20.02.2020 | 14:32 Uhr Diakonie Sachsen fordert Maßnahmen gegen Alkohol-Missbrauch

Alkohol ist in Sachsen die am meisten konsumierte Droge. Rund 6.800 Menschen kamen 2018 mit einem Suchtproblem in die Beratungsstellen der Diakonie. Die kirchliche Einrichtung will das Bewusstsein für problematischen Konsum schärfen und hat einen Maßnahmenkatalog aufgestellt: Dazu gehören eine bessere Aufklärung, besonders in den Schulen und eine Null-Prozent-Grenze für Autofahrer.

Ein Mann sitzt an der Bar.
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Nach Einschätzung der Diakonie Sachsen hat im Freistaat mehr als ein Drittel aller Erwachsenen ein Alkoholproblem. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Dietrich Bauer MDR SACHSEN. Über 150.000 Menschen seien suchtgefährdet. Acht von zehn Frauen in Deutschland trinken seinen Angaben zufolge regelmäßig Alkohol in der Schwangerschaft und schädigen somit ihr Kind.

Problematisch ist nach Angaben der Diakonie auch der Umgang von Jugendlichen mit Alkohol. Die Zahl von Alkoholvergiftungen von unter 18-Jährigen, die im Krankenhaus stationär behandelt werden mussten, sei in Sachsen in den letzten Jahren stark angestiegen - 2017 waren es 883.

Grafik zum Thema Alkoholmissbrauch
Bildrechte: Diakonie Sachsen

Riskanter Alkoholkonsum bei Männern deutlich höher

In Sachsen haben nach Angaben der Diakonie etwa 14 Prozent aller Frauen einen riskanten, bzw. schädlichen Alkoholkonsum. Sie nehmen demnach mehr als zehn Gramm reinen Alkohol pro Tag zu sich - zehn Gramm entsprechen etwa einem Glas Bier (0,25 Liter). Der Wert liege im bundesweiten Durchschnitt. Bei den Männern sehe das anders aus. Bei ihnen liege der Anteil mit 22,6 Prozent deutlich darüber. Sie nähmen über 20 Gramm reinen Alkohol am Tag zu sich - oder mehr als einen halben Liter Bier.

Grafik zum Thema Alkoholmissbrauch
Bildrechte: Diakonie Sachsen

Forderungen und Anregungen der Diakonie

Die Diakonie Sachsen hat am Donnerstag einen Katalog von Maßnahmen vorgestellt, mit denen Alkoholmissbrauch in Sachsen besser bekämpft werden kann.

  • Mehr und bessere Präventionsangebote: Die Aufklärung an Kindergärten und Schulen soll verbessert werden, ErzieherInnen sollten darüber informiert sein, wie sich Abhängigkeiten im Elternhaus bei den Kindern bemerkbar machen und welche Möglichkeiten es zu Hilfe gibt. Ärzte, insbesondere Gynakölogen, sollten schwangere Frauen auf die Notwendigkeit des unbedingeten Alkoholverzichts hinweisen. Die Suchtberatungsstellen sollten mehr finanzielle Mittel bekommen und ausgebaut werden.
  • Keine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit von Alkohol: Alkoholische Getränke sollten nicht jederzeit zum Verkauf angeboten werden. Die Diakonie Sachsen fordert deshalb für Tankstellen mindestens ein Nacht-Verkaufsverbot ab 22 Uhr.
  • Altersgrenze für Verkauf anheben: Die Diakonie Sachsen spricht sich für eine Anhebung der Altersgrenze zur Abgabe von alkoholischen Getränken auf ein Mindestalter von 18 Jahren auch in Deutschland aus. Dies sollte für alle alkoholischen Getränke gelten, ungeachtet der Höhe des jeweiligen Alkoholgehalts. Bisher dürfen Jugendliche bereits ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt kaufen.
  • 0-Promille-Grenze für alle Kraftfahrzeugführer: Die Diakonie verweist auf positive Erfahrungen bei Fahranfängern, bei denen ein komplettes Alkoholverbot gilt. Die Zahl der festgestellten Alkoholverstöße bei den 18 bis 21-Jährigen sei deutlich zurückgegangen.
  • Einführung einer Alkohol-Steuer: Die Diakonie Sachsen fordert die Einführung einer Weinsteuer. Die Mehreinnahmen sollten in Präventionsarbeit fließen. Sachsen könnte dabei über den Bundesrat aktiv werden.

Piktogramm zum Thema Alkohol-Missbrauch
Bildrechte: Diakonie Sachsen

  • Piktogramme für alkoholische Getränke: Piktogramme auf allen alkoholischen Getränken und an Regalen könnten laut Diakonie insbesondere für Jugendliche, die noch nicht ausreichend über die Gefährdungen durch Alkohol aufgeklärt sind, Entscheidungshilfen sein. Auch Schwangere und Autofahrer sollten so besser auf die Gefahren von Alkohol hingewiesen werden.

  • Strengere Auflagen für Alkohol-Werbung: Die Diakonie setzt sich für Werbebeschränkungen für alkoholische Getränke in der Öffentlichkeit ein. So sollten beispielsweise keine Personen gezeigt werden, die nicht mindestens – zumindest vom optischen Eindruck her – junge Erwachsene sind. Auch Trikotwerbung oder andere Werbe- und Sponsoring-Maßnahmen im direkten Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen stehen, sollten verboten sein.

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Trinken 2 min
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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.02.2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Youn8805 vor 14 Wochen

Diesem Thema begegne ich, bis auf Urlaubstage und Frei, jeden Tag. Die erforderlichen Maßnahmen finde ich ehrlich gesagt noch viel zu kurz gegriffen. Die Schäden, die von diesem Suchtmittel ausgehen, betreffen nicht nur die Person selbst, sondern seinen oder ihren gesamten Umkreis. In diesem Zusammenhang fällt mir leider auch auf, das Menschen die jeglichen Konsum von Alkoholika ablehnen, in den gleichen Kreis der Alkoholabhängigen gesteckt wird und das obwohl die Ablehnung einfach daher rührt, das sie entweder schlechte Erfahrungen mit Alkoholabhängigen gemacht haben oder wie z:b ich selbst, einfach super ohne leben können. Die Gesellschaft akzeptiert seltsamer weise beide Seiten nicht. Diejenigen, die trinken und diejenigen, die nicht trinken.

Reiner202 vor 14 Wochen

Verbote ,Steuern usw. helfen garantiert nicht. im Internet findet mann bestimmt eine Anleitung zum Schnaps selber brennen,was dann?.

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