Planung in Corona-Zeiten Corona: Wird es in Sachsen Weihnachtsmärkte geben?

Weihnachtsmarkt Annaberg-Buchholz
Werden die Weihnachtsmärkte - hier der Markt in Annaberg-Buchholz - in diesem Jahr stattfinden? Die Entscheidung über jeden einzelnen Markt würde individuell je nach Infektionslage getroffen, hieß es vom Ministerium. Bildrechte: BUR

Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Das könnte man fast meinen, sieht man den Nussknacker in der Sommersonne auf dem Dresdner Neumarkt leuchten. Dort, wo sich im Dezember tausende Menschen auf dem Striezelmarkt tummeln, wurde am Donnerstagvormittag das Schicksal der sächsischen Weihnachtsmärkte besprochen. Fest steht: Die Pandemie ist nicht gebannt, es gibt täglich neue Infektionsherde und die Weihnachtsmärkte sind ein großer Wirtschaftsfaktor. Doch wie lässt sich das zusammenbringen? Können die Sachsen im Dezember über die Märkte schlendern?

Ministerin Barbara Klepsch und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert
Pressetermin auf dem Altmarkt: Die Sommersonne brennt, doch Weihnachten ist jetzt schon hochaktuell. Märkte müssem lange geplant werden. Ob Sachsens Weihnachtsmärkte in diesem Jahr öffnen, hängt vom Infektionsgeschehen ab. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Weihnachtsmärkte von Zahl der Infektionen abhängig

Die Botschaft: Es kann jetzt keine verbindlichen Entscheidungen geben, über jeden Markt wird individuell entschieden. Ziel: Alle Weihnachtsmärkte sollen stattfinden, neue Raumkonzepte werden entwickelt. Die Kommunen arbeiten bereits an Konzepten. Ein Weihnachtsmarkt-Forum soll zudem den Austausch aller Beteiligten sichern. "Wir wollen, dass die Märkte in Sachsen durchgeführt werden", erklärte Barbara Klepsch, sächsische Ministerin für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Sie seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sowie ein bedeutendes Kulturgut mit langer Tradition. "Weihnachtsmärkte sind mehr als nur Orte, an denen man sich trifft und Bratwurst ist." Allerdings müsse zum Schutz der Gesundheit verantwortungsbewusst entschieden werden.

Ministerin Barbara Klepsch und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert
Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch will im Weihnachtsmarkt-Forum intensiv über aktuelle Situation sprechen - auch mit Frederic Günther, Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller und dem Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel sowie dem Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert. (v.l.) Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Individuelle Entscheidung über jeden Markt

Laut der Ministerin müsse je nach Infektionslage und Gegebenheiten jeder Weihnachtsmarkt individuell betrachtet werden. Wichtig sei der intensive Austausch mit allen Beteiligten, vom Gesundheitsamt bis zum Dehoga-Gaststättenverband. "Wir wollen nicht, dass die Märkte zu Hotspots werden", erklärte Klepsch. Trotzdem sollten sie attraktiv sein und ein vorweihnachtliches Gefühl vermitteln.

Hilbert: "Viele tausend Arbeitsplätze auf Märkten in Dresden"

Doch wie soll das aussehen? Plexiglas am Glühweinstand, Zutrittskarten und Kontaktverfolgung? "Es wird nicht funktionieren, einen Weihnachtsmarkt eingezäunt und mit einer Nachverfolungsapp umzusetzen", erklärte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Man werde trotzdem in Dresden versuchen, Weihnachtsmärkte unter Corona-Bedingungen zu ermöglichen. "Von den Weihnachtsmärkten hängen viele tausend Arbeitsplätze allein in der Stadt Dresden ab", sagte Hilbert. "Wir werden in Dresden mit allen Marktveranstaltern sprechen und nach Konzepten suchen." Wichtig seien die Rahmenbedingungen mit wohl überlegten Rechtsverordnungen für Märkte.

Ministerin Barbara Klepsch und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert
Nussknacker können auch Sommersonne: Über Weihnachtsmärkte im ersten Corona-Dezember wird gerade intensiv beraten: Ministerin Barbara Klepsch und Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert hoffen auf niedrige Infektionszahlen. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Wenig Hoffnung auf Indoorverstaltungen im Dezember

Der Dresdner Oberbürgermeister machte indes wenig Hoffnung auf Veranstaltungen in geschlossenen Räumen zur Weihnachtszeit. Für Konzerte, Christmetten, Opern und Schauspiel dürfte das schwierig werden. "Wir werden uns im Dezember keine großen Indoorveranstaltungen erlauben können", erklärte er. Jetzt sei jedoch die Chance, neue Raumkonzepte zu entwickeln. Vorstellbar seien beispielsweise Veranstaltungen im Freien im Zusammenarbeit mit dem Zwinger, den Dresdner Schloss oder vielen anderen Institutionen. Dies könne auch mit Teilen des Weihnachtsmarktes gekoppelt werden. Die Kultur könne hier sicher gute Akzente setzen, erklärte Hilbert. Man versuche das möglich zu lassen, was "die Topographie der Stadt zulasse".

Abendstimmung über dem Altmarkt, wo am 27.11.2019 der Striezelmarkt offiziell eröffnet wurde. Jetzt können die Besuchermassen bis zum 24.12.2019 strömen
Der Dresdner Striezelmarkt lockt jährlich tausende Besucher aus ganz Deutschland. In diesem Jahr wird alles ganz anders sein. Bildrechte: Christian Essler

Dresdens Oberbürgermeister sieht keine Märkte vor dem Totensonntag

Der Idee die Weihnachtsmärkte zeitlich zu entzerren und schon früh im November zu öffnen steht Hilbert kritisch gegenüber. "Ich halte nichts davon, die Weihnachtsmärkte vor den Totensonntag zu legen", erklärte er. "Das wird uns nicht retten." Bestimmte Werte sollten nicht einfach über Bord geworfen werden.

Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge hoffen auf Weihnachten

Was für Touristen ein kleiner Weihnachtsausflug ist, bedeutet für viele Kunsthandwerker die Existenz. Darauf machte Frederic Günther, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller aufmerksam. "Für das Erzgebirgische Kunsthandwerk ist das Weihnachtsgeschäft traditionell die umsatzstärkste Zeit des Jahres",, erklärte er. Bereits im Lockdown hätten viele Händler empfindliche Verluste erlitten. Fehle jetzt zusätzlich das Weihnachtsgeschäft sei dies ein doppelt schwerer Schlag. "Wir hoffen, dass die Corona-Kompromisse so aussehen, dass es sich für uns lohnt.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Sachsenspiegel | 30.07.2020 | 19:00 Uhr

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