus-Infektion zum Verlust des Geruchssinns führen kann. Da sich die Zellen jedoch regelmäßig erneuern, klingt die Geruchsstörung bei vielen Betroffenen wieder ab. Auch eine andere Studie komm zum selben Ergebnis. Die Ergebnisse anderer Studien zum Coronavirus lassen noch auf sich warten.

Corona-Test positiv Covid-19
Bildrechte: imago images/MiS

Eine weltweit durchgeführte Online-Befragung hat ergeben, dass eine Coronavirus-Infektion zum Verlust des Geruchssinns führen kann. Wie das Uniklinikum Dresden, das an der Analyse der Antworten beteiligt war, mitteilte, greift das Virus offenbar Zellen des Riechepithels an und sorgt so für einen Ausfall der Rezeptoren. Da sich diese Zellen jedoch regelmäßig erneuern, klinge die Geruchsstörung bei vielen Betroffenen auch wieder ab. Das Phänomen geht, anders als etwa bei einem grippalen Infekt, nicht mit einer verstopften Nase einher, so das Klinikum weiter.

Riechepithel Das Riechepithel, auch Riechschleimhaut genannt, ist die Schleimhaut, mit der die Nasenhöhle im obersten Bereich bedeckt ist. Die darin enthaltenen Riechsinneszellen sind für unseren Geruchssinn verantwortlich.

Groß angelegte Studie

Die Ergebnisse der Studie beruhen auf Online-Befragungen von 4.000 Patienten aus mehr als 40 Ländern. Die meisten Studienteilnehmer stammen aus den USA, Frankreich und Italien. Sie alle waren zuvor an der Lungenkrankheit COVID-19 erkrankt.

Professor Thomas Hummel
Hummel ist außerdem Leiter des interdisziplinären Zentrum "Riechen und Schmecken". Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Wir erleben aber auch in Deutschland immer mehr ehemalige Corona-Patienten, die nach der Erkrankung über eine eingeschränkte Riechfähigkeit klagen.

Thomas Hummel Oberarzt an der HNO-Klinik des Dresdner Uniklinikums

Die Angabe, dass viele Patienten parallel dazu auch Veränderungen bei der Geschmackswahrnehmung berichten, könnte laut Hummel ein Interpretationsfehler sein. Was viele Menschen vermissen, sind die Aromen der Lebensmittel, für dessen Wahrnehmung es das Zusammenspiel mit dem Geruchssinn braucht, so Hummel.

Andere Studie kommt zu ähnlichem Ergebnis

Die am 11. Mai im medizinischen Fachjournal "Nature" veröffentlichte Studie "Echtzeit-Verfolgung von selbstberichteten Symptomen zur Vorhersage bei potentieller COVID-19" (übersetzt aus dem Englischen) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie wurde mit Hilfe einer Smartphone-App in Großbritannien und den USA durchgeführt. Von den über zwei Millionen erreichten Studienteilnehmern, gaben 7.178 Leute an, positiv auf das Coronavirus getestet worden zu sein. 65 Prozent dieser Corona-Infizierten gaben an, an Geruchsverlust zu leiden.

Weitere Studien zum Coronavirus in Sachsen

Noch gibt es eine Menge ungelöster Fragen rund um das neuartige Coronavirus. Eine dieser Fragen versucht ein Forscherteam der Uni Leipzig auf den Grund zu gehen. Mit Hilfe einer großangelegten Studie in Sachsen will das Team herausfinden, wie ansteckend Kinder mit Corona sein können. Bereits seit vergangener Woche testet das Team an Schulen im Raum Dresden und Bautzen. Nun ist es auch in Leipzig losgegangen. Wann erste brauchbare Ergebnisse veröffentlicht werden können, ist noch unklar.

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.06.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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