Ein Kamerateam steht mit einem Mann vor einem Umgebindehaus
Bildrechte: MDR/CHristoph Stelzner

Filmprojekt Seltene Deutsche Mundarten in Tschechien

Knapp 19.000 Menschen bekennen sich heute noch zur deutschen Minderheit in Tschechien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mehrzahl der Deutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben, nur wenige durften bleiben. Deutsch verschwand aus dem öffentlichen Leben und wurde oft nur noch in den Familien gesprochen. Die Vielzahl und Einzigartigkeit dieser inzwischen fast ausgestorbenen Dialekte dokumentiert das Projekt "mundArt" der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik.

von Christoph Stelzner

Ein Kamerateam steht mit einem Mann vor einem Umgebindehaus
Bildrechte: MDR/CHristoph Stelzner

Nicht mal ein Prozent der Gesamtbevölkerung in Tschechien gehört zur deutschen Minderheit. Laut einer Volkszählung von 2011 leben noch etwa 18.700 Deutsche in Tschechien. Vor dem Zweiten Weltkrieg und der darauffolgenden Vertreibung der Deutschen aus der damaligen Tschechoslowakei lag dieser Anteil noch bei rund 30 Prozent. Nur wenige durften während der Vertreibung bleiben. Dabei handelte es sich entweder um tschechisch-deutsche Familien, um erklärte "Antifaschisten" oder um unabkömmliche Facharbeiter. Deutsch verschwand aus dem öffentlichen Leben und wurde nur noch in den Familien gesprochen.

Mundart wie in der Zeit "eingefroren"

Gerade die älteren Deutschen in Tschechien zwischen Böhmerwald und Altvatergebirge versuchen, vor allem ihre Mundart bis heute zu pflegen. Um diese Sprachschätze für die Nachwelt zu bewahren, ist derzeit ein Filmteam in Tschechien unterwegs. Weil ihre Mundart einzigartig ist und kaum durch äußere Einflüsse verändert wurde, möchte sie Simon Römer von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik für die Nachwelt auf Video festhalten. Denn in 20 bis 30 Jahren, so schätzt er, werden diese Dialekte wie etwa Ostmitteldeutsch im Norden von Tschechien, Ostfränkisch im Nordwesten oder Mittelbairisch im Süden schlicht ausgestorben sein, da keiner mehr da ist, um diese Mundarten zu pflegen.

Heimatverliebene hatten es oft schwer

Die so genannten "Heimatverbliebenen" Deutschen und ihre Nachkommen pflegen in Begegnungszentren bis heute ihre Kultur. Zu ihnen zählt Johann Müller aus dem tschechischen Rumburg, der für das Mundart-Porjekt auch mit der Kamera besucht wurde. Er fühlt sich als Oberlausitzer im Schluckenauer Zipfel. Seine Mundart ist der aus dem deutschen Teil der Oberlausitz sehr ähnlich. Als Kind war es für "Jan Miller", wie er in Tschechien genannt wird, in der damaligen Tschechoslowakai nicht immer einfach. Aus dem Hass der Tschechen auf Nazi-Deutschland wurde ein Hass auf alles Deutsche: "In der Schule wurde ich ein paar mal verprügelt." Später habe er jedoch weniger Probleme als Deutscher in Tschechien gehabt. "Heute wollen wieder viele Tschechen Deutsch lernen, aus wirtschaftlichen Gründen im Grenzegebiet." dass sei für Johann Müller ganz normal, der Lauf der Dinge eben.

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2017, 08:39 Uhr

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